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ERSTE REIHE Das Angebot an Immobilien direkt am Meer ist extrem vielfältig | FOTO: AdobeStock/Freesurf

Es gibt Orte, die erträumt man nicht – sie träumen dich. Sie warten nicht, bis du sie findest, sie kommen auf dich zu. In Form einer Anzeige, eines Windhauchs, eines Gesprächs auf einem Boot, bei dem jemand sagt: „Da ist ein Haus. Am Ende der Welt. Es steht seit drei Wochen leer.“

Die Kanarischen Inseln sind nicht Ibiza. Sie sind kein Versprechen auf Lärm oder Lust. Sie sind älter, dunkler, würdevoller. Sie sind ein Komma im Satz der Zeit. Und wer hier eine Immobilie sucht, sucht nicht nach Quadratmetern, sondern nach einer Form des Verweilens, die nicht Besitz bedeutet, sondern Einverleibung. Man geht nicht über den Markt, man geht hinein.

Inseln wie Kapitel

Gran Canaria, Lanzarote, Teneriffa, La Gomera, Fuerteventura, El Hierro – jede Insel ein Kapitel, jeder Wind ein Absatz, jedes Objekt eine Metapher.

Die Preise? Sie sind eine Sprache für sich. 1,5 Millionen für eine Villa mit Blick auf den Atlantik. Drei Millionen für ein Haus, das aussieht wie ein in Beton gegossenes Gedicht von Lorca. Achthunderttausend für eine Wohnung, die mehr Meer als Mauer ist.

Käufer mit Sehnsucht

Und dann sind da die Käufer. Sie kommen aus Hamburg, aus Oslo, aus Zürich. Sie tragen Leinenhemden und Steueroptimierungsideen. Aber sie bleiben, weil der Wind ihnen etwas zuflüstert, das sie in ihren Herkunftsorten verlernt haben: Dass Zeit eine Richtung hat und Besitz keine Sicherheit, sondern ein Wagnis ist.

In Maspalomas fließt das Licht wie Sand durch die Finger. In Puerto de Mogán riecht es nach Salz, nach Plänen, nach der Möglichkeit, neu zu beginnen. Wer hier kauft, kauft nicht nur Mauerwerk. Er kauft Aussicht. Und mit der Aussicht eine andere Version von sich selbst.

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TRADITION Häuschen im inseltypischen Baustil prägen vor allem das Landesinnere | FOTO: AdobeStock/Lubos Chlubny

Namen wie aus einem Roman

Teneriffa. Costa Adeje. La Caleta. El Duque. Namen wie aus einem alten Roman. Orte, in denen ein Fenster mehr wert ist als eine Garage in München. Fünf Millionen für eine Villa mit Namen, drei Millionen für einen Pool, in dem der Himmel sich nicht spiegelt, sondern versenkt.

Und Santa Cruz. Hauptstadt des Übergangs. Hier entstehen die neuen Penthäuser mit Blick auf ein Morgen, das technischer, aber nicht weniger sinnlich ist. Wachstum 12,5 Prozent in einem Jahr. Nicht wegen der Zahlen. Sondern wegen der Sehnsucht, die sie ausdrücken.

Die leisen Inseln

Und wenn man sich dann abwendet von den großen Inseln, von den bekannten Namen, beginnt das Eigentliche. La Gomera. El Hierro. Inseln, auf denen der Luxus nicht leuchtet, sondern atmet. 1.800 Euro der Quadratmeter. Aber was sind Zahlen, wenn das Licht durch die Fenster fällt, als hätte es Jahrzehnte nur auf dich gewartet?

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UNSCHEINBAR Typisch für die Inseln: Kleine Häuser, die sich in die wildromantische Landschaft schmiegen | FOTO: AdobeStock/travelguide

Lanzarote – ein Manifest

Lanzarote. Die Insel ist ein Manifest. César Manrique hat hier nicht gebaut, er hat geantwortet. Auf eine Landschaft, die nicht schreit, sondern ruft. Nachhaltige Villen. Öko-Retreats. Grundstücke, die weniger versprechen als fordern. Man kauft nicht. Man verpflichtet sich.

