Marktreport Frankfurt: Der Hotspot

Neue Türme, Krawalle, Bevölkerungsexplosion - Langeweile sieht anders aus. Mainhattan polarisiert weiter und zieht immer mehr Menschen in seinen Bann
Frankfurt ist laut. Und damit ist ausnahmsweise mal nicht der Flug­verkehr gemeint. Es sind vielmehr die zahlreichen Baustellen, die aus der Frankfurter City gerade den Potsdamer Platz des Berlins von um die Jahrtausendwende machen.

Die Folge: Staus, ständige Umleitungen und eine extreme Geräuschkulisse, die sich übrigens nicht nur auf die unmittelbare Innenstadt begrenzen. Frankfurt ist kontrovers. Das musste man auch im Zuge der feierlichen Eröffnung der Europäischen Zentralbank (EZB) Mitte März wieder feststellen. Hier zeigte sich Mainhattan mit brennenden Autos und marodierenden Massen sogar von seiner ganz hässlichen Seite.
Marktbericht-Frankfurt: Preise, Prognose, Angebote
In Frankfurt ist das Bankenviertel omnipräsent Quelle: telesniuk - FotoliA

Die heißeste Stadt Deutschlands

Frankfurt ist umtriebig. Nicht zuletzt aufgrund der Preissteigerungen vergangener Jahre setzt die Stadt auf Umnutzungen von Büros oder ehemaligen Behörden. Aus Gewerbe wird Wohnen – lautet die Devise. Frankfurt ist angesagt. Der jährliche Bevölkerungszuwachs liegt seit einiger Zeit bei fünf bis zehn Prozent pro Jahr – also zwischen 4.000 und 8.000 neuen Frankfurter Bürgern. Die Stadt platzt folglich aus allen Nähten. Und dann liegt man in Sachen Lebensqualität laut aktueller Mercer-Studie nicht nur unter den Top Ten weltweit, sondern mit Rang sieben im innerdeutschen Vergleich auch noch deutlich vor Hamburg oder Berlin …

Ganz klar, Frankfurt ist eine der heißesten Städte Deutschlands, wenn nicht Europas. Wenig verwunderlich, dass man sich am Main hinsichtlich der positiven Entwicklung der Stadt absolut einig ist. Allerdings gibt es bezüglich der Analyse verschiedener Teilbereiche mitunter erhebliche Unterschiede.

Als bestes Beispiel mag da die Einschätzung der neuen Stadtoberen dienen. Während zahlreiche Experten die Bestrebungen der Stadt loben, vor allem aus leer stehenden oder unzeitgemäßen Büroflächen möglichst unbürokratisch Wohnraum zu schaffen, steht bei anderen der neue Oberbürgermeister Peter Feldmann bereits jetzt unter Beschuss. So sei geplant, Balkone mit über acht Quadratmetern Fläche nicht mehr zuzulassen und keine Baugenehmigungen mehr für Eigentumswohnungen über 130 Quadratmeter Wohnfläche zu erteilen. Dies seien neue Satzungen, so heißt es, die dazu führen würden, dass sich einzelne Stadtviertel nicht mehr weiterentwickeln würden.

"Luxus funktioniert nicht überall"

Auf Nachfrage war bei der Stadt Frankfurt zu diesem Thema leider keine detaillierte Auskunft zu bekommen.Auch hinsichtlich des möglichen Endes einer Preisrallye ist man sich unter den Frankfurter Maklern nicht wirklich einig. Während einige (womöglich zu Recht) keinen Grund für eine Stagnation oder gar Preisreduzierungen sehen, sprechen andere zumindest von einem partiellen Überangebot im Hochpreisbereich. Zudem seien vermehrt Menschen nicht bereit, noch höhere Preise zu akzeptieren. Das gelte vor allem für das Neubausegment.

Andererseits sprechen eingangs erwähnte Faktoren wie die stetig wachsende Bevölkerungszahl und die dauerhaft niedrigen Zinsen nicht unbedingt für ein Abkühlen des Immobilienmarktes. Dennoch gilt es, den Markt sehr differenziert zu betrachten. Oder, wie es ein Experte auf den Punkt brachte: „Es besteht durchaus die Gefahr, dass an vielen Stellen zu teuer gebaut wird. Luxus funktioniert nicht überall – auch wenn Frankfurt eine reiche Klientel hat.“

Doch selbst wenn diese Klientel reich ist und zudem auch noch immer internationaler wird, jeder Preis ist auch in dem florierenden Markt am Main nicht durchzu­setzen. Zwar sind mit der EZB auch die Anfragen aus dem Ausland nach Wohnraum deutlich gestiegen, doch wenn selbst der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, nur als Mieter am Markt auftritt, relativiert das die Situation in Frankfurt.

Karte: Lagen und Preise in Frankfurt

Karte der Lagen in Frankfurt
Westend, Nordend und der nördliche Teil von Sachsenhausen sind die klassischen Toplagen Quelle: Bellevue

Newcomer Europaviertel

Insgesamt präsentiert sich der Frankfurter Immobilienmarkt jedoch überaus gesund. Sicher gibt es in Teilbereichen und verschiedenen Quartieren gegenüber der Nachfrage ein deutlich zu geringes Angebot, was in der Regel zu Preissteigerungen geführt hat. Doch im Sog der begehrten Lagen wie Westend oder Nordend gewinnen auch andere Standorte – wenn die In­frastruktur stimmt.

Kein Wunder, dass sich auch ein echter Newcomer wie das Europaviertel quasi aus dem Stand heraus etabliert hat. Im Übrigen ist hier ein Großteil der internationalen Käuferschaft anzutreffen. Aber eben auch in bekannten Standorten wie Bornheim, Ginnheim oder Niederrad wird eine erhöhte Nachfrage nach Bestands­immobilien registriert. Manch einer sieht in Bockenheim sogar das neue Nordend.

An dieser Stelle bietet sich der Blick auf den Bericht des Gutachterausschusses an. 4.000 Euro kostete der Quadratmeter einer Neubauwohnung demnach im Schnitt in der Bankenmetropole – ein Plus von sechs Prozent gegenüber 2013. Und auch der Bestand mit 3.450 Euro pro Quadratmeter im Schnitt (plus neun Prozent gegenüber 2013) legte im Preis weiter zu.

Positive Weiterentwicklung?

Die Folge: Frankfurt ist dabei, sich neu zu durchmischen und bisherige Vorurteile gegenüber bestimmten Adressen aufzubrechen. Aus der viel zitierten Wohnungsnot wird eine Tugend gemacht. Da durfte es dann tatsächlich auch nicht fehlen, dass mehrere Makler im Rahmen der Interview­runde IN FRANKFURT das Wort Offenbach in den Mund nehmen. Zu ihrem Schutz möchte man hier keine Namen erwähnen …

Doch im Ernst, die flächenmäßige Entwicklung der Metropole über das Ostend hinaus musste am Main folgerichtig in die ungeliebte Nachbarstadt führen. Und wenn dort sogar der „Macher“ des Ostends, Ardi Goldman, ein Projekt initiiert, könnte das ein klares Indiz für eine positive Weiterentwicklung sein. 
BELLEVUE Ausgabe 3/2015

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Dieser Artikel stammt aus dem BELLEVUE-Heft 03/2015.

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