Umland Stuttgart - Große Auswahl
Es muss nicht immer der Stuttgarter Kessel sein, wenn man in der Metropolregion gut wohnen möchte. Das Umland hat zwischen Böblingen und Waiblingen jede Menge attraktiver Lagen zu bieten. Hier ein kurzer Überblick
Der Trend, den der Südwestrundfunk (SWR) jüngst analysierte, ist so eindeutig wie erfreulich für die Stuttgarter Umlandgemeinden: Seit 2020 sind mehr als 30.000 Menschen im Alter von 30 bis 49 Jahren aus der Stadt fortgezogen, viele davon in die Nachbarkreise Ludwigsburg, Esslingen, Böblingen und Rems-Murr-Kreis. Ausgewertet hat das SWR Data Lab innerdeutsche Umzüge der vergangenen 20 Jahre über Kreisgrenzen hinweg, also nicht innerhalb von Großstädten. Auf der passenden Karte ergibt sich demzufolge ein so genannter Donut – mit Stuttgart als Loch in der Mitte. Warum es viele Menschen ins Umland zieht, erklärt im Beitrag des SWR Annette Spellerberg, Professorin für Stadt- und Regionalsoziologie: Ruhe, Nähe zum Grünen, bessere Umweltbedingungen, das seien wichtige Gründe. Aber vor allem: bezahlbarer Wohnraum. „Wenn man den Stuttgarter Wohnungsmarkt nimmt, dann ist da im wahrsten Sinne des Wortes ein riesiger Druck im Kessel“, so Spellerberg.
Vorteil für die Käufer
Abgesehen von den höheren Kaufpreisen in Stuttgart, finden Käufer in den Umlandgemeinden momentan ein deutlich größeres Objektangebot vor – Tendenz weiter steigend. Man hat wieder das, was es vor dem jahrelangen Boom gab – eine wirkliche Auswahl –, befindet so auch einer der befragten Experten. Dass diese Auswahl insbesondere für Verkäufer gewisse Nachteile hat, versteht sich von selbst. Der nun fehlende Druck auf dem Markt gipfelt nicht selten in längeren Preisverhandlungen und letztlich niedrigeren Preisen. Zumindest, wenn das Objekt nicht den geforderten Standards am Markt entspricht. Daher berichten die Makler folgerichtig von verlängerten Vermarktungszeiten und einem deutlich höheren Aufwand pro Objekt. Servicequalität und Beratungsunterstützung sind vermehrt gefragt, was auch an den Banken liegt, deren Wunsch nach Unterlagen gefühlt immer größer wird. Allerdings ist auch im Stuttgarter Umland die Krise des Bereichs Automotive allgegenwärtig. Praktisch kein Tag, an dem nicht bei Porsche, Daimler oder den Zuliferern von Massenentlassungen zu lesen ist. Wirklich förderlich ist so etwas nicht, gerade weil beim Immobilienkauf der Kopf eine goße Rolle spielt.
Reichlich begehrte Standorte
Nachteil an diesen wenig positiven Rahmendaten ist, dass der Einzelne sie kaum ändern kann. Lässt man diese jedoch einfach mal außen vor, gibt es im Stuttgarter Umland zahlreiche interessante und absolut lebenswerte Standorte. Wer die so begehrten Halbhöhenlagen nicht unbedingt im Kessel von Stuttgart, sondern auch im Umland sucht, wird zum Beispiel in Esslingen oder Gerlingen fündig – und das in der Regel zu einem deutlich günstigeren Preis. Und wie schon in den Jahren zuvor (und auch im SWR-Trend skizziert) sind Böblingen, Ludwigsburg, Waiblingen & Co. echte Alternativen. Allein durch die zumeist sehr gute Infrastruktur vor Ort sowie die Anbindung an die nahe Metropole per Sund Regionalbahn sowie via Autobahn und Schnellstraße können die Standorte des Speckgürtels punkten. Hinzu kommt die Tatsache, dass aufgrund der Vielzahl von dort ansässigen Arbeitgebern das Umland nicht einmal eine Alternative, sondern die erste Wahl darstellt. Lebens-, Wohnund Arbeitsqualität sind hier sicher nicht schlechter als in der benachbarten Großstadt. Was sich allerdings bereits im vergangenen Jahr herauskristallisiert hat, ist, dass die Schnelligkeit der Internet-Anbindung stimmen muss, um die gewünschte Nachfrage zu kreieren. Dieser Punkt hat mit der Pandemie und allgemein gestiegener Homeoffice-Tätigkeit an Bedeutung gewonnen – ähnlich wie aktuell die Wichtigkeit der Energiewerte. Zum Glück konnte das neue Heizungsgesetz hier der Unsicherheit ein wenig entgegengewirken.