Fuerteventura – das tastende Wachstum

Und dann Fuerteventura. Noch tastend. Aber wachsend. Acht Prozent Preiszuwachs. Und das Gefühl, dass hier noch etwas möglich ist, das anderswo längst normiert wurde. Corralejo, Caleta de Fuste, Costa Calma. Orte mit Namen, die nach Stille klingen – und genau das bieten.

Die Käuferstruktur? International. Entschlossen. Zunehmend jung. Wer hier investiert, ist nicht unbedingt reich, aber bereit. Bereit, sich einzulassen – auf Sand, auf Wind, auf Besitz, der mehr bedeutet als Kapital.

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GEMÜTLICH In der Regel sind die am Markt befindlichen Villen innen top ausgebaut | FOTO: AdobeStock/Lubos Chlubny

Besitz als Geschichte

Denn Besitz auf den Kanaren ist kein Statussymbol. Er ist eine Geschichte. Eine, die mit Wind beginnt, mit Blicken weitergeht und mit Stille endet. Und jeder Kauf ist eine Zeile in dieser Geschichte. Jeder Grundbucheintrag ein Gedicht.

So steht da eine Villa. In erster Reihe zum Atlantik. Sie kostet sieben Millionen. Aber was sie wert ist, kann niemand sagen. Denn ihr Wert liegt nicht im Stein, sondern im Zittern des Glases, wenn der Passatwind kommt. Im Schatten der Palme auf der Terrasse. Im Schweigen des neuen Eigentümers, der zum ersten Mal seit Jahren nicht mehr redet, sondern sieht.

Architektur als Haltung

Und so geht es weiter. Mit Projekten, die aussehen wie Architekturzeitschriften auf zwei Beinen. Mit Golfresorts, in denen kein Ball geschlagen, sondern nur geträumt wird. Mit Wohnungen, die mehr Glas als Wand sind, mehr Idee als Immobilie.

Smart-Home. Solarenergie. Nachhaltigkeit. Schlagworte, die hier keine PR sind, sondern gelebte Notwendigkeit. Die Inseln verlangen Respekt. Und sie geben viel zurück. Licht. Raum. Und das Gefühl, dass Besitz keine Antwort ist – sondern eine Frage, die gut gestellt ist.

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INNENLEBEN Oft sieht man den Wohnhäusern hier von außen den Luxus gar nicht an | FOTO: AdobeStock/Johannes

El Hierro – die leiseste Antwort

Und am Ende bleibt: El Hierro. Die kleinste der Inseln. Die leiseste. Und vielleicht die wertvollste. Nicht im Preis. Sondern im Ton. Hier kauft man nicht, um zu besitzen. Sondern um zu bleiben. Für eine Woche. Für ein Jahr. Für ein Leben.

Denn wer über den Atlantik blickt, weiß, dass dort keine Antwort liegt. Nur Horizont. Und wer hier kauft, folgt keinem Markttrend. Er folgt einer Vision, die nicht laut ist, sondern leise. Wie das Flügelschlagen eines Vogels über Lavagestein. Wie ein Vers von Don Quijote, den niemand aufgeschrieben hat, aber jeder zu kennen scheint.

Immobilien als Erzählung

Vielleicht ist die Wahrheit dieser Inseln nicht zu besitzen. Vielleicht ist es die Idee, dass man auf einem Vulkan wohnen kann, ohne zu brennen. Dass man in einem Haus leben kann, das sich selbst zuhört. Dass man jeden Morgen wach wird und nicht sicher weiß, ob das Licht draußen vom Himmel kommt oder vielleicht aus einem selbst.

So entstehen hier nicht nur Immobilien, sondern Erzählungen. Nicht nur Anlagen, sondern Abenteuer. Nicht nur Investitionen, sondern Identitäten. Der Mann von La Mancha hätte es geliebt. Denn wo sonst kann ein Haus ein Ideal sein? Ein Pool ein Spiegelbild der Hoffnung? Eine Terrasse ein Denkmal des inneren Friedens?

Und so wächst der Markt. Und mit ihm die Vorstellung, dass Besitz nicht länger bedeutet, etwas zu haben. Sondern: etwas zu sein. Irgendwo. In diesem Wind. In diesem Satz. Auf diesen Inseln, die träumen. Und dich träumen lassen.

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Gerhard Rodler

Chefredakteur

BEL 01/26