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RIESIGE AUSWAHL Rund 660 km Strände hat Uruguay. Ferienimmobilien und Wohnsitze für Auswanderer sind besonders östlich von Montevideo begehrt – bei Hauspreisen von 80.000 US $ bis 4 Millionen US $ | Foto: Huber-Images/Jordan Banks

Es sind 170 Kilometer Küste, wo in Uruguay die Musik spielt. Hier, zwischen der Hauptstadt Montevideo und dem Luxusdorf José Ignacio im Bezirk Maldonado, leben über 60 Prozent der 3,5 Millionen Einwohner des Landes. Hierhin zieht es Touristen aus der ganzen Welt, besonders um in der berühmte Jet-Set- und Party-Szene von Punta del Este abzufeiern. Hier sind die Locations und Objekte, die ausländische Immobilienkäufer meist suchen – sei es als Auswanderer, Investor oder Zweitwohnsitzeigentümer. Das Angebot ist beachtlich: City-Apartments in Montevideo, Villen, Bungalows und Wohnungen in Beach-Resorts bzw. bewachten Privat-Communities, Einzelhäuser in Küstenorten, Anwesen am Strand, Farmen und die sogenannten „Chacras“, kleine Landsitze oder Höfe mit ein paar Hektar Fläche.

Wegen der Corona-Pandemie herrscht aktuell (Stand: Mitte Juli 2021) ein Einreiseverbot nach Uruguay (Einstufung als Virusvarianten- Gebiet), die Grenzen nach Argentinien und Brasilien sind geschlossen. Dadurch stagnieren die Immobilienpreise und für Kaufinteressenten eröffnen sich aktuell noch Verhandlungsspielräume. Mit der Wiedereröffnung der Grenzen werden ein Nachfrageschub und steigende Preise erwartet.

Was wird gekauft?

„Uruguay ist ein Land für Auswanderer mit Kapital“, erklärt August Scheiffele (Wittlinger Real Estate in Dornstadt). Während Argentinier und US-Amerikaner vor allem Apartments suchen, sind bei Deutschen Häuser mit großen Grundstücken sowie Chacras stark gefragt. „Mehr als 20 Kilometer weg von der Küste kauft allerdings kaum ein Ausländer mehr,” sagt Maklerin Martina van Bevern aus Manantiales bei Punta del Este. Abseits der Küste fehlt Infrastruktur wie Ärzte, Geschäfte, gute Straßen. Und sich mal eben mit Freunden im Café treffen ist schwierig. Vor allem Rentner, die im Hinterland ein Stück Land bewirtschaften möchten, werden oft von der arbeitsintensiven Realität eingeholt. Sie sehen meist ein, dass Häuser an der Küste mit 1.000 Quadratmeter Grundstück eine bessere Option darstellen. Wer hier noch mal beruflich durchstarten will, geht dennoch oft in den klassischen Agarbereich Uruguays oder arbeitet standortunabhängig in der IT-Branche. Auch reine Immobilieninvestments können sich lohnen. Dafür ist dann die Hauptstadt der beste Tipp.

Montevideo: Rindfleisch und Renditen

Im Vergleich zu den Mega-Agglomerationen Lateinamerikas wie Buenos Aires oder São Paulo geht es in Montevideo mit seinen 1,5 Millionen Einwohner eher entspannt zu. Die Hafenstadt ist nicht nur das politische und wirtschaftliche Zentrum, sondern die Quintessenz Uruguays – eine von Einwanderern geformt Stadt. Meist kamen diese seit Mitte des 19. Jahrhunderts aus Spanien, Italien und zum Teil aus Deutschland. Man fühlt sich dem alten Kontinent verbunden, Europäern begegnet man freundlich, die Deutsche Schule existiert seit über 160 Jahren. Und Uruguay ist eines der wohlhabenden Länder Lateinamerikas mit einer konsolidierten Demokratie. Derzeit regiert der Konservative Luis Lacalle Pou als Präsident. Ansonsten teilt man Vieles mit dem großen Nachbarn Argentinien, die südeuropäische Lebensart sowie die Leidenschaft für Fußball, Pferde, Tango, Mate-Tee und Gegrilltes. Im Land der Gauchos und Rancher ist Rindfleisch ein Grundnahrungsmittel – ein vernünftiger Bratrost steht in jedem Haushalt.

