Spanien: Marktreport Ibiza

Modern und mondän. Traditionell und trendy. Und dabei immer wunderbar unaufgeregt. Ibiza ist mit keiner anderen Insel vergleichbar. Der eigene Stil begeistert immer mehr Besucher aus aller Welt
Musik und Ibiza – zwei Dinge, die seit Jahrzehnten unweigerlich miteinander verknüpft sind. Die kleine Baleareninsel gilt als Welthauptstadt der elektronischen Musik. Schon am Flughafen baumeln Pacha-Kirschen von der Decke über den Gepäckbändern. Wer durch einen „Finger“ das Gebäude betritt, wird links von der „F*** me I’m Famous“-Lounge und rechts vom Amnesia-Laden begrüßt. Das Motto des Jahres „Music is the answer“ bringt noch mehr DJs an die Turntables des Strandhotel-Clubs Ushuaia an der Platja d’en Bossa, in dem Superstar David Guetta in der Saison jeden Montag persönlich die Gäste bewegt.
Marktreport Ibiza
Musik, Clubs und Elektromusik - dafür ist Ibiza bekannt Quelle: Turespana
Nur ein paar Meter weiter hat in diesem Jahr das erste Hard Rock Hotel Europas eröffnet. Und das Line-up in den ersten Monaten ist für dieses 572 Quadratkilometer große Eiland mehr als beeindruckend: Allein von Juli bis August gaben sich Robin Thicke, UB40, Snoop Dogg, Ellie Goulding, Pitbull und Kylie Minogue die Klinke in die Hand. Aber nicht nur musikalisch pimpt das Hotel an der Platja d’en Bossa die Gegend auf, kulinarisch verwöhnt der Zwei-Sterne-Koch Paco Roncero mit einem „Emotions-Paket“ im teuersten Restaurant der Welt, dem Sublimotion, seine Gäste. Für 1.500 Euro pro Menü erlebt der Gast eine völlig neuartige Gastronomie.
Die Platja d’en Bossa galt jahrelang als Tummelplatz der Raver- und Party-Generation, das ist jetzt im Wandel. Aber nicht falsch verstehen: Musik und Party stehen immer noch im Vordergrund, sind jetzt aber schon fast familientauglich. Im Ushu­aia legt Herr Guetta ab 17 Uhr auf, und ­Neneh Cherry steht um 19 Uhr auf der Bühne des Hard Rock. Auch wenn beide Hotels nur für Erwachsene zugelassen sind, endet die Party doch Cinderella-like um 24 Uhr. Dann darf jeder Gast schlafen oder weiterziehen. Es scheint, als wäre die Party-Crowd der 80er erwachsen geworden. Ob im Nassau oder Coco Beach – auf den Liegen der ersten Reihen trifft man nicht nur auf die Jeunesse dorée, sondern auch auf Förmchen, Schaufeln und Sandhändchen. Im Beach-Club Sandals gibt es gar einen Kinderspielplatz.

Der Spirit der Insel

Ein paar „Buden“ nebenan, im No ­Name, legt Lorenzo al Dino auf. Eigentlich ist er Resident-DJ vom Jockey Club an den ­Salinas, aber genauso wie David Guetta als Resident des Pacha durch die Welt tourt, so beglückt Lorenzo Sonnenanbeter am Festland oder im Tiburon auf ­Formentera und eben im No Name. Er verkörpert den anderen DJ-Typ der Insel. „Ich halte mich seit 1986 konstant in der zweiten Reihe“, schmunzelt der in Liechtenstein aufgewachsene Österreicher. Seine Devise:„Echte Musik muss schon dabei sein.“ Ähnlich dem DJ-Urgestein José Padilla, der einst im Café del Mar in San Antonio die Chill-out-Musik erfand, versteht Lorenzo al Dino seine Aufgabe nicht darin, Massen im Rhythmus zu bewegen, sondern mit ­einem gutem Mix „den Spirit der Insel“ weiterzugeben. Da schwingt immer noch ein bisschen Hippie-Ära mit.

Wie entwickelt sich Ibiza?

Aber ob das der Trick ist, mit dem Ibiza Gäste aus der ganzen Welt anlockt? Paris Match, Corriere della Sera oder US ­Today: Die Gazetten Europas und in Übersee ­schreiben alle über Ibiza. Die kleine Schlägerei von Justin Bieber und Orlando Bloom im Cipriani ist in allen Ländern eine Meldung wert. Dass Paris Hilton sich im Amnesia als DJane verdingt, interessiert die USA, und das Schicksal von David Guettas Ex-Frau Cathy geht den Franzosen nahe.

