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FOTO: Lies Mertens X Jonas Van Put

Die Tasche selbst ist inspiriert von der schmalen, länglichen Form der Razor Shell, einer Muschel der Nordsee. Fragil und präzise zugleich, weich in der Haptik, klar in der Linie. Aus dieser Spannung entstand ein hölzerner Taschenhenkel, der in aufwendigen, von Hand gefeilen Prototypen entwickelt wurde. Ziel war eine Form, die selbstverständlich in der Hand liegt – ein Objekt zwischen Skulptur und Gebrauchsgegenstand.

Im nächsten Schritt verlagerte sich diese Form vom Maßstab des Accessoires in den architektonischen Kontext. Mit Dauby wird der hölzerne Griff nun als gegossener Möbel- und Türgriff umgesetzt. Die Materialität ändert sich, die formale Sprache bleibt. Kurven, Übergänge und Kanten sind weiterhin auf Berührung ausgelegt – nur verschiebt sich der Kontext vom persönlichen Objekt hin zum Raumdetail.

Ensis steht damit für eine Entwicklung, die im zeitgenössischen Design immer stärker wird: Grenzen zwischen Mode, Produkt und Architektur lösen sich auf. Ein Griff, der ursprünglich eine Tasche hielt, wird Teil von Türen und Möbeln – und damit Teil des Alltagsraums. 

Es ist kein lauter Gestus, sondern eine präzise Verschiebung der Perspektive. Was früher Accessoire war, wird architektonisches Element. Und genau in dieser Verschiebung liegt die Qualität von Ensis.

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Gerhard Rodler

Chefredakteur