Montevideos attraktivste Wohnlagen befinden sich nah zum Meer. Villen und Einfamilienhäuser bietet das Viertel Carrasco bei Preisen von etwa 400.000 bis 2,5 Millionen US $. Pocitos, Buceo und Punta Carretas sind die erste Wahl für luxuriösere Apartments. Dafür zahlt man 260.000 bis 1,4 Millionen US $ (2 Schlafzimmer, ca. 100 – 200 m2 Wfl.). Montevideo ist aktuell der Ort mit den meisten Neubauprojekten in Uruguay. Oft sind es Anlageobjekte. Gute Renditen von etwa 5,5 bis 6 Prozent sind beispielsweise durch Sozialwohnungen in Stadtteilen wie Tres Cruces und Coron bei Preisen von ca. 2.800 US $ pro Quadratmeter zu erzielen. Charles Wright (La Cité Real Estate) sieht ein großes Potential für Investoren in der sich zur wirtschaftlichen Drehscheibe für Südamerika entwickelnden Stadt. Deutsche Unternehmen wie Bader (Lederverarbeitung), BASF oder die Deutsche Bahn stecken Geld in neue Projekte. Mit der sogenannten „Zonamerica“ kann Montevideo zudem mit einer renommierten Freihandelszone für Business und Technologie punkten.

Küste der Auswanderer und Zweitwohnsitze

Ab Salinas an der Costa de Oro (Goldküste) beginnt das von Ferienimmobilien und Zweiwohnsitzen dominierte Gebiet. Uruguayer der Mittelklasse haben hier ihre Sommerhäuser. In klassischen Bädern wie Atlántida, seit den 1920ern ein Urlaubsziel und heute Epizentrum des sommerlichen Nachtlebens junger Uruguayer, kann man zu Preisen ab etwa 60.000 US $ für Einfamilienhäuser einsteigen. Das lockt Deutsche, die nur über ein mittelhohes Budget verfügen.

Gefragter und teurer ist das weiter östlichgelegene Departamento Maldonado. Punta del Este – bekannt als das St. Tropez Südamerikas mit schicken Hotels, breiten Stränden und exklusiven Immobilien – ist der „place to be“ für die Schönen und Reichen aus der ganzen Welt im Dezember und Januar. Neben Party und Chillen ist viel Wassersport angesagt. Rundum die Halbinsel von „Punta“, wie der Ort meist genannt wird, gibt es die teuersten Immobilien Uruguays. Der Ort markiert den östlichsten Punkt des Rio de la Plata, das bis zu 220 Kilometer breite Mündungsdelta der Ströme Paraná und Uruguay. Besonders hoch ist das Preisniveau an der Atlantikseite: An der Playa Brava gibt es viele Apartments und Penthouses für etwa 2 bis 4 Millionen US $. Strandnahe Anwesen und exklusive Chacras mit vielen Hektar Fläche kosten in La Barra und dem 30 km weiter gelegenen Fischerort José Ignacio sowie der Laguna del Sauce oft zwischen 1 und 20 Millionen US $. Dennoch ist die Gegend bei Punta nicht nur für Superreiche zu haben: Im Segment von 200.000 bis 500.000 Dollar finden man Apartments und Häuser – etwa im Zentrum, am Strand La Mansa oder im ruhigem Punta Ballena. Punta del Este hat sich gewandelt. Denn auch außerhalb der kurzen Hochsaison lässt es sich hier mittlerweile gut leben. Viele Geschäfte, Cafés und Restaurants sind ganzjährig geöffnet. Eine medizinische Versorgung ist vorhanden. Nicht wenige Objekte werden zudem über mehrere Monate vermietet, was nicht zuletzt mit der Corona-Pandemie zu tun hat, weil derzeit viele Uruguayer das Wohnen außerhalb der städtischen Zentren bevorzugen.

Und knapp 40 Kilometer westlich gibt es mit dem kleinen Strandort Piriápolis noch eine Alternative. Der Ort bietet Strände, Dienstleistungen und Geschäfte sowie eine Rambla als Flaniermeile. „Sogar Anwesen zur gewerblichen Nutzung wie Farmen, Reiterhöfe und Bed & Breakfast-Objekte gibt es in der direkten Umgebung“, sagt der Makler Paul-W. Freisen. Häuser sind ab 90.000 US $ zu haben. Vor allem Paare und Leute, die einen Altersruhesitz suchen, fühlen sich in Piriápolis wohl.

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Dr. Gerald Paschen

ist Politikwissenschaftler und Spezialist für die internationalen Immobilienmärkte