1350x900_Kartell_verbessert.jpg
FOTO: Kartell

Die Geschichte des modernen Designs ist auch eine Geschichte der Reduktion. Immer wieder versuchen Designer, mehr mit weniger zu erreichen: weniger Material, weniger Gewicht, weniger sichtbare Konstruktion – und dennoch mehr Präsenz. Der neue Savoia-Stuhl von Kartell folgt genau diesem Gedanken.

Entworfen von Edward Barber und Jay Osgerby, wirkt Savoia auf den ersten Blick beinahe gezeichnet statt gebaut. Die außergewöhnlich schlanke Struktur aus Aluminiumdruckguss verleiht dem Stuhl eine Leichtigkeit, die man eher mit einer Skizze als mit einem Möbelstück verbindet. Gleichzeitig bleibt die Konstruktion stabil und präzise – ein Ergebnis jener Material- und Fertigungskompetenz, für die Kartell seit Jahrzehnten bekannt ist.

Besonders interessant ist die Vielseitigkeit des Entwurfs. Sitzfläche und Rückenlehne sind in unterschiedlichen Materialien erhältlich: recyceltes Technopolymer, gebogenes Holz oder Leder verändern den Charakter des Stuhls jeweils grundlegend. Mal wirkt er sachlich und industriell, mal warm und wohnlich, mal fast luxuriös. Dadurch passt sich Savoia unterschiedlichen Lebenswelten an – vom privaten Esszimmer bis zur Hotellerie. 

In einer Zeit, in der viele Möbel laut um Aufmerksamkeit werben, setzt Savoia auf eine andere Qualität. Seine Wirkung entsteht nicht durch spektakuläre Formen, sondern durch Proportion, Präzision und Materialität. Die feinen Aluminiumprofile, die nahtlos integrierten Armlehnen und die nahezu schwebende Anmutung verleihen dem Stuhl eine Ruhe, die selten geworden ist. Gerade deshalb könnte Savoia mehr sein als eine Neuheit. Er steht für eine Entwicklung im zeitgenössischen Design, bei der Technologie nicht sichtbar inszeniert wird, sondern unsichtbar arbeitet. Das Ergebnis ist ein Möbelstück, das sich nicht in den Vordergrund drängt und dennoch lange im Gedächtnis bleibt.

190905-epmedia-MP_F.JanaMadzigon-2724_cut_sw.jpg

Gerhard Rodler

Chefredakteur