Immobilien im Düsseldorfer Umland 2017: Echte Alternativen

Ob Meerbusch, Neuss oder Langenfeld – rund um die Rheinmetropole bieten zahlreiche Standorte gute Anbindungen und Lebensqualität zu guten Preisen

Ratingen: Die Stadt in Düsseldorfs Nordosten punktet nicht nur durch ihre verkehrsgünstige Lage (Foto: 500pix/Marcel Quoos)

Von der Vorstellung eines traditionellen Umlandes muss man sich in Düsseldorf verabschieden. Lässt man die Stadtgrenze hinter sich, kommen zumeist kein ländliches Idyll, so weit das Auge reicht, oder üppige Waldflächen. Nein, man befindet sich in der Regel bereits direkt in einer anderen Stadt. Ob in Duisburg, Ratingen, Langenfeld oder Neuss – die begehrten Umlandstandorte der Rheinmetropole liegen oft direkt hinter dem Ortsschild Düsseldorfs.

An dieser Stelle wird es Zeit, diese Lagen einmal genau unter die Lupe zu nehmen. Den Anfang macht der traditionell gefragte Düsseldorfer Westen. Trotz des nicht wegzudiskutierenden Fluglärms zieht es viele Immobiliensuchende in die linksrheinische 55.000-Einwohner-Stadt Meerbusch. Ein Experte sagte sogar im Scherz, den Fluglärm zahle man hier extra. Und in der Tat, preislich liegt vor allem die Villensiedlung Alt-Meererbusch im beliebten Ortsteil Büderich absolut auf Düsseldorfer Niveau. Die Villenkolonie mit Gartenstadtcharakter wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet und ist heute noch eine der teuersten Wohnlagen Deutschlands. Wer es sich leisten kann, sucht hier sein Glück nur ein paar Steinwürfe vom Top-Standort Oberkassel entfernt.

Insgesamt ist der Standort vor allem für junge Familien interessant. Meerbusch bietet alles, was man zum Leben braucht – bis auf ein ausgewogenes Angebot an Immobilien unter 500.000 Euro. Kein Wunder, wenn man das Fazit eines Experten zugrunde legt, dass Meerbusch eigentlich zu Düsseldorf gehöre. Und dennoch hat die Fertigstellung der Autobahn A44 und die damit verbundene noch bessere Anbindung nach Düsseldorf für einen weiteren Nachfrageschub gesorgt.

Etwas weiter südwestlich gehen die Uhren (noch) anders. Kaarst ist ähnlich wie Meerbusch über die Autobahn bestens an Düsseldorf angebunden. Zwar hat auch diese rund 45.000 Einwohner zählende Stadt mit ihren fünf Stadtteilen wahrnehmbaren Fluglärm, aber hier sind es eher Anflüge in größerer Höhe, die grundsätzlich als weniger störend empfunden werden.

Doch Kaarst hatte noch in den 90er-Jahren ganz andere Probleme. Als unattraktive Schlafstadt für Exil-Düsseldorfer bekannt, hat man in den vergangenen Jahrzehnten allein durch die umfangreiche Umstrukturierung der Innenstadt mit künstlichem See und großem Freizeitangebot in der Akzeptanz stark aufgeholt. Die bevorzugten Wohnlagen sind Büttgen als ältester Stadtteil von Kaarst sowie das „Edelsteinviertel“ in Holzbüttgen. Trotz der deutlich gestiegenen Nachfrage liegt man in Kaarst derzeit noch bei 4.500 Euro pro Quadratmeter in der Spitze für Wohnungen und bei weit unter einer Million Euro für Einfamilienhäuser. 

Grafik: Bellevue

Die Satelliten der Rheinmetropole

Je nach Arbeitsplatz in der Großstadt stehen für Pendler links- und rechtsrheinische Städte zur Auswahl – zu meist deutlich günstigeren Preisen

Der Süden: Neuss

Ein wenig höher präsentieren sich die Preise etwas weiter südlich, in Neuss. Das Zentrum der über 150.000 Einwohner zählenden Stadt hat schon fast Düsseldorfer Niveau. Überhaupt, so wird berichtet, sähen sich die Neusser mitnichten als Pendler­standort der Rheinmetropole. Schließlich biete die Stadt alles, was man brauche – außer vielleicht die direkten Rheinlagen.

Neuss hat eine vitale Wirtschaft, tolle Immobilien von Jugendstilhäusern in der Innenstadt bis zu Landhausvillen in Gnadental, Ponoma oder in Grimlinghausen oder Uedesheim sowie eine gute Anbindung auf die andere Rheinseite – ob man sie nun in Anspruch nimmt oder nicht. Bis knapp unter 4.500 Euro pro Quadratmeter (Wohnungen), aber mitunter auch über eine Million Euro (Häuser) werden in der traditionsreichen Stadt in der Spitze verlangt und gezahlt. 

Der Südosten: Monheim, Langenfeld, Hilden

Das ist weiter südlich und südöstlich vermehrt anders. Hier „kämpfen“ Monheim, Langenfeld und Hilden um die Gunst der Pendler. Preislich sind diese drei Standorte in der genannten Rangfolge zu sehen, wenn auch nur durch Nuancen getrennt. Während Hilden als kompakte Mittelstadt mit guter Infrastruktur und einer Top-Anbindung nach Düsseldorf über Straße und Schiene punktet, sind es bei Langenfeld und Monheim die innovativen Stadtoberen, die ihre Gemeinden schuldenfrei und damit für Immobiliensuchende höchst attraktiv gemacht haben. Preissteigerungen sind angesichts dessen sehr wahrscheinlich.

Der Nordosten: Ratingen

Im Nordosten Düsseldorfs liegt Ratingen, ein klassisch gefragter Umlandstandort mit durchaus „sportlichen“ Preisen. Direkt an den Düsseldorfer Osten angrenzend, ist man über Auto- und S-Bahn in kürzester Zeit an der Kö. Interessant macht den Standort auch die direkte Nähe zum Düsseldorfer Flughafen. Die begehrtesten Wohnlagen Ratingens sind Hösel und Ratingen-Ost. 

Neuss: Die 150.000-Einwohner-Stadt ist nicht nur für Pendler attraktiv. Wer hier wohnt, braucht Düsseldorf eigentlich nicht (Foto: Fotolia/hanseat)

Die Peripherie: Krefeld

Zu guter Letzt sollte eine wieder aufstrebende Stadt in der Düsseldorfer Peripherie nicht vergessen werden. Krefeld, der für seine Textil- und Seidenindustrie bekannte Standort, fristete lange ein unbeachtetes Dasein, bis vor Jahren wieder Bewegung in den Markt kam. Dabei verfügt die 225.000-Einwohner-Stadt zumindest über einige sehr attraktive Wohnlagen.

Stadtwald, Musiker- und Bismarckviertel sind hier vorrangig zu nennen. Dazu kommen viel Grün, eine kompakte City, reichlich Infrastruktur und zumindest über die Straße eine gute Anbindung an Düsseldorf. Kein Wunder, dass Krefeld wieder in den Käuferfokus rückt. Preislich darf man heute jedoch vielerorts keine Schnäppchen mehr erwarten. Dafür waren die Preissteigerungen in den guten und sehr guten Lagen zuletzt zu rasant. Von bis zu 25 Prozent ist da in der jüngsten Vergangenheit die Rede gewesen, Tendenz steigend. 

Sven Heinen

ist Mitglied der BELLEVUE-Redaktion.