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HOTSPOT PORT DE SÓLLER Mallorca bleibt unangefochten an der Spitze der Beliebtheitsskala der Deutschen | FOTO: AdobeStock/Aleh Varanishcha

Es gibt Märkte, die man analysiert. Und es gibt Orte, an denen man aufwacht – im Geräusch eines fernen Möwenschwarms, im Schatten einer Feige, im Duft von Kaffee, der zu stark ist, um höflich zu sein. Das spanische Festland ist, im Jahr 2025, beides: Ein Markt mit Zahlen und ein Land mit Versprechen. Zwischen Alicante und Sevilla, zwischen Kastilien und Küste, hat sich ein Raum geöffnet für jene, die nach einem Zuhause suchen – nicht nur aus Beton, sondern aus Zeit.

Denn was bedeutet es heute, ein Haus zu besitzen? Vielleicht ist es – in einer Welt der Mietmodelle und Mobilitätsversprechen – eine letzte Form der Unabhängigkeit. Oder eine Form des Widerstands. Gegen das Tempo, gegen die Unerreichbarkeit, gegen die eigenen Zweifel. Wie ein Mann aus La Mancha, der nicht an den Weltlauf glaubte, sondern an das, was dahinterliegt.

Küsten, die mehr verbergen als zeigen

An der Costa del Sol weht der Wind sachter als anderswo – aber auch hier trägt er Geschichten mit sich. Marbella, Málaga, Estepona: Namen wie aus Katalogen und doch durchwirkt von Leben. Die offerierten Immobilien – Resorts, Villen, Apartments – sind keine Monumente mehr, sondern Metaphern: für Stabilität, für ein gutes Jahr, für einen Lebensrhythmus, der weniger fordert.

Auch an der Costa Blanca erkennt man, dass es nicht mehr ums Sehen geht, sondern ums Bleiben. In Benidorm, Jávea oder Dénia entstehen Wohnformen, die mehr sind als Objekte: Rückzugsorte mit Nähe zur Welt. Apartments mit Blick aufs Meer, aber auch mit Photovoltaik auf dem Dach. Reihenhäuser, die nicht auf Pracht zielen, sondern auf Wärme – nicht nur im thermischen Sinn.

Die Einstiegspreise: 100.000 Euro für das Einfache, 250.000 Euro für das, was der Wind nicht nur streift, sondern liebt. Und überall: Baukräne, die nicht mehr von Gier erzählen, sondern von neuer Maßhaltigkeit.

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TOURISMUSMASCHINE BENIDORM An keiner Küste investieren Ausländer und auch Spanier häufiger in einen Zweitwohnsitz als an der Costa Blanca | FOTO: AdobeStock/Oleksandra

Landstriche mit fliegenden Mühlen

Es wäre jedoch ein Irrtum, Spanien allein an seinen Küsten zu suchen. Bewegung geschieht auch in den Städten. In Valencia, Sevilla, Málaga – Städte, die wachsen, nicht weil sie müssen, sondern weil sie können. Weil sie die Mischung aus Geschichte und Gegenwart in neue Architektur übersetzen: aus Sandstein, Glas und sozialer Bindung.

Oder in den aufstrebenden Provinzen – Badajoz, Teruel, Ciudad Real, La Rioja – wo die Preise noch niedrig sind, aber die Luft bereits anders riecht. Hier entstehen Chancen, die nicht laut sind, sondern still und beharrlich. Wer hier kauft, tut es nicht aus Prestige, sondern aus Überzeugung. Und aus der Hoffnung, dass ein Haus in der Sierra mehr ist als eine Investition – nämlich ein Halt.

Die Preisspanne 2025: zwischen 1.500 und 2.200 Euro pro Quadratmeter in den unbekannten Provinzen, bis über 3.000 in den altgedienten Küstenstädten. Und dazwischen: ein mittlerer Bereich, der Raum lässt für Träume – und für Balkone, die groß genug sind, um auf ihnen zu frühstücken.

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IM HERZEN VON SEVILLA Die Hauptstadt von Andalusien bietet Lifestyle mit Großstadt-Flair – umgeben von Tourismusregionen, die zu den attrakivsten des spanischen Festlands zählen | FOTO: AdobeStock/Elena Estrelles

Ein rechtlicher Rahmen mit Geschichte

Wer in Spanien kauft, tritt ein in ein System, das mehr bietet als Schutz: Es bietet Struktur. Die notariellen Pflichten, die Eintragung ins Eigentumsregister, die Grunderwerbssteuern – alles nachvollziehbar, erprobt, verbindlich. Wie bei Don Quijote: Der Kampf gegen das Bürokratische bleibt, aber am Ende gewinnt das Herz. Und manchmal auch der Verstand. Für Nicht- EU-Bürger war das „Golden Visa“-Programm ab 500.000 Euro der Eintritt in eine Geschichte, die man mitschreibt. Neue Goldene Visa werden zwar nicht mehr ausgestellt, aber bestehende weiter verlängert.

