Marktreport Portugal: Hohe Erwartungen an der Algarve

2016 stehen die Zeichen im Süden Portugals auf Aufschwung. Immobilienkäufe könnten sich gerade jetzt lohnen - bevor sich die Preisspirale wieder dreht
Susanna Gross versprüht Optimismus und Goldgräberstimmung. Die deutsche Maklerin berichtet von der dritten Filiale an der Algarve, die sie gerade mit ihrem Mann in Tavira eröffnet hat. Expansion heißt die Devise. „Seit einem Jahr ist zu spüren, dass sich der Markt im Süden Portugals positiv verändert. Die Nachfrage steigt“, sagt Gross. Auch wenn sie ihre Firma Togofor-Homes getauft ­hatten, weil Briten und Iren als Käufer traditionell im Fokus stehen, ist das Verkaufs­team international zusammengesetzt.

Nach der Flaute und vielen Baupleiten seit 2008 werden die Karten neu gemischt. Als neue Käufergruppe haben seit 2014 viele Franzosen die Algarve entdeckt. Deutsche, Niederländer und Skandinavier sind wieder da. Und besondere Dynamik hat das 2012 in Portugal eingeführte Golden-Visa-Programm gebracht. Dabei wird Nicht-EU-Bürgern unter anderem eine Auf­­enthalts­er­laubnis garantiert, wenn sie mindestens 500.000 Euro in Immobilien investieren. Vor allem Chinesen, Russen und neuerdings auch Südafrikaner haben davon ­Gebrauch gemacht, besonders intensiv im Pine Cliffs in Albufeira: Es gilt als das Resort mit dem höchsten Anteil an Golden-Visa-Klienten in Portugal. Aber auch Rentnern aus anderen EU-Staaten bietet Portugal neuerdings Steueranreize im Fall einer Umsiedlung. Für Deutsche kann dabei die in Deutschland ausgezahlte Rente gänzlich steuerfrei bleiben.
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Die Ferienanlage OPOMAR Quelle: Opomar

Breites Angebot

Keine Frage also: Portugals Küsten ­positionieren sich immer besser gegen die in­ternationale Konkurrenz. Die Urlauberzahlen steigen. Fernab von den Konflikten und Problemen am östlichen Mittelmeer und Nordafrika präsentiert sich der Süden Portugals als sichere Destination mit ausgezeichneter touristischer Infrastruktur. „Die Algarve ist vielfältig. Wer Ruhe sucht, wird sie hier genauso finden wie Unterhaltung und sportliche Aktivitäten“, sagt Markus Zahn vom Reiseveranstalter Olimar.

Eine breite Palette an Optionen bietet die Algarve auch Immobilienkäufern. Noch am günstigsten ist es ganz im Westen der Küste und an der Costa Vicentina. Hier sind die Atlantikwinde etwas frischer, was viele Windsurfer anlockt. Im Siedlungsgebiet Vale da Telha bei Aljezur sowie zwischen Lagos und Sagres sind Einzelhäuser unter 300.000 Euro zu bekommen. Villen in Meeresnähe und mit Meerblick kosten in Orten wie Luz, Lagos, Alvor oder Carvoeiro etwa 650.000 bis 900.000 Euro. „Hier ist es schwer, für 500.000 Euro ein Haus mit Meerblick und Pool zu bekommen. Und bei Häusern für 300.000 bis 400.000 Euro müssen meist Einschränkungen bei der Lage und Größe in Kauf genommen werden“, sagt Susanna Gross. Allerdings lassen sich weiter im bergigen Hinterland, etwa der Serra de Monchique, durchaus schöne Häuser und Landgüter (Quintas) ab 500.000 Euro erstehen. Und wem ein Apartment reicht, der hat eine riesengroße Auswahl in Orten wie Lagos, Alvor und Albufeira. Die Preise liegen dort meist zwischen 120.000 und 180.000 Euro. „Noch ist das Angebot groß“, erklärt Maklerin Britta Marreiros von Nonplusultra in Lagos. „Die Preise könnten demnächst aber anziehen.“
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Felsen, Dünen und endlose Strände

Über 200 Kilometer lang ist die Küste der Region Algarve. Zu ihr gehört auch die eher unbekannte Costa Vicentina im Westen Die Algarve ist die südlichste Region des portugiesischen Festlands. Im Süden erstreckt sie sich über 155 km vom Grenzfluss Guadiana bis zum Cabo de São Vicente; die im Westen anschließende Costa Vicentina umfasst 52 km. Landschaftlich gibt es eine Zweiteilung: Im Westen (ab Albufeira) liegt die Fels­algarve mit ihren bi­zarren Steilküsten, Felsformationen und idyllischen Stränden; im Osten, von Vilamoura bis über die spanische Grenze hinaus, befindet sich die Sandalgarve mit ihren vorgelagerten Inseln, endlosen Stränden und Dünen. Das Hinterland ist gebirgig. Besonders beliebt bei Deutschen ist Lagos, Massentourismus dominiert in Albufeira. Die edelsten Resorts und Wohnlagen befinden sich im so genannten Goldenen Dreieck zwischen dem Resort Quinta do Lago, dem Yachthafen Vilamoura und Almancil an der mittleren Algarve. Mit 38 Anlagen ist die Algarve ein Mekka für Golfer.