Sind deswegen die Zeiten, in denen Ibiza unter Promis noch als Geheimtipp für Erholung ohne Paparazzi galt und sich die Models Kate Moss und Naomi Campbell unerkannt und ungestört in der Cala Boix sonnten, vorbei? Oder findet die Insel hier wieder den ihr eigenen Mix aus leben und leben lassen?
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Oft tummeln die Promis auf ihren Yachten vor der Küste Ibizas Quelle: Antje Noah
Das Hauptmotiv, sich auf der Insel ­niederzulassen, bleibt die einzigartige Kombination aus entspanntem Insel­leben, kleinen Buchten und langen Stränden mit türkisfarbenem Wasser und diesem ­eigenartigen Mischung aus überdrehten und ­bodenständigen Menschen.

Der Süden der Insel – zwischen Ibiza-Stadt und dem Flughafen – wird wohl auch künftig bei denen begehrt sein, die das bisschen Luxus, den die Insel zu bieten hat, ­genießen möchten. Wer glaubt, auf ­Ibiza Geld für Luxusklamotten ausgeben zu können, ist immer noch auf dem falschen Dampfer. Vuitton, Prada und ­Rolex findet man bisher eher als Fake bei den fliegenden Händlern am Strand als im Geschäft. Geld ausgeben kann man auf Ibiza für Essen, Trinken und Party. Darum eröffnete Cavalli auf der Insel einen Club mit Restaurant und keinen Flagship-Store mit schicker Mode.

Die Lage auf der Insel

Luxus zeigt sich auf Ibiza in Immobilien: Rund um den Hafen und in Talamanca ist der Hotspot für hochpreisige Apartments und Penthäuser. Dort liegen die Quadratmeterpreise auch mal weit über 5.000 Euro. Die wohl sichersten Immobilien stehen in der Urbanización Es Pouet in Talamanca. Videoüberwachung und Sicherheitsdienst sorgen für einen ungestörten Urlaub. Ein Service, den nicht nur Promis zu schätzen wissen. Bevor diese Apartments gebaut wurden, hagelte es Kritik: „Muss dieser Luxus sein? Wer soll diese Wohnungen kaufen?“, lauteten die Fragen der Gegner. Kaum gebaut, fand sich allerdings zügig die internationale Klientel. Jetzt entsteht ein Projekt mit vergleichbaren Sicherheitsvorkehrungen in Cala Comte.

Partygänger kommen nun mit Kindern

Im vergangenen Jahr stieg bei manchem Makler der Umsatz um 20 Prozent. Ein Trend, der sich auch in diesem Jahr fortsetzt. Waren es in den vergangenen fünf Jahren die Holländer, die vornehmlich Häuser suchten, kommen in diesem Jahr verstärkt Anfragen aus den USA, Groß­britannien, der Schweiz, Frankreich und sogar aus Indien. Oftmals sind es die ehemaligen Clubber der 80er- und 90er-Jahre, die erwachsen geworden zur Insel zurückkehren, um sesshaft zu werden. Im Schlepptau haben sie ihre Kinder, erfolgreiche Karrieren und gut gefüllte Bankkonten.
Amanda und George dienen als Parade­beispiel: Als Jugendliche wussten sie gar nicht, dass es eine Insel neben den Clubs und Ibiza-Stadt gibt, und fast 40-jährig verliebten sie sich in Santa Gertrudis, kauften ein Haus und meldeten ihre Tochter an der Internationalen Schule an. Auch Chantal und Ralph aus London hatten genug von dem „Leben in Häusern“. Die beiden kommen aus Südafrika, verbrachten ihre Kindheit draußen und frei – ein Leben, das sie ihren drei Kindern in London niemals hätten bieten können.

Ibiza lebt von der Lässigkeit

Ibiza kannten sie nicht, aber die Hochzeitsplanerin Chantal hörte immer häufiger Promis über die Insel reden. „Die haben so viel Geld, dass sie überall auf der Welt ­leben könnten. Das hat mich neugierig gemacht“, sagt sie und schaute sich die Insel an. Sie kauften vor vier Jahren eine typische 70er-Jahre-Villa in Sant Carles, renovierten und richteten ihr Leben ein. Ralph arbeitet weltweit und genießt die Zeit, die er auf der Insel verbringt. „Das Leben hier ist anders. Du kannst nicht sagen, die Lage ist gut, die Lage ist schlecht. Hier kommt es auf die Häuser an. Manche Besitzer gestalten eine Oase, während der Nachbar auf nichts Wert legt und alles verrotten lässt. Und wenn du mal schnell einen Liter Milch kaufen willst, solltest du damit rechnen, die ersten zehn Minuten in ein Gespräch verwickelt zu werden. Aber genau deswegen wohnen wir hier.“ Ibiza lebt von der Lässigkeit der Koexistenz.