Dauervorteil Umland?
By the way: Der eingangs erwähnte Trend wird seit 2013 registriert, trifft jedoch nicht nur die Schwabenmetropole. Ähnliche „Donuts“ sind auch bei anderen Großstädten Baden-Württembergs erkennbar – so auch in Freiburg, Mannheim, Karlsruhe oder Heidelberg. Ob dies nun der Beginn einer Flucht raus aus den Städten ist, wird sich zeigen. Eines ist dabei auch deutlich: Das Gros der Umzüge findet lediglich in den Speckgürtel der Städte statt. Vor allem für die meist jüngeren Kinder sollen die gewachsenen Strukturen in Schule, Sportverein und Freundeskreis erhalten bleiben. Also schon raus aus der Stadt, aber nicht zu weit.
| Standorte | Häuser in Euro | ETW in Euro / m² |
|---|---|---|
| Böblingen / Sindelfingen | 600.000–2,1 Mio. | 3.250–6.500 |
| Esslingen | 700.000–3,5 Mio. | 3.750–6.800 |
| Fellbach / Fildern | 450.000–1,2 Mio. | 3.000–6.000 |
| Gerlingen / Leonberg | 500.000–2 Mio. | 3.500–7.000 |
| Leinfelden-Echterdingen | 500.000–1,7 Mio. | 3.750–6.500 |
| Ludwigsburg | 550.000–1,8 Mio. | 4.000–7.000 |
| Remstal / Waiblingen | 500.000–1,5 Mio. | 3.500–6.500 |
| Reutlingen | 550.000–1,8 Mio. | 4.000–6.000 |
| Schönbuchlichtung | 300.000–1,5 Mio. | 2.500–4.500 |
| Tübingen | 600.000–3 Mio. | 4.000–7.000 |
Böblingen / Sindelfingen
Häuser: 600.000–2,1 Mio.
ETW: 3.250–6.500 Euro / m²
Esslingen
Häuser: 700.000–3,5 Mio.
ETW: 3.750–6.800 Euro / m²
Fellbach / Fildern
Häuser: 450.000–1,2 Mio.
ETW: 3.000–6.000 Euro / m²
Gerlingen / Leonberg
Häuser: 500.000–2 Mio.
ETW: 3.500–7.000 Euro / m²
Leinfelden-Echterdingen
Häuser: 500.000–1,7 Mio.
ETW: 3.750–6.500 Euro / m²
Ludwigsburg
Häuser: 550.000–1,8 Mio.
ETW: 4.000–7.000 Euro / m²
Remstal / Waiblingen
Häuser: 500.000–1,5 Mio.
ETW: 3.500–6.500 Euro / m²
Reutlingen
Häuser: 550.000–1,8 Mio.
ETW: 4.000–6.000 Euro / m²
Schönbuchlichtung
Häuser: 300.000–1,5 Mio.
ETW: 2.500–4.500 Euro / m²
Tübingen
Häuser: 600.000–3 Mio.
ETW: 4.000–7.000 Euro / m²
BEL 05/26