Interview: Aufbruch auf den Azoren

Die portugiesische Inselgruppe im Atlantischen Ozean blüht auf und weckt Interesse – bei Touristen wie bei Käufern aus dem Ausland
Grün wie Neuseeland, schroffe Küsten, wie man sie aus England kennt, hellblaue Seen wie auf Island, und überall blühen blaue Horten­sien: Die Rede ist von den Azoren. Der Archipel ge­hört politisch zwar zu Portugal, liegt aber rund 1.360 Kilometer westlich vom Festland entfernt. Zwei der insgesamt neun Inseln, Flores und ­Corvo, gehören geologisch schon zur nordamerikanischen Kontinentalplatte. Eben diese Lage inmitten des Atlantischen Ozeans sorgt für das stets milde Klima, eine einzigartige Vegetation und eine immergrüne Landschaft. Auf der Hauptinsel São Miguel leben rund 140.000 Menschen, auf den Azoren insgesamt nur knapp 247.000. Die oft unberührte Natur zieht gleichermaßen Festlandsportugiesen wie Segler aus aller Welt an. Aber die Azoren werden auch für internationale Touristen und Käufer immer interessanter. Die Zeichen ­stehen auf Aufbruch.

Frau Machado, insgesamt neun Inseln bilden den ­Archipel der Azoren. Welche Inseln sind bei auslän­dischen Käufern und Investoren besonders ­beliebt?

Unserer Erfahrung nach gehören die Inseln São Miguel, Terceira, Faial, Pico, Santa Maria und Flores zu den beliebtesten. São Miguel und Terceira, weil sie die größten und erschlossensten Inseln sind. Pico und Faial sind begehrt aufgrund der einzigartigen und speziellen ­Natur, Santa Maria wegen des guten Wetters. Und bei Flores mögen die Leute die Ruhe auf der Insel.

Wollen Käufer aus dem Ausland tendenziell lieber in der Inselmitte oder an den Küsten wohnen?

Definitiv bevorzugen die ausländischen Käufer Immobilien am Wasser, am liebsten mit Meerblick. Die meisten schauen sich nach allein stehenden Häusern oder Villen um, die ihnen Privatsphäre garantieren. Außerdem sind Grundstücke an der Küste begehrt, auf denen später ­gebaut werden kann.

Braucht man als Ausländer spezielle Dokumente, wenn man auf den Azoren kaufen möchte?

Ja. Investoren oder Privatpersonen müssen beim portugiesischen Finanzamt gemeldet sein, um eine portugie­sische Steuernummer (NIF) zu bekommen. Ohne diese können sie keine Immobilien erwerben. Private Käufer müssen außerdem einen gültigen Pass vorlegen. Und: Es empfiehlt sich, ein Konto bei einer portugiesischen Bank einzurichten, weil durch die Bank ausgestellte, zertifizierte Checks die sicherste Zahlungsmethode bei Immobilienkäufen sind.
Sónia Machado

Unser Expertin

Sónia Machado, Geschäftsführerin von A. Machado - Sociedade de Mediação Imobiliária

Wie läuft der Kaufprozess dann ab?

Wenn die Steuernummer beantragt und ein Konto bei einer portugiesischen Bank eingerichtet ist, dann können Käufer den Kaufprozess am besten über eine Immobilienfirma abwickeln lassen. Wenn der Kauf nicht sofort vonstatten gehen soll, ist es sinnvoll, eine Anzahlung zu entrichten – meistens sind das zehn Prozent des Verkaufpreises –, damit Käufer und Verkäufer auf der s­icheren Seite sind.

Wo könnten Ihrer Erfahrung nach Schwierigkeiten beim Kauf für Ausländer auftreten?

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Gesetzestexte für Ausländer oft schwierig zu durchschauen sind. Aus diesem Grund macht es Sinn, eine lokale, vor Ort ansässige Immobilienfirma zu engagieren, die einen bei dem Kaufprozess unterstützt und berät.

Apropos Gesetze: Wie sieht es mit Umweltauflagen aus? Welche Bestimmungen gilt es einzuhalten?

Es gibt Umweltauflagen, die von Insel zu Insel und manch­­mal auch von Stadt zu Stadt unterschiedlich sind. Manche Gegenden stehen unter Naturschutz, dort gibt es strenge Auflagen für den Bau von Häusern und Wohnungen, in manchen darf gar nicht erst gebaut werden. Bevor ein Objekt, ob Gebäude oder Grundstück, also gekauft wird, sollte der Interessent sich an die jeweil­ige Stadtverwaltung wenden und sein Vorhaben vorstellen, um sicherzugehen, dass es auch mit allen Umweltauflagen und Bestimmungen konform ist.

Kommen wir zu den Preisen: Wie sehen die aus, und wie haben sie sich in den letzten Jahren entwickelt?

Die Preise variieren natürlich stark, je nach Lage, Wohnfläche und Zustand des Hauses. Es ist z. B. durchaus möglich, ein renovierungsbedürftiges Haus am Meer für nur 40.000 Euro zu finden. Möchte der Käufer aber ein gut erhaltenes Objekt, dann rangieren die Preise ab 150.000 Euro aufwärts. Und wenn es ein luxuriöses Objekt mit Meerblick sein soll, sollte man schon mit mindestens 250.000 Euro kalkulieren. Vor ein paar Jahren noch litten Immobilien hier unter starken Werteverlusten, der Markt laborierte an der Inflation. Aber heute, nach der Krise, sind die Preise wieder stabiler. Wichtig zu wissen ist für Ausländer übrigens: Die Azoren bieten interessante Steuervorteile. Vor allem wenn man in touristische Projekte und die lokale Entwicklung auf den Azoren investieren will, erhält man Unterstützung aus Subventionen der EU.

Für welche Nationalitäten sind die Azoren interessant? Wer kauft?

Vor allem Deutsche, Briten, Italiener, Fran­zosen, Skandinavier. Aber auch Amerikaner und Kanadier.
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