Südafrika: Safari-Träume

Tierzucht, Naturschutz, Landschaftspflege: Wer eine "Game Farm" in Südafrika erwirbt, stellt sich vielfältigen Aufgaben
  • Von den Lodges aus eröffnen sich solche Aussichten wie hier auf die Gnus Quelle: South Africa Tourism
    Gnus bei Sonnenuntergang
  • Adrenalin pur für Safari-Fans: Das Zusammentreffen mit einem Löwen Quelle: South Africa Tourism
    Löwe liegt vor Truck
  • Auch sie gehören zu den Big Five: die Nashörner Quelle: South Africa Tourism
    Zwei Nashörner
  • Auch immer gerne beobachtet: Zebras an einem Fluss Quelle: South Africa Tourism
    Zebras, die aus einem Fluss rennen
  • Wildtierfarmen locken mit solchen Ausblicken Quelle: South Africa Tourism
    Zebras, die sich aneinander schmiegen
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Wer ihn einmal erlebt hat, vergisst ihn nicht mehr: den magischen Moment, wenn sich im Morgengrauen die Tierstimmen mischen, wenn die Sonne aufgeht, wenn sich im 360-Grad-Blick die Savanne langsam aus dem Dunkel löst. Und wenn man weiß, dass sich in unmittelbarer Nähe faszinierende Wildtiere ihren Morgenaktivitäten hingeben: Löwen, Giraffen, Elefanten oder andere Tiere, die man vielleicht aus nächster Nähe sehen wird. Das bedeutet Afrika! Und jenes ­„Jenseits von Afrika“-Gefühl, das viele Millionen Kinobesucher von diesem Kontinent träumen ließ. Aber nicht um Kenia, wo der legendäre Streifen spielt, geht es hier, sondern um Südafrika: das Land, das wie kein anderes den Safari-Urlaub zum Erfolgsmodell gemacht hat. Dieser verspricht große Abenteuer fernab der Zivilisation – und gleichzeitig Verwöhnung pur in wundervollen Lodges. Und bei so manchem keimt dabei der Wunsch nach einer eigenen Farm in Afrika auf. Ist das möglich? Was kostet der Traum? Und nicht zuletzt: Wie kann man das auf der Safari so bewunderte Wildleben auch nachhaltig schützen?

Praktisch jeder kann eine Farm kaufen

Man nennt sie „Game Farms“, vom englischen Wort „game“ für Wild – und ihre Zahl steigt beständig. Rund 15.000 Farmen mit Wildbestand zählt man heute in Südafrika – dies sind etwa 25 Prozent des Agrarlandes. Der Trend hat in den frühen 90er-Jahren begonnen, als eine Gesetzes­änderung es privaten Landbesitzern erlaubte, auch Wildtiere zu erwerben. Seither kann praktisch jeder eine Farm kaufen und dort auch Wildtiere halten oder züchten. Eine besondere Lizenz wird nicht verlangt, jedoch gelten klare
Tierschutzbestimmungen, die eingehalten werden müssen. Eine wesentlich höhere Rentabilität als Vieh- und Landwirtschaft versprechen Wildfarmen vor allem in Gegenden mit Wasserknappheit. Dies erklärt den Boom der letzten drei, vier Jahre bei der Züchtung von speziellen Wildtieren wie Büffeln, Rappenantilopen und anderen Antilopenarten mit besonderen Farbvarianten. Auf den Auktionen werden astronomische Preise erzielt, und Kenner der Szene fragen sich, ob diese Blase irgendwann platzen wird. 40.000 Euro werden durchschnittlich für eine Zambesische Rappenantilope gezahlt, über 80.000 Euro für einen Büffel – die Preise verdoppeln sich jährlich, und für Toptiere gibt es keine Grenzen.

