Architektur: Casa Brutale

Der Name irritiert. Doch wer sich dieses Hauskonzept zweier junger griechischer Architekten ansieht, 
versteht bald die Idee dahinter und ist: fasziniert

Wie ein Adlerhorst soll das Haus einmal an der Steilküste kleben. Hier noch im Model (Foto: OPA)

Als hätte man einen Keil in die Landschaft gehauen. Zack! Mit voller Wucht, ganz tief. So, dass nichts mehr an der Oberfläche herausragt. Dafür klafft es nun wie eine offene Wunde in der monochromen Wüstenlandschaft. Man ist irritiert. Ist das schöne Architektur?

Casa Brutale: Mit dem Namen scheinen sich die griechischen Architekten ­Laertis Antonios Ando Vassiliou und Pantelis Kampouropoulos etwas gedacht zu haben, als sie im Juli 2015 ihren Entwurf für diese Betonvilla im Felsen vorstellten. Eine Architektur, die reinhaut. Exzentrisch, einmalig, bahnbrechend. Und genau das gehört zur Philosophie der Open Platform for Architecture (OPA), einem innovativen Designbüro, das in den Niederlanden und Griechenland beheimatet ist. Hier dürfen sich die beiden Architekten kreativ austoben. Ihr Anspruch: ein Design schaffen, das Menschen nicht vergessen.

Wohnräume unter dem Pool

Für OPA war Casa Brutale tatsächlich ein Benchmark-Projekt: weltweit Aufmerksamkeit erregen, für seine technischen und kreativen Fähigkeiten werben. Mit Erfolg, denn schon kurz nach Veröffentlichung zog man gleich mehrere Bauprojekte an Land und fand auch einen Bauherrn für die Casa Brutale: Alex Demirdjian, CEO von Demco Properties im Libanon. Für ihn wird das Haus nun jedoch nicht, wie ursprünglich ­geplant, an der Steilküste der Ägäis-Insel Rhodos entstehen, sondern nahe Beirut, im zentralen Libanon-Gebirge Faqra, in 1.600 Metern Höhe. Wie das Haus aussieht, ist bislang nur dem Entwurf zu entnehmen: Die vorwiegend sichtbare Fassade ist aus Glas, das stabile Grundgerüst aus Beton. Oberhalb des Hauses, beim Eingangsbereich, nimmt man lediglich den Swimmingpool wahr. Erst aus der Vogelperspektive sieht man die riesige Fensterfront seitlich davon. Hinter ihr, unter (!) dem Pool, liegen die Wohnräume. An deren Wänden und Böden spiegeln sich unermüdlich die Reflexe, die das Sonnenlicht ins Wasser zaubert. Und ja, das ist schön. Verstörend schön.

Diese Architektur ist nichts für Menschen mit Höhenangst (Foto: OPA)

Ganz schön viel Wasser über dem Kopf. Da fühlt man sich ... (Foto: OPA)

... ein bisschen wie bei Jules Vernes „20.000 Meilen unter dem Meer (Foto: OPA)

Draufsicht: Wie ein Edelstein funkelt der Pool im Eingangsbereich (Foto: OPA)

Wer mehr vom eigentlichen Haus sehen möchte, gelangt über die Betontreppe in die Tiefe (Foto: OPA)

Beton setzt auch den Wohnstandard im Eingangsbereich (Foto: OPA)

KURZEXPOSÉ
Casa brutale: exzentrische Architektur aus Beton und Glas

Wohnfläche ca. 270 m2
Kontakt & weitere Infos: Maak Haarlem, Oudeweg 91–95, 2031 CC Haarlem, Niederlande, Tel. +31 619 36 59 83, E-Mail: laav@opaworks.com


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