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Grafik: AdobeStock/Visual Generation

Mit Umfragen und Statistiken soll man immer vorsichtig sein. Allerdings unterstreicht das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage von Statista und YouGov, an der über 2.000 Menschen per Online-Interview teilgenommen haben, ein allgemein vorherrschendes Gefühl: Immer mehr Deutsche spielen mit dem Gedanken, ihre Heimat zu verlassen. Fast die Hälfte (49 Prozent) der über 18-Jährigen spielt mit dem Gedanken, in ein fremdes Land zu ziehen. Und die Gründe hierfür dürften in den letzten Jahren nicht weniger, sondern eher mehr geworden sein. In den vergangenen zehn Jahren sind laut Statistischem Bundesamt über 2,5 Millionen Bundesbürger ausgewandert.

In der gleichen Zeit kamen allerdings auch etwa 1,6 Millionen wieder zurück. Genaue Untersuchungen, wer warum für wie lange wohin verzog, gibt es nicht. Unterm Strich verliert Deutschland durch Fortzüge jedes Jahr mehr Bürger als durch Rückkehrer hinzukommen (2025 lag der Verlust bei knapp 97.000 Personen). Wenn man derzeit nach Listings beliebter Auswandererländer sucht, bekommt man – je nach Erhebung – sehr unterschiedliche Ergebnisse. Das liegt nicht zuletzt daran, wie man besagte Zieldestinationen auswählt bzw. für wen diese in Frage kommen sollen. Daher der Hinweis zur Einordnung: Die Faktoren wurden aus der Sicht von Menschen bewertet, die sich in der zweiten Hälfte ihres Lebens befinden, über einen guten finanziellen Background verfügen und bei überschaubaren Risiken etwas Neues wagen möchten.

Deutlich veränderte Vorzeichen  

Wer heute über einen internationalen Wohn- sitz, einen Zweitstandort oder eine langfristige Verlagerung familiärer Vermögensinteressen nachdenkt, sucht nicht mehr bloß Sonne, Steuervorteile oder eine schöne Adresse. Im Zentrum stehen vielmehr Sicherheit, institutionelle Verlässlichkeit, Aufenthaltszugang, Lebensqualität und die Frage, wie robust ein Standort in einer Welt wachsender geopolitischer und regulatorischer Unruhe tatsächlich ist. Die globale Vermögenslandschaft bleibt dynamisch. Die Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BDG) beziffert das weltweite Finanzvermögen für 2024 auf 305 Billionen US-Dollar und spricht im „Global Wealth Report 2025“ trotz höherer Unsicherheit von einem neuen Höchststand. 

Zugleich hätten sich grenzüberschreitende Vermögens- ströme weiter beschleunigt. Parallel dazu erwartet das Beratungsunternehmen Henley & Partners im „Private Wealth Migration Report“ für 2025 einen Rekord von 142.000 international umziehenden Millionären. Wohlhabende Haushalte und Family Offices organisieren Vermögen damit zunehmend grenzüberschreitend, selektiver und strategischer. Für Europa ist diese Verschiebung besonders relevant. Denn die Diskussion über Auswanderung, Zweitwohnsitze und strukturelle Vermögensmobilität hat ihren Charakter verändert: Sie ist weniger Eskapismus als Standortprüfung. 

Die Schweizer Privatbank Julius Baer beschreibt Ultra-High-Net-Worth- Familien 2025 als Akteure in einem Umfeld steigender Komplexität, geprägt von geopolitischer Volatilität, ökonomischer Fragmentierung und technologischer Disruption. Der unabhängige globale Vermögensverwalter AlTi Global ergänzt, dass 57 Prozent der befragten Family Offices bereits mindestens ein Familienmitglied außerhalb der primären Jurisdiktion des Family Office haben. In Europa liegt dieser Wert sogar bei 76 Prozent. 

Vor diesem Hintergrund liest sich das Auswanderungs-Ranking 2026 nicht als Fernwehliste, sondern als redaktionell strukturierter Belastungstest für internationale Lebens- und Vermögensstandorte. Bewertet wurden zehn Kriterien, darunter Sicherheit, medizinische Versorgung, politische Stabilität und Rechtsstaatlichkeit, Sicherheit vor Natur- gefahren, Kaufkraft und Preisniveau, Aufenthaltszugang, Lebensqualität, Immobilien- Preis-Leistung und wirtschaftliche Stärke. 

Auswanderungs-Ranking 2026

Das Ranking ist relevanter denn je 

Die Vermögenselite sortiert Standorte heute anders als noch vor wenigen Jahren. Noch immer spielen Steuerfragen, Immobilienmärkte und Residency-Optionen eine zentrale Rolle. Doch in der Praxis werden sie zunehmend von Faktoren eingerahmt, die früher gern als „weich“ galten: politische Verlässlichkeit, persönliche Sicherheit, Alltagsqualität, institutionelle Resilienz, Schul- und Gesundheitsinfrastruktur sowie die Frage, ob ein Land in Krisensituationen eher Ordnung oder Reibung produziert. 

Genau dort trifft das Ranking einen Nerv. Für Family Offices und vermögende Privatpersonen ist klar: Wer einen Standort wählt, trifft keine bloße Wohnortentscheidung, sondern eine Architekturentscheidung über Sicherheit, Zugriff, Mobilität und Vermögensruhe. 

Das Ranking entstand in enger Kooperation mit RiskCompass 

RiskCompass berät Privatpersonen, Unternehmen und Family Offices bei der systematischen Bewertung von Stand- orten – in beide Richtungen, sowohl adressgenau als auch allgemein ortsbe- zogen. So geht es um mögliche neue Standorte, etwa im Zusammenhang mit einer Auswanderung, sowie um die Resilienz- und Sicherheitsanalysen bestehender Standorte, die Kunden bereits besitzen oder betreiben: Wohn- sitz oder Firmensitze/Betriebsstätten sowie private Ausweich- oder Rückzugs- domizile (Ferienhaus oder Safe-House). Ob Sie Auswanderer, Digitaler Nomade sind oder nach einem neuen Standort im In- oder Ausland suchen – Analyse und Informationen sind die Grundlage allen Entscheidens. Mehr Infos: www.riskcompass.info

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Sven Heinen

ist Redaktionsleiter bei BELLEVUE.
Tel.: 040-593 625 040