Immobilien im Frankfurter Umland 2017: Verstärkte Nachfrage

Überhöhte Preise in der Metropole, aber vor allem sehr hohe Lebensqualität und frei stehende Häuser mit Grundstücken – Frankfurts Umland ist begehrter denn je

Bei seinem tadellosen Ruf muss sich Bad Homburg um die Nachfrage keine Sorgen machen (Foto: Fotolia)

Vergleiche mit Flora und Fauna ­liegen in der Immobilien­branche nicht immer sehr nah. Doch wenn in einer Runde gleich dreimal von einer tierischen Nachfrage die Rede ist, kann man das doch nicht so einfach unter den Tisch fallen lassen. Und dabei speist sich besagtes animalisches Inte­resse am Frankfurter Umland nicht mehr nur aus regionaler Nachfrage oder der aus der nahen Großstadt. Vermehrt entdecken auch überregionale und sogar ausländische Käufer Lagen wie den Vordertaunus oder den Frankfurter Süden für sich. Mitunter entdeckt man sie – wie im Fall von etlichen Rückkehrern in die Rhein-Main-Region – auch WIEDER für sich und die Familie. Dabei spielt die Familie gerade im Frankfurter Umland eine enorm große Rolle. Gesucht werden insgesamt lebenswerte Standorte mit guter – besser noch – perfekter Anbindung an die Bankencity. Aber auch eine ausreichende Infrastruktur direkt vor Ort ist essenziell.

Dass diesbezüglich die Taunuskette mit Bad Homburg, Oberursel, Bad Soden, Kronberg und Königstein immer wieder ins Spiel kommt, ist weitestgehend verständlich. Einige Standorte haben offensichtliche Vorteile und Stadtväter, die in jüngster Vergangenheit dafür gesorgt haben, dass ihr Standort entwicklungstechnisch nicht auf der Stelle tritt. Oberursel gehört hier dazu, ebenso der Bestseller der letzten Jahre – Bad Soden – und Bad Homburg als ganz eigener Markt ohnehin. Gleiches gilt für Bad Vilbel, ein jahrelang gut gehütetes Geheimnis, dessen Dornröschenschlaf jedoch längst vorbei ist. Auch hier werden Familien mit offenen Armen empfangen.

Punktet nicht nur mit einer pittoresken Altstadt: Königstein im Taunus (Foto: Fotolia)

Den Turnaround in Sachen Generations­wechsel haben hingegen Kronberg und König­stein wohl noch nicht hinbekommen. Zumindest wirken diese Standorte weniger jung und nicht so lebendig wie ihre Nachbarorte. In Sachen Immobilienbestand braucht man sich hier allerdings kaum Sorgen zu machen. Objekte zum „Zungeschnalzen“ haben gerade die beiden letztgenannten Städte in großer Fülle – wenn auch nicht immer im Angebot oder einfach mal zu teuer.

Eines hat diese Frankfurt-Runde deutlich gemacht: Die Metropolregion hat eine enorme Anziehungskraft und wirkt auf Außenstehende oft wesentlich größer, als sie in Wirklichkeit ist. Dennoch ist die Zeit der Panikkäufe offenkundig ­vorbei. ­Mondpreise werden nur selten bezahlt und wenn, dann nur für Immobilien ohne jeglichen Makel. Sicher ist das Angebot am Markt traditionell gering, aber wer jetzt aktiv ist, WILL kaufen. Eine Notwendigkeit besteht dafür oft gar nicht. Daher sollte sich der eine oder andere Verkäufer den Satz eines Maklers womöglich zu Herzen nehmen: Man darf die Latte preislich hoch­legen. Allerdings nur so hoch, dass auch noch jemand drüberspringen kann.

