GERALD EVANS - Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von GECCI, Foto: GECCI

Vom gelernten Maurer zum Bauingenieur und Unternehmer: Gerald Evans hat das Baugeschäft von der Pike auf gelernt. 2014 gründete er die GECCI GbR, der er als persönlich haftender Gesellschafter vorsteht. Bis heute hat die GECCI-Gruppe an Bauprojekten in Afrika, Asien, Europa und Südamerika mit einem Gesamtvolumen von über 9 Milliarden Euro mitgewirkt. Seit 2014 ist der gebürtige Hesse wieder in Deutschland. Zurück in der Heimat, ärgerte es ihn, dass die europäische Immobilienkreditlinie es privaten Bauherren mittlerweile schwer macht, den Traum vom Eigenheim zu realisieren. Vier Jahre tüftelte Evans an einem alternativen Finanzierungskonzept, bis er schließlich im Frühjahr 2019 die GECCI-„Mietübereignung“ der Öffentlichkeit präsentieren konnte.

BELLEVUE: Herr Evans, Sie bieten privaten Bauherren ein alternatives Finanzierungsmodell an, die „Mietübereignung“. Wie funktioniert das?

Gerald Evans: Das Prinzip ist sehr einfach. Zunächst prüfen wir Ihre finanziellen Möglichkeiten. Dann sagen Sie uns, wo Sie gerne bauen möchten, und wir suchen gemeinsam das passende Grundstück. Dann kalkulieren wir gemeinsam die Baukosten und ermitteln die Gesamtsumme. Diese wird durch die gewünschte Mietzeit, die zwischen 23 und 32 Jahren liegt, geteilt, und das ist die Basis der monatlichen Kaltmiete. Hinzu kommen noch Nebenkosten wie Versicherungen etc., Verwaltungsund Projektierungskosten, die zwischen 13 und 17 Prozent der Gesamtsumme liegen. Auch die Heizkosten sind in der Miete enthalten, nur Strom- und Wasserverbrauch zahlen Sie wie bei der klassischen Miete direkt an Ihren Anbieter.

Ist die Mietübereignung dann ähnlich wie der Mietkauf?

Nein, auf gar keinen Fall. Denn bei uns ist weder eine Anzahlung noch eine Schlusszahlung fällig. Das heißt, Sie können ohne Eigenkapital bauen. Außerdem ist der Tilgungsanteil bei der Mietübereignung wesentlich höher, wir kalkulieren inklusive Zinsen mit 75 bis 80 Prozent der Bausumme. Mietkauf-Modelle rechnen meist mit maximal 60 Prozent. Der Jahreszins bei GECCI-Projekten mit Mietübereignung liegt zwischen 1,65 und 2,11 Prozent. Damit sind wir gegenüber jeder Bank wettbewerbsfähig.

Besteht dann nicht die Gefahr, dass sich die Bauherren finanziell übernehmen?

Auch diese Frage kann ich guten Gewissens verneinen. Bevor wir mit der Grundstückssuche beginnen, steht eine gründliche Bonitätsprüfung an. Das monatliche Netto-Mindesteinkommen muss zum Beispiel bei einer Familie mit einem Kind bei 3.400 Euro liegen, bei Singles sind es 2.600 Euro pro Monat. Wir bauen auch nicht überall, die Grundstücke müssen schon noch bezahlbar sein. Das historisch niedrige Zinsniveau hat zu einem Immobilienboom geführt.

Was hat Sie motiviert, den Markt mit einem neuen Finanzierungsmodell noch weiter anzuheizen?

Sie haben Recht, es wird viel gebaut, aber auch viel spekuliert. In der breiten Masse kommt das Wohnraumangebot nicht an. Laut neuester LBS Studie ist die Eigenheimquote in Deutschland noch weiter gesunken und liegt jetzt gerade mal bei 42 Prozent. Damit ist Deutschland, eines der reichsten Länder Europas, dessen Schlusslicht bei der Eigenheimquote. Meiner Ansicht nach sind die schwierigen Finanzierungsbedingungen mit ein Grund dafür. Das will ich mit GECCI ändern und so Geschichte schreiben.

Sie finanzieren, bauen und verwalten selbst. Wie sichern Sie den späteren Eigentümer finanziell ab?

Wir schließen zwei Notarverträge mit Ihnen ab: einen Mietvertrag und einen Übereignungsvertrag. Dazu werden Sie als künftiger Eigentümer in Form einer Auflassungsvormerkung im Grundbuch eingetragen. Nach Ablauf der vereinbarten Mietzeit werden Sie damit Eigentümer und zahlen nur noch die fällige Grundsteuer, mehr nicht. Ihre monatlichen Zahlungen beginnen auch erst nach Baufertigstellung, ein weiterer Vorteil gegenüber klassischen Bauprojekten.

Welche Bauprojekte planen Sie 2021?

Wir haben gerade Grundstücke für zehn Einfamilienhäuser in Bockenem (Niedersachsen) erworben. Außerdem liegen uns Bestellungen für 17 Häuser vor. Ich denke, 10 bis 13 davon können wir noch in diesem Jahr realisieren. 2021 sollen auch die ersten GECCI-Mehrfamilienhäuser entstehen. Die 44 Eigentumswohnungen kann man dann kaufen, mieten oder per Mietübereignung erwerben.

Ulrike Eschenbecher

ist freie Journalistin und Autorin