Der Koloss von Benidorm

47 Stockwerke und 200 Meter hoch – in Benidorm ist das höchste Wohnhaus Europas praktisch fertig. Doch Jubelstimmung will nicht so recht aufkommen
Benidorm, die vertikale Touristenstadt im Südosten Spaniens, übertrifft sich in Sachen Hochhausbau wieder einmal selbst. „Intempo“ heißt der Koloss aus armiertem Beton, der die Playa de Poniente überragt. Zwei Türme mit jeweils 115 Apartments sind auf den obersten neun Etagen durch eine kegelförmige, an einen Diaman­ten erinnernde Konstruktion verbunden. 39 Wohnungen befinden sich in diesem Kegel. Damit umfasst das Projekt insgesamt 269 Wohneinheiten; gekostet hat alles bisher über 100 Millionen Euro. Und mit seinen fast 200 Metern Höhe wäre „Intempo“ auch das höchste Wohngebäude Europas – wenn mal jemand einziehen würde. Denn bislang ist der Zwillingsturmbau alles andere als eine Erfolgsgeschichte: Finanzlöcher, Personalprobleme und Zeitungsenten über vergessene Fahrstühle verzögern die Einweihung.
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Der Koloss von Benidorm

Benidorm in der Region Valencia ist eine der wichtigsten Urlaubsdestinationen am Mittelmeer. Es ist bekannt für seine Hochhäuser: 27 davon sind höher als 100 Meter
Gestartet wurde das Projekt noch in der Hochzeit des Immobilienbooms im Jahr 2005. Das „Intempo“ ist ein Paradebeispiel für die Auswüch­se auf den spanischen Finanzmärkten während der Hausse. 93 Millionen Euro erhielt die Bauträ­ger­gesellschaft Olga Urbana damals von der Sparkasse Caixa Galicia als Hypothek. Bis zum Platzen der Im­mo­bilienblase Anfang 2008 konnten zwar einige Wohnungen verkauft werden – bis heute sind es aber kaum mehr als 30 Prozent. Im Dezember 2012 war die Pleite offiziell. Die Hypo­thek musste von Spaniens Bad Bank, der Sareb, übernommen werden. Die Sareb kontrolliert seitdem das Projekt, während das Gebäude weiterhin Olga Urbana gehört.
Guillermo Campos, den aktuellen Bauleiter, umweht mittlerweile eine Aura des „Last Man Standing“. Campos ist der Einzige, der vom ursprünglichen technischen Führungsstab noch übrig ist. Mehrmals sind Architektenteams getauscht worden oder freiwillig gegangen. Zum Frühjahr 2014 konnte Campos mit nur zwei Dutzend Leuten und Finanzmitteln der Sareb immerhin die Außenhülle fertigstellen. Und die Fahrstühle funktionieren. In weniger als 60 Sekunden geht es hoch hinauf in den 47. Stock.
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Der Bauleiter Guillermo Campos Quelle: Gerald Paschen
Das „Intempo“ ist heute zu etwa 90 Prozent fertig. Der Ausbau einiger Apartments sowie die Fertigstellung der Gemeinschaftsanlagen stehen noch aus. Geld dafür ist aber momentan nicht aufzutreiben, und auch das Einweihungsdatum bleibt somit weiter offen. Mit Preisen von 323.000 bis drei Millionen Euro bleiben die Apartmentkosten hoch. Eigentlich soll jetzt das ganze Gebäude im Paket an einen Investor abgestoßen werden. Nur müssten Interessenten dann mit drei Parteien verhandeln: der Sareb, dem Eigentümer Olga Urbana und den Besitzern bereits verkaufter Wohnungen. Dass keine Ei­nigkeit zwischen den Beteiligten herrscht und Rechtsstreitigkeiten drohen, macht die Sache nicht einfacher. Beim Unternehmen Olga ­Urbana sind die Telefone derzeit sogar abgeschaltet. Wirkliche Freude an dem Gebäude haben bisher nur einige Basejumper, die sich ab und zu illegal vom „Intempo“ in die Tiefe stürzen.
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