Jagen in Südafrika

Klar, dass viele in dieses gewinnversprechende Geschäft einsteigen wollen. Oft sind es Geschäftsleute aus den Städten oder dem Ausland, die die Farmen als Investitionsobjekt betreiben: Die Nachfrage nach seltenen Tieren, die man ins Ausland oder an die zahlreichen Safari- und vor allem an Jagdfarmen verkauft, ist groß. Jagdfarmen? Wer den Gedanken daran nicht mit der majestätischen Schönheit der Wildtiere in Verbindung bringen kann, wird von der Wirklichkeit belehrt: Rund 600 Millionen Euro werden pro Jahr nach aktuellen Studien durch Jagdreisen generiert. Es bleibt ein kontroverses Thema. Jedoch: Wird die Jagd mit Respekt betrieben, trägt sie zum Schutz der Tiere bei. Regulierungen der Bestände sind notwendig, um zum Beispiel Übergrasung zu verhindern. Und mit dem ökonomischen Wert wächst auch das Interesse, die Arten zu schützen, schon um künftige Einnahmen zu garantieren. Für viele Investoren bieten Jagdtouristen die Möglichkeit, die Kosten der Farm zu decken. Das sei ethisch nicht zu kritisieren, meint Peet Venter von Africa Gamefarms. Er ist Makler – und begleitet mehrmals im Jahr ausländische Jagdtouristen in den Busch. „Es ist nicht nur die Jagd,“ sagt er, „die die Leute fasziniert. Es ist das gesamte Erlebnis, sich in der freien Natur zu befinden und abends am Lagerfeuer zu sitzen.“ Viel in der Presse diskutiert und von den Jagdverbänden durchgehend abgelehnt wird jedoch das „Canned Hunting“: Löwen allein zu dem Zweck zu züchten, um sie von Trophäenjägern in eingegrenzten Gebieten schießen zu lassen, empört Tierschützer und Jäger weltweit. Südafrika arbeitet an Gesetzesvorlagen, dies in Zukunft zu verbieten.

Know-How ist extrem wichtig

Doch es bleibt eine Grauzone, die Gesetze allein nicht erreichen. „Es gibt immer Beispiele von schlechtem Verhalten, und bei den großen Landflächen ist eine hun­dertpro­zen­tige Kontrolle nicht möglich. Es hängt deshalb von jedem Einzelnen ab, sich ethisch korrekt zu verhalten“, erklärt Rob Severin von Century 21 Wildlife, der in der Region Hoedspruit nahe dem weltbekannten Krüger-Park Makler ist. Gut 30 Pro­­zent seiner Kunden kommen aus dem Ausland, aus Deutschland, Frankreich, den Nie­derlanden, Großbritannien und den USA. ­Farmen kosten hier von 400.000 bis zu acht Millionen Euro, je nach Größe, Wildbestand und vorhandener touristischer Infrastruktur. Im Schnitt investieren die Käufer um die 1,2 Millionen Euro und decken ihre Kosten mit Tourismus inklusive Jagd­tourismus.

Die flächenmäßig größten Farmen haben in Südafrika die Provinzen Limpopo und Mpumalanga. Sie sind gut an Johannesburg angebunden – und bei Touristen bekannt und beliebt. Eine weitere Region, die sich in den letzten Jahren stark entwickelt hat, ist das Eastern Cape bei Port Elizabeth. Hier gibt es Farmen bereits zwischen 250.000 und vier Millionen Euro. Touristische Farmen sind hier noch selten, doch sowohl Jagd- als auch Zuchtfarmen boomen in den letzten zehn Jahren. Sie gewinnbringend oder zumindest kostendeckend zu betreiben, verlangt enorm viel Expertise. Wer dieses Know-how nicht selbst mitbringt, braucht unbedingt vor Ort eine Vertrauensperson, die mit Klima und Tieren sowie allen Notwendigkeiten und Gesetzen komplett vertraut ist. Das südafrikanische Parlament plant im Übrigen sogar ein Gesetz, das den Erwerb von Farmland durch Ausländer generell neu regulieren soll. Kritiker befürchten investitionshemmende Effekte – aller Voraussicht nach wird es jedoch weiterhin viele Möglichkeiten zum Erwerb von Land offen lassen.

Wildlife Estates

Und wem die Aufgaben und Verpflichtungen einer großen Farm zu viel sind, der hat ja auch noch eine andere Möglichkeit, sich den Safari-Traum zu erfüllen. In den „Wildlife Estates“ rund um den Krüger-Park kann man Häuser kaufen –  für durchschnittlich 230.000 Euro. Dabei erwirbt man aber nur das Haus, nicht das Land und die Tiere. Doch für eine monatliche Abgabe von rund 300 Euro kann man das Safarileben unbegrenzt genießen, ohne weitere Verantwortung zu tragen. Alle Tierarten, von Estate zu Estate wechselnd, sind vertreten. Und da die Träger dem Umwelt- und Artenschutz verpflichtet sind, kann man hier seinem Traum vom wilden Afrika uneingeschränkt frönen.

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BELLEVUE Ausgabe 4/2015

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Dieser Artikel stammt aus dem BELLEVUE-Heft 04/2015.

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