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LAGEVORTEILE Potsdam ist umgeben von Wasser und hat gerade auch deswegen viele attraktive Wohnstandorte zu bieten | Foto: picture alliance/ZB/euroluftbild.de/Robert Grahn

Grundsätzlich neigen die Deutschen dazu, eher das Schlechte zu suchen oder kritisch zu sein. Anstatt sich daran zu erfreuen, was man Gutes hat, wird erst auf das Negative verwiesen. In den USA haben sie dafür ein Sprichwort: „Only bad news are good news.“ Sicher werden die meisten auch in der brandenburgischen Landeshauptstadt etwas zu bemängeln haben, aber wer angesichts der prosperierenden Stadt am Wasser nicht ins Schwärmen gerät, dem ist eh nicht mehr zu helfen.

Die Residenzstadt, die im Südosten an Berlin angrenzt, kann auf eine über 1.000-jährige Geschichte zurückblicken, deren Vermächtnis im gesamten Stadtgebiet zu bewundern ist. Aufgrund der über 20 Gewässer, die zu Potsdam gehören, erhält man den Eindruck, die Stadt sei eine Insel. Ein großer Pluspunkt, vor allem in Sachen Wohnqualität. So befinden sich einige der besten Wohnadressen an den Seen und Flussläufen. Kritiker aufgepasst: Es gibt nur zwei Havelübergänge, was den Verkehr nicht selten vor größere Probleme stellt. Schließlich umfasst das Einzugsgebiet rund 4,7 Millionen Menschen – davon eine Vielzahl an Pendlern.

Großstadt mit Zukunft

Doch abgesehen von den historischen Sehenswürdigkeiten – von Schloss Sanssouci über das Holländische Viertel bis zu den Babelsberger Filmstudios – ist es vor allem die Progressivität der Stadt, die sie aktuell so begehrt macht. Leben aktuell um 180.000 Menschen dort, geht eine Studie davon aus, dass es 2030 schon 200.000 sein werden. Zum Vergleich: 2008 wurde Einwohner Nummer 150.000 begrüßt. Die Entwicklung der Stadt ist rasant, was nicht zuletzt an den Fortschritten in Sachen Forschung und Digitalisierung liegt. Mittlerweile über 40 Forschungseinrichtungen, drei öffentliche Hochschulen sowie ein deutschlandweit bedeutender Digital Hub unterstreichen den Innovationsanspruch der Havelmetropole.

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HISTORIE Die Residenzstadt wartet an allen Ecken mit Sehenswürdigkeiten aus verschiedenen Jahrhunderten auf | Foto: PMSG/André Stiebitz

„Die Preissteigerungen sind wohl erst einmal gestoppt, aber wer jetzt auf ,Schnäppchen‘ hofft, dürfte falsch liegen.“

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Anja Farke

Engel & Völkers Potsdam

„Je nach Segment sind Nachfragerückgänge zu erkennen. Ein entschleunigter Markt birgt jedoch auch Chancen für Käufer.“

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Christopher-René Schill

KENSINGTON Potsdam

„Unsere Interessenten eint die Liebe zu Potsdam. Egal wie turbulent die Zeiten auch sein mögen, schön wohnen möchten die Menschen immer.“

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Björn Hörner

WFS Welthaus Living

Hohe Nachfrage, knappes Angebot

Ein zweischneidiges Schwert ist die restriktive Baupolitik in der Landeshauptstadt. Die Zahl der Wohnungsfertigstellungen ist seit Jahren rückläufig und sorgt im Zusammenspiel mit dem stetigen Zuzug, der vermehrt auch aus der Nachbarmetropole Berlin erfolgt, für einen Wohnungsmangel. Selbst in diesen Krisenzeiten ist von größeren Preisrückgängen noch kaum etwas zu sehen. Ausnahmen sind Objekte, die auf der preislichen Erfolgswelle mitgeschwommen sind – zum Teil völlig ohne Grund. Sicher ist auch in Potsdam die Nachfrage leicht rückläufig, und auch die Preissteigerungen vergangener Jahre sind erst einmal gestoppt, doch das Interesse an Immobilien in der Stadt ist weiterhin immens groß.

Das zeigen auch die Zahlen des Gutachterausschusses zumindest für das Jahr 2021. Ein Plus von 23 Prozent bei den Kaufverträgen (1.458 Stück) gegenüber 2020 sowie ein Anstieg von 17 Prozent auf 1,115 Milliarden Euro belegen dies nachhaltig. Vermehrt haben sich Interessenten Potsdam auch als Altersruhesitz auserkoren. Sie akzeptieren dabei die durch die hohen Einstiegspreise aktuell geringere Rendite, haben sich jedoch Eigentum für später gesichert.

Treck ins Umland

Der Anstieg der Kaufpreise lässt allerdings auch im Fall von Potsdam die Umlandstandorte stärker in den Fokus rücken. Denn es sind zumeist preisliche Erwägungen, die gerade Familien in gewachsene und neue Lagen wie Kleinmachnow, Caputh oder Werder ziehen lassen. Mittlerweile reicht die Nachfrage sogar bis nach Nauen oder Brandenburg/ Havel. Echte Schnäppchen muss man jedoch suchen. Die Standorte im Potsdamer Speckgürtel haben preislich inzwischen immens aufgeholt. Immer unter der Voraussetzung, dass Infrastruktur vor Ort und die Anbindung nach Potsdam passen.

Ob die Energiekrise diesen Trend einbremst, wird sich zeigen. Fakt ist: Potsdam und sein Umland können aus dem Vollen schöpfen. „Wenn ein Standort wie dieser abschmiert“, so fasst es ein Experte folgerichtig zusammen, „haben wir in ganz Deutschland ein Problem.“

Immobilienlagen und Preise in Potsdam

Gefragte Landeshauptstadt - Wirklich einfache oder günstige Lagen gibt es in Potsdam nicht mehr. Die Residenzstadt ist unverändert beliebt und zieht als innovativer Standort vermehrt auch junges Publikum an

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Grafiken: Jochen Schäfers/Yamori
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Sven Heinen

ist Redaktionsleiter bei BELLEVUE.
Tel.: 040-593 625 040

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