Fachwerk-Idylle in Dreieich (Foto: pure-life-pictures/Fotolia)

Beispiel Dreieich

Noch einmal zurück zu den Lagen des Frankfurter Umlands: Abgesehen von den imageträchtigen und ruhigen Lagen des Taunus gehört der Süden der Metropole zu den angesagtesten Standorten. Die Region Dreieich mit der faszinierenden Villenkolonie Alt-Buchschlag erfreut sich im „Geräuscheschatten“ des Flughafens an dessen Nähe und zudem steigender Beliebtheit. Der Vorteil hier: Mit dem Auto ist man schneller in der Innenstadt als von der Taunuskette, mit Darmstadt liegt eine weitere Großstadt vor der Tür, und das Angebot reicht von 600.000 Euro für ein kleineres Bestandsobjekt bis zum denkmalgeschützten Villenanwesen für mehrere Millionen Euro.

Ein echtes Manko, so eine Expertin der Region, seien die fehlenden Objekte im Bereich von einer bis anderthalb Millionen Euro. Einmal mehr das, was finanzstarke Familien im Umland bereit wären auszugeben. Und so sehen sich die Makler oftmals den gleichen Problemen gegenüber wie in Frankfurt, seien sie nun in Dreieich, im Vordertaunus, in Bad Vilbel und Wiesbaden oder sogar in Mainz tätig. Der Markt ist in der Regel eng bis leer, die Preise moderat bis stark steigend, und die Nachfrage erreicht Jahr für Jahr neue Peaks. Ein einfacher Markt sieht anders aus.

Begehrter Speckgürtel

Kaum eine Großstadt hat eine derartige Vielfalt an attraktiven Umlandstandorten zu bieten wie Frankfurt

Grafik: BELLEVUE

Beispiel Hintertaunus: Usingen und Neu-Anspach

Und wer nun denkt, es müsse dann doch reichen, ein paar Kilometer weiter hinter den beliebten Satelliten Frankfurts zu suchen, der merkt bald, dass auch dort, wo ein vernünftiges Maß an Infrastruktur vorhanden ist, die steigenden Preise bereits Einzug gehalten haben. Auf zum Teil moderatem Niveau, versteht sich.
Zu guter Letzt noch ein Tipp für einen Markt mit Potential: Die Hintertaunus-Standorte Usingen und Neu-Anspach werden voraussichtlich 2018 an das Frankfurter S-Bahn-Netz angeschlossen. Preislich derzeit noch 30 bis 40 Prozent unter dem Vordertaunus einzuordnen, dürfte sich das für die Region in nicht allzu ferner Zukunft sicher ändern. Und eine weitere „tierische Nachfrage“ dürfte hier bevorstehen.

Ländliche Idylle in Großstadtnähe: der Hattsteinweiher bei Usingen (Foto: Fotolia)

Sven Heinen

ist Mitglied der BELLEVUE-Redaktion.

DAS SAGEN DIE PROFIS
Statements namhafter und erfahrener Makler aus dem Frankfurter Umland

Mira-van-der-Zalm.jpg

„Die Nachfrage in guten bis sehr guten Lagen Wiesbadens ist unge­brochen. Nur wird der Markt weiter von Verknappung bestimmt.“ Mira van der Zalm, Dahler & Company, Wiesbaden

Immobilien im Frankfurter Umland 2017: Verstärkte Nachfrage

Daniel-Scheffler.jpg

„Im Main-Taunus-Kreis ist die Nachfrage nach Wohnimmo­bilien konstant hoch. Wir rechnen mit weiter steigenden Preisen.“ Daniel Scheffler, VON POLL IMMOBILIEN, Bad Soden

Immobilien im Frankfurter Umland 2017: Verstärkte Nachfrage

Jasmin-Hahl.jpg

„Die Preise im Frankfurter Süden sind in den vergangenen Jahren schon gestiegen, aber moderat. Für Pendler ist der Standort ideal.“ Jasmin Hahl, Engel & Völkers, Dreieich und Frankfurter Süden

Immobilien im Frankfurter Umland 2017: Verstärkte Nachfrage