Auf nach Ökoguay!

Investitionen in Uruguay sind längst kein Geheimtipp mehr. Aber noch lohnend. Die Zukunft des Landes heißt Bio-Landwirtschaft
Beste Steaks von natürlich aufgewachsenen Rindern und eine Fußballnationalmannschaft, die vor Ewigkeiten zweimal die Weltmeisterschaft gewonnen hat und deren Körpereinsatz bis heute als nicht gerade zimperlich gilt – das fällt einem vielleicht zu Uruguay ein. Es lohnt aber durchaus, sich näher mit der „Republik östlich des Uruguay“ zu befassen.

Das kleine Land zwischen den großen Nachbarn Brasilien und Argentinien ist mit etwas über 176.000 Quadratkilometern etwa halb so groß wie die Bundesrepublik. Die 3,5 Millionen Uruguayos stammen zum überwiegenden Teil von spanischen und italienischen Einwanderern ab. Weit über die Hälfte der Einwohner lebt in der Hauptstadt Montevideo und den Departamentos am Río de la Plata. Wichtigste Wirtschaftszweige des Landes sind der Bausektor und die Landwirtschaft, wobei die klassische Haltung von Schafen und Rindern immer mehr Konkurrenz vom Ackerbau bekommt.

Seit 15 Jahren berät der gelernte Agrartechniker August Scheiffele Investoren und Immobilienkäufer in Uruguay. BELLEVUE sprach mit dem gebürtigen Schwaben über die Möglichkeiten, die das Land im Süden Südamerikas bietet.
Uruguay Interview
Ackerbaubetriebe mit mehreren Hektar Land gibt es in Uruguay viele Quelle: Wittlinger Real Estate
Herr Scheiffele, welches sind Ihre schlagenden Argumente für ein Engagement am Río de la Plata?
Politische Stabilität, ­persönli­che Sicherheit, seit fast zehn Jahren solides Wirtschafts­wachstum, breite Mittelschicht, wenig ­Korruption, große Zukunft mit Bio-Landwirtschaft, umwelt­freund­liche Energiepolitik, gute Infrastruktur, attraktive Steuern, Investoren sind willkommen. Ein nettes, friedliches Land mit reizenden Menschen.

Wer sind Ihre Interessenten?
Es gibt im Prinzip drei Gruppen von Investoren: für den Agrarsektor, für den Tourismussektor und Privat­leute auf der Suche nach einem schönen Haus oder Apartment in Meeresnähe.

Wie beurteilt der Landwirtschaftsexperte August Scheiffele Uruguays Bodenqualitäten?  
Alle Bodenqualitäten in ganzen Land sind im so genannten Coneat exakt katalogisiert und bewertet. Böden mit einem Index-Wert von bis zu 80 eignen sich in erster Linie für Forstwirtschaft, von 80 bis 120 für Viehzucht und ab ca. 120 für Ackerbau. Generell gilt: Die Böden im Landesinneren, im Westen von Uruquay sind eher Ackerland, die Böden in Richtung Brasilien vorwiegend Weideland.
Uruguay Interview

Der Interviewpartner

AUGUST SCHEIFFELE,  Wittlinger Real Estate
Was zahlt man heute für den Hektar?
Beim Weideland zwischen 3.000 und 4.000 US-Dollar, beim Ackerland bis zu 12.000 Dollar für Spitzen­lagen. 200 bis 300 Hektar sollte eine Ackerlandfarm schon umfassen, sonst kann man davon kaum leben. ­Viehzucht braucht noch bedeutend mehr Platz. ­Ins­gesamt sollte man 1,5 bis zwei Millionen Dollar ­mitbringen, wenn man es richtig machen will.

Der Traum vom Neustart als Haciendero in Südamerika hat also seinen Preis?
Ja, mit 100.000 Euro werden Sie heute wenig erreichen. Das war vor zehn Jahren noch deutlich
anders. Da kostete der Hektar ordentlicher Acker­boden noch 900 Dollar, heute 6.000.

Ist der Zug für lohnende Investitionen wieder einmal bereits abgefahren?
Das würde ich so nicht sagen. Die großen Boom­zeiten sind vorüber, die Goldgräberstimmung ist passé. Preise haben sich normalisiert. Sie sind kalkulierbar geworden. Die Zahl der Investoren aus dem kriselnden Nachbarland Argentinien ist deutlich reduziert, dafür kommen zunehmend Interessenten aus Brasilien und Europa. Jetzt ist eine gute Zeit zum Investieren. 

Kommen wir zum Tourismus. Uruguay ist nicht gerade als Badeparadies bekannt. Wann ist Saison?
Uruguay hat ein subtropisches bis gemäßigtes Klima und im Vergleich zu Europa gegenteilige Jahres­zeiten. Der Sommer beginnt im Dezember und endet im April – mit durchschnittlichen Tageshöchsttemperaturen von bis zu 30 Grad. Im Winterhalbjahr Mai bis November sinken die Temperaturen manchmal nachts auf den Gefrierpunkt, tagsüber werden bis zu 15 Grad erreicht. Das Klima ist also eher mit Frankreich zu vergleichen als mit dem von Nordbrasilien. Höhepunkt der Hochsaison ist zu Karneval im Februar. Dann platzt Punta del Este aus allen Nähten.
Welches sind die beliebtesten Lagen und begehrtesten Standorte?
Punta del Este ist natürlich der bekannteste Name, ist aber im Prinzip nur ein mittelgroßer Ort auf einer Landzunge – die eine Seite in der breiten Mündung des Río de la Plata, die andere im Atlantik. Die touristisch attraktive Gegend beginnt schon vor Maldonado und zieht sich bis zu den Stränden mit dem gewissen Touch; von Punta Ballena, Garzón und José Ignacio. Aber auch Montevideo wird immer attraktiver und verzeichnet steigende Gästezahlen. Investitionen in Hotelanlagen erwirtschaften in Uruguay Renditen von zwölf bis 18 Prozent. 

Mit welchen Preisen muss man bei Apartments und Häusern kalkulieren?
In den attraktiven Orten am Atlantik oder an der Mündung des Río de la Plata beginnen die Preise für ordentliche Häuser bei 200.000 Dollar. Luxusvillen in guter Lage von Punta del Este gibt es ab knapp einer Million, die teuersten Objekte in Bestlage mit Privatbucht und prominenter Nachbarschaft kosten bis 15 Millionen Dollar. Schöne Apartments gibt es ab 100.000 Dollar. Ausländische Investoren sind gern gesehen, und eine Aufenthaltsgenehmigung für ein Jahr oder sogar zehn Jahre stellt normaler­weise kein Problem da. Auch die Steuergesetzgebung gilt als durchaus unternehmerfreundlich.
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