Alles (fast) noch wie vor 25 Jahren

Zugegeben, an dieser Stelle habe ich schon einmal von meiner ersten Begegnung mit Potsdam berichtet. Satte 25 Jahre ist es her, dass ich für meinen ersten Städtereport über die Glienicker Brücke fuhr und sofort verzaubert war. Und auch wenn der Grenzstrich auf der alten Havelquerung inzwischen verschwunden ist, der Anblick des Entrées hat sich mit den Jahren nicht großartig geändert.

Wahrscheinlich hat mich Potsdam deshalb gleich wieder in seinen Bann gezogen. Links das Babelsberger Schloss, rechts Wald- und Wasserflächen und vor uns die Berliner Vorstadt – alles (fast) noch so wie damals …

Die Uhren ticken in Potsdam noch langsamer als in Berlin

Überhaupt kann man sagen, dass Potsdam bislang von der rasanten und von extremen Ausschlägen gekennzeichneten Entwicklung der nahen Hauptstadt verschont geblieben ist. Nicht falsch verstehen, die brandenburgische Landeshauptstadt ist sicher kein Dornröschen, das es wach zu küssen gilt, aber nur ein paar Steinwürfe von der Metropole entfernt ticken die Uhren eben doch anders. Langsamer. Behutsamer.

Das gilt nicht zuletzt auch für die Preisentwicklung. Zwar sind die Zeiten von wirklich günstigen Immobilien längst vorbei, doch in der absoluten Spitze verzeichnete die Residenzstadt – nach Angaben des Gutachterausschusses – zumindest bis 2017 noch immer keine Ausreißer von über 10.000 Euro für den teuersten Quadratmeter. Insgesamt liegen die Toppreise für Eigentumswohnungen sogar bei maximal 6.500 Euro pro Quadratmeter (siehe Preistabelle unter der Lagenkarte).

Angesichts der Vorzüge, die Potsdam zu bieten hat, kann das Preisniveau aktuell als absolut akzeptabel bezeichnet werden – mit weiterem Steigerungspotential.

„In einigen Segmenten gab es starke Preisanstiege, die sich fortsetzen werden. Spitzenpreise werden in kleinen, speziellen Segmenten erzielt.“

Andreas Güthling

VON POLL IMMOBILIEN Potsdam

„Die Nachfrage nach Immobilien im Berliner Speckgürtel wird nicht abnehmen. Immer mehr Einwohner ziehen in unsere Region.“

Jan-Hendrik Scherz

Engel & Völkers Kleinmachnow

„Potsdam ist eine Stadt mit internationalem Flair in unmittelbarer Nähe zur Hauptstadt – und zugleich gemütlich und überschaubar.“

Anja Farke

Engel & Völkers Potsdam

Potsdam: Stadt mit tausendjähriger Geschichte

Dabei sind viele der besagten Vorzüge an jeder Ecke zu bewundern. Eine Vielzahl an Sehenswürdigkeiten, fachkundig restaurierte Stilaltbauten oder ganze Quartiere mit touristischem Anziehungspotential wie das Holländische Viertel – Potsdam, die Stadt mit der über 1.000-jährigen Geschichte, kann diesbezüglich aus dem Vollen schöpfen. Hinzu kommen neue Attraktionen wie das Museum Barberini von Ehrenbürger und SAP-Gründer Hasso Plattner, aber auch fast vergessene Orte wie das ehemalige Kasernenareal Krampnitz.

Das diente in jüngster Vergangenheit oftmals als Kulisse für bekannte Hollywoodfilme wie Tarantinos Inglourious Basterds, Die Tribute von Panem oder Operation Walküre. Aktuell gibt es auch wieder Führungen über das Gelände. Das könnte sich jedoch schnell ändern, denn an gleicher Stelle soll für rund 1,5 Milliarden Euro ein neuer Stadtteil entstehen. Etwa 10.000 Menschen könnten auf dem 140-Hektar-Areal später wohnen.

Einige der unter Denkmalschutz stehenden historischen Gebäude werden als Zeitzeugen stehen bleiben. Ähnlich wie beim Vorbild des New Yorker Central Parks soll in der Mitte des neuen Stadtteils ein großer Park von circa acht Hektar Größe entstehen. Zudem soll Krampnitz ein klimaneu­traler und autoarmer Standort werden, der neue Maßstäbe setzen wird.

Insel mit Zukunft

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Potsdam platzt aus allen Nähten

Dringend benötigt wird der dort entstehende Wohnraum in jedem Fall. Schon heute platzt Potsdam aus allen Nähten. Zu attraktiv ist die Stadt für Familien, aber zunehmend auch für Arbeitnehmer. So ist man seit gut einem Jahr eines von zwölf durch die Bundesregierung ausgewählten Digitalzentren, ein so genannter Digital-Hub. An der Havel sammelt sich die geballte MediaTech-Kompetenz.

Nach Angaben der Stadt gibt es in Potsdam derzeit bereits über 800 IT-Unternehmen – Tendenz steigend. Außerdem soll in absehbarer Zeit in der leer stehenden RAW-Halle das größte IT- und Innovationszentrum Europas entstehen.

Nachfrage in Potsdam kann nicht mehr befriedigt werden

Für die Immobiliensuchenden bedeutet dies sicher keine Vereinfachung ihrer Situation. Schon heute ereilt Potsdam das gleiche „Schicksal“ wie andere Großstädte, dass die Nachfrage innerhalb der Stadtgrenzen oftmals nicht mehr befriedigt werden kann. So orientieren sich vermehrt Suchkunden in Richtung Umland – bei passender Anbindung.

Bevorzugte Standorte sind – in Richtung Berlin – Kleinmachnow, aber auch Stahnsdorf und Teltow. Hier tritt man jedoch in direkte Konkurrenz der ausweichenden Berlin-Klientel. Kein Wunder, dass auch an diesen Standorten die Preise in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt haben.

Wasserlagen machen das Umland interessanter

Ähnlich sieht es in den potsdamnahen Adressen Werder und Caputh aus. Ausgestattet mit Wasserlagen, gewachsenen Vierteln und einer guten Regionalbahnanbindung sind auch hier wirklich günstige Angebote eher selten. Und so wird auch das weiter entfernte Umland mit der Zeit interessanter.

Die Nachfrage gehe inzwischen sogar bis Ketzin, Nauen (Nordwesten) oder Großbeeren (Osten), heißt es, und sogar Brandenburg an der Havel (Westen) werde in die Suche mit einbezogen. Eines ist sicher: Das war bei meinem ersten Potsdambesuch vor 25 Jahren definitiv nicht der Fall.

Fazit: Potsdam entwickelt sich zum Jobmagneten

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Sven Heinen

ist Mitglied der BELLEVUE-Redaktion.