Special Ross & Reiter: Die Zwei

Sie sind seit 40 Jahren ein legendäres Reitsport-Duo: Ullrich Kasselmann und Paul Schockemöhle
Schon Opa sagte: „Gegensätze ziehen sich an …“ Wer jetzt gähnt, erhält hier den Beweis für Opas These: Ullrich Kasselmann und Paul Schockemöhle. Sie sind jetzt seit 40 Jahren das Erfolgsduo der deutschen Reitsportwelt. Die zwei.

Was beide eint: Sie sind Söhne von Landwirten. Aufgewachsen mit dem Respekt vor der Würde von Lebewesen, dem Kreislauf der Natur und dem Sinn für Handel und Geschäft. Aber dann! Ulli – wie ihn Freunde nennen dürfen – ist ein Connaisseur. Auf seinem Hof gibt es eine Profi-Küche mit Chefkoch. Paul – so sagen Menschen, die ihn gut kennen – fährt lieber zum Drive-in einer Fast-Food-Kette. Der eine redet offen, eloquent, der andere schweigt lieber beharrlich. Der eine reitet Dressur – der andere hat im Springreiten Geschichte geschrieben. Der eine präsentiert auf seinem historischen Ritter­gut Osthoff bei Georgsmarienhütte Stallgassen mit Kronleuchter – der andere in Lewitz bei Neustadt-Glewe eine zweckmäßig organisierte Zuchtstation mit mehr als 4.000 Pferden, natürlich ohne jeden Kornleuchter. Ulli trägt bei Anlässen wie der Sportpferde-Auktion Performance Sales International (P.S.I) in Ankum, die beide seit 36 Jahren organisieren, einen maßgeschneiderten Smoking. Paul auch – aber er wirkt, als fühle er sich kostümiert.
Ullrich Kasselmann und Paul Schockermöhle
Paul Schockmöhle (li.) und Ullrich Kasselmann Quelle: Thomas Hellmann
Unterschiedlicher können Lebensstile nicht sein. Und dennoch einen beide zwei unverbrüchliche Leidenschaften: zum ­einen die Pferde und zum anderen der ­nahezu untrügliche Geschäftssinn.

Die Allianz begann vielleicht, als Paul Schockemöhle im Jahr 1977 seinen legendären Wal­­­lach Deister für 200.000 D-Mark vom damaligen Weltmeister Hartwig ­Steenken erwarb. Er kam von Ullrich Kasselmann und galt als äußerst schwieriges Pferd. Doch Paul Schockemöhle wurde mit Deis­ter dreimal Europameister und fünfmal Deutscher Meister. Und 1984 holte er in Los Angeles mit der Mannschaft – und ­Deis­t­er – die Bron­zemedaille. Beide sprechen, wenn man sie befragt, sehr respektvoll und mit spürbarer Sympathie übereinander. Wie anders hätte diese Allianz 40 Jahre halten können?

Ullrich Kasselmanns Sohn Francois lernte auf Paul Schockemöhles Hof in Mühlen die Kunst des Springreitens. Er war dort, als Deister im gesegneten Alter von 29 Jahren auf seiner Weide in den Pferdehimmel galoppierte. „Da hat sich ein Kreis geschlossen“, sagt Ullrich Kasselmann versonnen – und offensichtlich auch bewegt. Was Paul Schockemöhle sagte – oder gesagt hätte – und ob er bewegt war, ist nicht überliefert. Wie gesagt: Gegensätze ziehen sich an.
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