Rendite, Regulierung – und das Leben

Wer vermietet, muss sich registrieren. Muss sich erklären. Muss sich einfügen. Denn Spanien reguliert, und das ist gut so. In einer Zeit, in der Städte unter dem Druck der Plattformökonomie stöhnen, braucht es Regeln. Und gleichzeitig: Der Markt für Ferienvermietung floriert, die Nachfrage steigt. Über 3,4 Milliarden Euro Umsatz werden 2025 im Feriensegment erwartet. Und die Häuser, die sich gut vermieten lassen, sind jene, die gut durchdacht wurden.

Investoren von heute sind nicht nur Kalkulatoren. Sie sind, auch mal gegen ihren Willen, Poeten: Sie denken in Jahreszeiten, in Auslastungen, in Fassadenfarben. Sie wissen: Ein Haus, das Energie spart, spart auch Diskussionen. Wärmepumpe, Solar, lokales Holz sind die neuen Symbole des Erfolgs.

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MARBELLA AN DER COSTA DEL SOL Tourismus trifft Investmentchance: Hier lassen sich die eigenen vier Wände durch clevere Investments quasi mitverdienen | FOTO: AdobeStock/Mazur Travel

Zwischen Ideal und Infrastruktur

Wer heute baut, muss nicht mehr erklären, warum er es nachhaltig tut. Er muss nur zeigen, wie. Plusenergiehäuser, klimaneutrale Siedlungen, modulare Systeme – das ist nicht Zukunft, das ist Gegenwart. Und während Brüssel noch an Richtlinien feilt, entstehen in Andalusien bereits ganze Quartiere, die ohne fossile Energie funktionieren. Nicht aus Moral, sondern aus Vernunft. Und vielleicht auch ein bisschen aus Trotz.

Denn wer hier lebt, will nicht perfekt sein – nur unabhängig. Ein bisschen wie der Ritter von der traurigen Gestalt: gegen die Konvention, aber mit einem klaren Ziel.

Tourismus als Rückenwind – nicht als Sturm

16,5 Millionen Touristinnen und Touristen in den ersten Monaten des Jahres – das ist keine Zahl, das ist ein Strom. Er trägt mit sich: Kaufkraft, Aufmerksamkeit, Konkurrenz. Und ein Versprechen: Wer in diesen Zeiten in Spanien investiert, tut es nicht ins Leere. Ferienhäuser werden genutzt. Wohnungen werden vermietet. Und wer klug kauft, muss sich nicht fragen, ob er vermieten kann, sondern nur, ob er will.

Doch zugleich: Der Markt verengt sich. Gute Projekte sind schnell vergeben, die Konkurrenz nimmt zu. Und in vielen Regionen ist der Bestand an freien Objekten rückläufig. In Málaga etwa sank das Angebot im letzten Quartal 2024 um 15 Prozent. Wer heute wartet, wartet möglicherweise schon zu lange.

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SANTA CRUZ DE TENERIFE Architektur trifft Tradition: Harmonisch fügt sich Topmodernes – wie hier das von Strarchitekt Calatrava erbaute Auditorio – in die Lanschaft | FOTO: AdobeStock/aes ace

Ein Haus als Haltung

2025 zeigt Spanien, dass ein Haus nicht nur ein Ort ist. Es ist ein Entschluss. Für Langsamkeit. Für Sorgfalt. Für ein anderes Verhältnis zur Zeit. Und vielleicht auch für ein kleines Stück Idealismus. So wie Don Quijote nie aufhörte zu glauben, dass hinter dem Horizont noch eine bessere Ordnung lauert, so glauben auch heutige Käufer, dass man mit vier Wänden mehr verändern kann als nur das eigene Wohngefühl.

In diesem Sinn: Wer sich auf das spanische Festland einlässt, tritt nicht einfach in einen Markt. Er betritt eine Bühne. Und manchmal, in den stillen Stunden des Abends, während draußen der Wind an den Jalousien zerrt, erkennt man: Es ist kein Traum, den man lebt. Es ist nur ein anderer Alltag – mit Rückenwind.

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Gerhard Rodler

Chefredakteur

BEL 06/25