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Dirk Wohltorf, Wohltorf Immobilien

Dirk Wohltorf:  Günstig war einmal – und kommt an manchen Stellen gerade wieder. Der Berliner Immobilienmarkt bietet aus meiner Sicht derzeit Einstiegschancen, wie wir sie in einzelnen Segmenten seit mehr als zehn Jahren nicht mehr gesehen haben. Wer solide finanziert ist und langfristig denkt, kann wieder verhandeln und interessante Immobilien zu interessanten Kaufpreisen erwerben.


Natürlich gehört Berlin bei den Kaufpreisen weiterhin zur oberen Liga der deutschen Großstädte. Bei den Mieten muss man allerdings genau hinsehen: Der Berliner Mietspiegel weist einen mittleren Wert von 7,71 Euro nettokalt pro Quadratmeter aus. Wer heute eine Wohnung sucht, erlebt häufig eine völlig andere Preiswelt. Genau darin liegt meine Kritik: Dieser politisch stark aufgeladene Referenzwert vermittelt ein Bild, das mit der Erfahrung vieler Wohnungssuchender wenig zu tun hat. Wir müssen diese Diskrepanz offen benennen. Ein niedriger und politisch manipulierter Wunsch-Mietspiegelwert macht noch keine Wohnung verfügbar. Er verhindert sie eher. 


Quo vadis, Berlin – welche Auswirkungen für den Immobilienmarkt erwarten Sie durch die jüngste Wahl?
Kurzfristig rechne ich zunächst mit Zurückhaltung. Käufer und Investoren werden genau beobachten, welche wohnungs- und eigentumspolitischen Weichen jetzt gestellt werden. Wer weitere Eingriffe, zusätzliche Auflagen oder neue Vergesellschaftungsdebatten befürchtet, wartet ab oder orientiert sich stärker in Richtung Brandenburger Speckgürtel. Politische Unsicherheit kostet Vertrauen – und damit Investitionen, die Berlin dringend braucht.


Gleichzeitig entstehen gerade in solchen Phasen Chancen für mutige Käufer und langfristig orientierte Investoren. Berlin bleibt die Bundeshauptstadt, und die Anziehungskraft dieser Stadt reicht weit über eine Wahlperiode hinaus. Ich bin überzeugt: Auch die Linke wird es nicht schaffen, Berlin auf Dauer seine wirtschaftliche Dynamik und den Wunsch der Menschen nach Eigentum und unternehmerischer Freiheit zu nehmen. Entscheidend ist jetzt, ob die Politik Vertrauen zurückgewinnt und Investitionen ermöglicht.


Warum ist die Hauptstadt dennoch über alle Zweifel erhaben und ein guter Investmentstandort?
Über alle Zweifel erhaben ist kein Investmentstandort. Aber Berlin besitzt Qualitäten, die sich politisch bremsen, jedoch nicht einfach beseitigen lassen. Für mich ist Berlin die einzige deutsche Stadt mit dieser besonderen Weltstadtqualität: international, kreativ, widersprüchlich und immer in Bewegung. Berlin hat das Potenzial, das „Start-up Valley“ Europas zu sein – ein Ort, an dem Menschen Ideen entwickeln, Unternehmen gründen und ihre Zukunft gestalten wollen.


Hinzu kommt eine außergewöhnliche Lebensqualität in sehr unterschiedlichen Formen: pulsierendes Großstadtleben ebenso wie grüne, beinahe dörfliche Wohnlagen. Wer morgens am Wasser oder im Grünen aufwachen und abends Kultur auf Weltniveau erleben möchte, findet hier eine besondere Verbindung. Gerade die grünen Ortsteile zeigen, wie vielfältig das Wohnen in dieser Stadt sein kann.
Für langfristige Immobilieninvestitionen ist diese Anziehungskraft ein starkes Fundament. Lage, Kaufpreis und Zustand müssen selbstverständlich stimmen. Aber wer Berlin nur nach seinen politischen Schlagzeilen beurteilt, unterschätzt die Stadt.

 

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Sven Heinen

ist Redaktionsleiter bei BELLEVUE.
Tel.: 040-593 625 040