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NIGHTWATCH Die Gehry-Bauten prägen seit 1999 das Bild des Düsseldorfer Medienhafens. Dazu – perfekt illuminiert – der Rheinturm | FOTO: AdobeStock/Marcus Retkowietz

Die gute Nachricht gleich vorweg: Der Gutachterausschuss der Stadt Düsseldorf registrierte 2024 nach zwei stark rückläufigen Jahren wieder steigende Zahlen. Bei den Stückzahlen wurden mit 4.047 Kauffällen 2022 und 2023 übertroffen und die Blickrichtung geht auf das Niveau von 2020. Auch im Falle des Transaktionsvolumens konnte das Vorjahr deutlich übertroffen werden. Rund 1,39 Milliarden Euro bedeuten ein Umsatzplus von 69 Prozent gegenüber 2023. Jedoch gilt die Aussage des letztjährigen Düsseldorf-Reports: Von den Boomzeiten der Jahre 2018 oder 2019 ist man weiterhin ein gutes Stück entfernt. Doch der Gutachterausschuss sieht hier eine klare Tendenz, dass die Zurückhaltung der Marktteilnehmer langsam bröckelt.

Das zeigt nicht zuletzt auch der Blick auf die Halbjahreszahlen des Düsseldorfer Gutachterausschusses. Er unterstützt die Aussagen der Experten, dass wieder Bewegung im Markt festzustellen sei und auch die allgemeine Stimmung etwas aufgehellter daherkomme. Ob das eine nachhaltige Positiventwicklung ist, ein echter Trend oder nur ein Sturm im Wasserglas – man darf gespannt sein. Fakt ist, dass aus anderen deutschen Großstädten ähnliche Ist-Zustände vermeldet werden.

Mehr Kauffälle im ersten Halbjahr

Die Zahl der Kauffälle liegt rund elf Prozent über dem Niveau von 2024 oder auch 2020. Deutlich weniger positiv fällt der Immobilienumsatz der ersten sechs Monate im Vorjahresvergleich aus. So ging das Transaktionsvolumen im ersten Halbjahr 2025 im Vergleich zu 2024 um zwölf Prozent zurück und war damit nur leicht besser als vor zehn Jahren (2015). Mehr Kauffälle, aber weniger Umsatz – das bedeutet wohl einen weiteren Rückgang der Durchschnittspreise. Allerdings sollte man die kompletten Jahreszahlen mit allen großen Immobiliendeals abwarten, bevor man über der Landeshauptstadt von NRW die Lanze bricht. Denn insgesamt war und ist Düsseldorf immer von großer Solidität geprägt und blieb von extremen Preisschwankungen weitgehend verschont.

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WASSERLAGE Die Stilaltbauten im Stadtteil Oberkassel sind das Sinnbild für die Topstandorte in Düsseldorf – Rheinfront inklusive | FOTO: AdobeStock/Christian Schmidt

Ein Blick zurück nach vorn

Der Grund für die stabile Performance von Düsseldorf ist selbstverständlich in der Vergangenheit zu suchen. Klar, als Mode- und Medienstadt mit überaus attraktivem Hafenareal – man denke nur an die Gehry-Bauten – ist die Rheinmetropole hinlänglich bekannt. Und auch als Standort der drittgrößten japanischen Community Europas mit eigenem Viertel („Little Tokyo“) hat sich Dü’dorf längst einen Namen gemacht. So gibt es nicht nur zahlreiche japanische Restaurants und Läden, sondern auch einen internationalen Golfclub mit japanischer Historie (KOSAIDO) und japanisch sprechende Immobilienmakler. Diese gewachsene und gelebte Internationalität ist geradezu einzigartig in Deutschland. Als top und vielschichtig wird der Standort nicht nur von einem Experten bezeichnet. Keine monothematische Wirtschaft könnte zur Bedrohung werden, keine Abhängigkeit von nur einem großen Arbeitgeber ist als Damoklesschwert erkennbar.

Doch gerade auch in puncto Stadtentwicklung hat man an der längsten Theke der Welt in der jüngeren Vergangenheit „Gas gegeben“ und erfolgreich neue und funktionierende Quartiere geschaffen. Beispielhaft sind die zentral gelegenen Neuen Stadtquartiere Derendorf mit dem um 2010 entstandenen Quartis Les Halles zu nennen, erbaut auf dem ehemaligen Areal des Güterbahnhofs. Oder Grafental, ein inzwischen urbanes Viertel zwischen den Stadtteilen Grafenberg und Düsseltal – im Vergleich zu Neubaugebieten anderer Großstädte, zeigt sich hier, wie Zeit entwickeln können und angenommen werden. Es ist zu erwarten, dass sich neuen Gebieten oder ehemaligen Brachen mit gleicher Sensibilität angenommen wird, um Erfolge vorweisen zu können. Die Rede ist von Entwicklungen wie dem Glasmacherviertel oder den Bentrather Gärten.

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DÜSSELDORFER ALTSTADT Mehr als nur „die längste Theke der Welt“ – die Altstadt der Rheinmetropole ist wohntechnisch sehr beliebt | FOTO: AdobeStock/hespasoft

Viel Nachfrage und zu wenig gute Objekte

Dass sich der Markt verändert hat, hat inzwischen auch das Gros der Verkäufer festgestellt. Nur diejenigen, die überhaupt keinen Verkaufsdruck haben, beharren auf ihren Preisvorstellungen. Doch Rückgänge gab es eben auch in den Spitzenlagen wie Oberkassel, Kaiserswerth oder in der Carlstadt. In Krisenzeiten haben sich die Spitzenstandorte selbstverständlich am wertstabilsten behauptet, aber es werde auch dort genau auf das Objekt geschaut. Das gilt für hochwertige Bestandsobjekte wie für den Neubau. Höchstpreise seien schon mal möglich, berichten die Makler, aber nur bei wirklich unvergleichlichen Objekten oder solchen, bei denen keine Kompromisse erforderlich seien. Und von denen gibt es auch in Düsseldorf nicht so viele. Positiv bleibt festzuhalten: Die Nachfrage hat sich in vielen Segmenten deutlich belebt. Nur ein wenig mehr Entscheidungsfreude bei den Abschlüssen wäre nun wünschenswert, ist zu hören …

Fazit

Auch als einer von Deutschlands Big-7-Standorten muss sich Düsseldorf mit deutlich veränderten Marktgegebenheiten arrangieren. Nach erkennbaren Preisrückgängen ist man aktuell weitgehend preislich wieder stabil unterwegs in der Rheinmetropole. Bei älteren Bestandsobjekten könnte es allerdings auch noch weitere Abschläge geben, während die Nachfrage nach Top- Immobilien und Unikaten weiterhin sehr gut ist. Flächendeckend steigende Preise sehen die meisten von uns befragten Experten aktuell zwar noch nicht, das Potenzial für die kommenden Jahre erkennen sie andererseits schon.

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Sven Heinen

ist Redaktionsleiter bei BELLEVUE.
Tel.: 040-593 625 040

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