Preiskarte von Ibiza

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Meerblick ist für eine Ferienimmobilie wichtig, erfahrene Residenten bevorzugen Lagen im Landesinneren Quelle: Engel & Völkers, Grafik: BELLEVUE
Lässig und im Sonnenschein – so verkörpert Ibiza die Sehnsucht der Groß­städter. Der große Vorteil der Insel sind die kurzen Wege. Es ist durchaus möglich, kurz nach dem Sonnenaufgang am ­Babylon Beach zu frühstücken, dann zum Gucken und Shoppen in die Stadt zu ­fahren und den Sonnenuntergang im ­Westen zu ­genießen und danach keine 60 Kilometer auf dem Tacho zu haben. Dennoch gibt es für Immobiliensuchende klare Präferenzen.

Der Süden und der Westen

Der Süden und Südwesten ist bekannt für exklusive Anwesen. In Es Cubells und oberhalb der Cala Jondal stehen spektaku­läre Villen mit ebensolchen Aussichten. Dort sind in der Vergangenheit die Preise eher gestiegen als gesunken. Im Westen zwischen Cala d’Hort und Cala Comte bietet sich potentiellen Käufern die gesamte Immobilienpalette vom Ein-Zimmer-Apartment über die Finca bis zum großzügigen Strandhaus mit Blick auf den Sonnenuntergang über den Conejero-Inseln. Sant Josep ist in den vergangenen fünf Jahren erstaunlich gewachsen und ist jetzt ein richtiges Nahversorgungszentrum für die umliegenden Buchten. Dennoch ist der dörfliche Charakter bewahrt worden.

Große Rusticos im Norden

Die Bucht von Sant Antoni ist eigentlich wunderschön, nur leider griffen die restriktiven Baumaßnahmen zu spät. Apartmenthäuser und Hotels prägen das Stadtbild. Aber selbst hier sind Schnäppchen rar gesät, wie eigentlich auf der ganzen Insel.

Die Steilküste des Nordens ist geprägt von großen Rusticos. Auf mehreren Hektar Land steht manchmal nur eine kleine Finca mit 150 Quadratmetern Wohnfläche. Orte wie Santa Inés oder Sant Mateu bestehen auf den ersten Blick aus einer Kirche mit angrenzendem Restaurant oder Tante-Emma-Laden. Die eigentlichen Einwohner leben auf riesigen Ländereien.
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Am Strand von Beniráss trommeln sich Hippies und Spontane dem Sonnenuntergang entgegen. In den Bergen verstecken sich architektonische Kleinode, die man erst auf den zweiten Blick zwischen den Pinien entdeckt. San Joan ist bei allen beliebt, die der Natur nahe sein wollen. Seine Schönheit entwickelt der Ort besonders beim sonntäglichen Markt. In Sant Llorenc gibt es seit 2004 mit dem La Paloma das wahrscheinlich erste Bio-Restaurant der Insel, ein eigener Gemüsegarten und Bio-Fleisch sind dort selbstverständlich. Ebenso in der Inselmitte gelegen ist Santa Gertrudis. Seit der Verkehrsberuhigung hat sich dieser Ort zur kommunikativen Mitte entwickelt. Restaurants und Bars laden zum Verweilen ein. Auf dem Kirchplatz ist immer etwas los – von der Bilderausstellung unter freiem Himmel bis zu Festivals. Diesen Ort wählte auch Schmusebarde James Blunt für seine Immobiliensuche.

Im Vergleich gilt Ibiza als günstig

Auf dem besten Weg, in die Fußstapfen Santa Gertrudis zu treten, ist Sant Carles. Das Dorf um Bar Anita und Kirche hat seit diesem Jahr eine Umgehungsstraße und wird künftig den Kirchplatz besser nutzen können. Gleich nebenan sind die Hippie-Märkte von Es Canar und Las Dalias – beide sorgten in der Vergangenheit für hohes Verkehrsaufkommen in der Hauptsaison. Santa Eulària ist das einzige Dorf der Balearen, durch das ein Fluss führte, deshalb heißt es Santa Eulària des Riu. An den Fluss erinnern heute noch die Gärten und die Alte Brücke. Das Gebiet um die Stadt, die auch im Winter nicht ausgestorben ist, bietet Immobilien aller Art – hier gibt es strandnahe Fincas, Reihenhäuser, Apartments und Villen mit Blick über die Bucht – und es galt schon immer als familienfreundlich. Im ersten Quartal des Jahres wurden die meisten Immobilien in der Gemeinde Santa Eularias verkauft.

Auch wenn die Verkäufe und Preise anziehen, ist Ibiza aber immer noch eine verhältnismäßig günstige Insel. Zumindest sagen das all die neuen Interessenten, die schon Häuser in Saint-Tropez, Miami und Kapstadt haben.