Der Resort-Immobilienmarkt

Die zentrale Säule für den Luxusmarkt an der Algarve sind und bleiben allerdings die Golfresorts. Knapp 40 Golfplätze verteilen sich in der Region. Praktisch alle sind eingerahmt von einer wunderschönen Naturkulisse, entweder direkt am Meer oder im meist hügeligen Hinterland. Die teuersten Lagen finden sich im „Goldenen Dreieck“ zwischen Vilamoura, Almancil und Quinta do Lago, dem edelsten Resort der Küste.

Quinta do Lago – das sind drei Golfplätze und 550 Privatvillen in einer 800 Hektar  großen Traumlandschaft am Meer, mit ­Pi­ni­en, Jacaranda-Bäumen und kleinen ­Seen. Eine andere Sprache als Englisch oder Portugiesisch ist hier kaum zu hören. Quinta do Lago ist traditionell ein Rückzugsort für reiche Iren und den internationalen Geldadel, für Banker aus London und Fußballer aus Liverpool – wie etwa den Star­kicker Steven Gerrard. Ein imposantes Anwesen besitzt Isabel dos Santos, die Tochter des Präsidenten von Angola und – laut Forbes – erste Dollar-Milliardärin ­Afrikas. Und Milliardär ist zweifellos auch der Besitzer von Quinta do Lago, der irische Medienmogul Denis O’Brien.

Seine eigenen Gesetze hat der Immobilienmarkt des Resorts. Während der Krise blieben die Preise weitgehend stabil, doch jetzt haben besonders die britischen Hausbesitzer die Verkaufspreise wieder um 10 bis 15 Prozent angehoben. Apartments wer­­den für 300.000 bis 600.000 Euro angeboten. Villen liegen in der Regel bei 1,5 bis 10 Millionen. Die beste Villa, die nicht zum Verkauf stehende Eagle’s Nest, wird auf 23 Millionen Euro taxiert. Weil das Angebot knapp ist, gibt es aber auch wieder Neubauprojekte: Direkt am North Course ist The Keys fast fertiggestellt. Ein kreisförmiger, künstlicher Wasserlauf umschließt im Zentrum der Anlage eine Insel, auf der 24 Apartments und Penthouses thronen. Bei den 48 Villen kann man zwischen Golfplatz- oder Seeblick wählen. Die Architektur inszeniert modernen Glanz und Raffinesse. Mit großen Glas­­fronten, natürlichen Materialien und lichtdurchfluteten Räumen verschmelzen außen und innen. Die Preise liegen zwischen 1,5 und 6 Millionen Euro.

Investitionsmöglichkeiten

Aber es gibt Alternativen zum Goldenen Dreieck. So plant das Onyria Palmares Resort bei Lagos jetzt ein Ensemble individuell errichteter Villen, die im Halbkreis und stu­fenförmig wie in einem Amphitheater mit Meerblick angeordnet werden. Hier kann man derzeit zum Einstiegspreis von 600.000 Euro ein 3.000-Quadratmeter-Grundstück erwerben, um sich dann für etwa weitere 600.000 Euro die Traumvilla zu bauen.

Ein weiteres Edelresort liegt etwa sechs Kilometer von den Stränden entfernt, etwas versteckt im Hinterland der Ost-Algarve: der Golf & Country Club Monte Rei. Die ländliche Umgebung wurde hier 2007 auf 420 Hektar sehr aufwendig mit Bäumen, Seen und einem von Jack Nicklaus entworfenen Signature-Course umgestaltet. Doppelhaushälften, fertige Villen sowie Grundstücke von etwa 1.600 bis 7.000 Quadratmetern zum individuellen Villenbau gibt es hier zu Preisen ab einer Million Euro.

Ansonsten hat der Abschnitt zwischen Tavira und der spanischen Grenze oft noch ursprünglichen Fischerdorf-Flair in einer flachen Küstenlandschaft. Auch mit einem kleineren Geldbeutel kann man hier noch zum Zuge kommen. Im Holiday Resort „O ­Pomar“ bei Cabanas zum Beispiel kosten Apart­­ments mit zwei Schlafzimmern ab 172.500 Euro und Townhouses ab 280.000 Euro. Das Paradies, das die Algarve zweifellos ist, hat eben viele Gesichter.
BELLEVUE Ausgabe 2/2016

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Dieser Artikel stammt aus dem BELLEVUE-Heft 02/2016.

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