Scharbeutz - Eine Erfolgsgeschichte

Gute Leute muss man haben! Clevere Gemeindevertreter und mutige Investoren erweckten das traditionsreiche Familienbad in der Lübecker Bucht aus einem langen Dornröschenschlaf.
Fünf Meter bis zum Strand! Es dürfte sehr schwer werden, in Deutschland ein Hotel zu finden, das dichter am Wasser liegt als unser Bayside.“ Töns ­Haltermann steht auf der Restaurant-Dachterrasse des nagelneuen Vier-Sterne-Superior-Hotels und blickt hinunter auf Seebrücke, Strandkörbe und die belebte Promenade von Scharbeutz. Der junge ­Hotelier strahlt mit der Julisonne um die Wette. Er ist stolz darauf, was er gemeinsam mit seinem Vater und seinem Bruder hier in den letzten Jahren geschaffen hat.

Zu Ostern dieses Jahres wurde das Bay­side eröffnet. 132 Zimmer und Suiten, 92 davon mit Meerblick-Balkon, großer Spa-Be­reich mit Schwimmbecken, zwei Saunas, von denen aus man auf die Ostsee schauen kann, zwei Restaurants, zwei Bars. Im Erdgeschoss ein großzügiges Foyer und zur Promenadenseite Geschäfte und Boutiquen.
  • Blick von der Seebrücke: Im April dieses Jahres wurde das Bayside Hotel eröffnet. Quelle: A. Haug
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  • Auf sechs Kilometern Länge wurde ein moderner Küstenschutzwall installiert und geschickt kaschiert Quelle: A. Haug
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  • Die Nähe zum Meer in Scharbeutz genießen. Restaurants wurden neu renoviert oder haben sich neu angesiedelt Quelle: A. Haug
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  • Die Uferpromenade lädt die Großen und die Kleinen zu Spielt und Sport ein... Quelle: A. Haug
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  • ...auch zum Flanieren, Genießen und Einkaufen lädt die Uferpromenade ein. Quelle: A. Haug
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  • Wellness und Incentives: Das Bayside Hotel lockt neues Publikum nach Scharbeutz Quelle: A. Haug
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  • Die besten Immobilienlagen bieten vor allem Nlick auf die Ostsee, Ruhe und Nähe zum Ortskern Quelle: A. Haug
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  • Auch das Häuschen der Strandkorb-Vermieter ist stilvoll hergerichtet Quelle: A. Haug
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Das schicke Hotel könnte auch in Hamburg, London oder San Francisco stehen. Nur die Preise wären dann deutlich höher. Je nach Saison kostet das Doppelzimmer im Bayside zwischen 119 und 179 Euro je Nacht, inklusive Nutzung von Spa- und Fitness-Bereich, Frühstücksbuffet und WLAN. Haltermann nennt Zahlen: „28 Mil­lionen Euro wurden investiert und rund 100 Arbeitsplätze geschaffen. Die Auslastung liegt derzeit bei 91 Prozent. Für dieses Jahr sind bislang schon über 30 Hochzeiten und Feiern geplant. Das Wellness-Publikum bucht gern auch in Neben- und Nachsaison. Womit wir gar nicht so gerechnet hatten, sind die Incen­tives. Selbst DAX-Unternehmen möchten bei uns tagen oder ihre Mit­arbeiter schulen.“

Der Start war für das Bayside ein voller Erfolg. Und ein echter Glücksfall für den Badeort Scharbeutz. Denn ursprünglich wollten die Haltermanns ihr Hotel im Nachbarort Timmendorfer Strand errichten. Aber nach jahrelangem Tauziehen um das geeignete Grundstück wurde man sich mit den örtlichen Behörden nicht einig. Dann stand das marode und seit Jahren geschlossene Meerwasserwellenbad von Scharbeutz zur Disposition. Trotz Unsicherheiten bei Eigentums- und Nutzungsbedingungen griff Familie Haltermann zu. Damals war noch nicht abzusehen, allenfalls zu erahnen, wie toll sich der Ort entwickeln würde.
Scharbeutz blickt zurück auf schwierige Jahre. Seit den 1980er-Jahren hatte sich in dem familiären Badeort wenig getan. Dann kam die Wende und ein paar Jahre später die ­Konkurrenz aus Mecklen­burg-Vorpommern. Im Ver­gleich mit nicht zuletzt dank Soli, Sonder-AfA und sonstigen Fördermitteln blühenden Orten wie Binz, Heringsdorf oder Kühlungsborn sah Scharbeutz mit seinen schlechten Straßen, den Maschendrahtzäunen vorm Strand und dem Waschbetoncharme aus wie ein piefiges Relikt aus den 1970ern. 2005 war die Stimmung in Scharbeutz auf dem Tiefpunkt. Die Besucher­zahlen hatten sich innerhalb von zehn Jahren halbiert. Die Gemeinde stand vor der Wahl: entweder zuschauen, wie es immer weiter bergab geht, oder anpacken und handeln. Man entschied sich für Letzteres. Bürgermeister Volker Owerien erinnert sich: „Es war wie mit der Henne und dem Ei. Wir konnten keine Investoren anlocken, wenn wir nicht vorher selbst attraktive Perspektiven schaffen würden. Dafür fehlte allerdings das Geld.“ Also ­begannen die Verantwortlichen im Rathaus mit der Planung zur Neugestaltung der sechs Kilometer langen Uferpromenade und informierten sich intensiv über alle nur möglichen Förderungen – von EU, Bund, Land. So gibt es zum Beispiel EU-Fördertöpfe für Küstenstraßen, jedoch nur, wenn diese der verbesserten Infrastruktur dienen und für den normalen Verkehr genutzt werden. Allerdings galt es zu verhindern, dass das Herz des Badeortes zur Rennstrecke mutiert. Die Lösung war keine Gerade, sondern eine mal mehr, mal weniger ausgeprägte Schlangenlinie, auf der man zwar offiziell schneller fahren darf, es in der Praxis aber niemand macht.
Scharbeutz

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Knapp 11.000 Einwohner leben in Scharbeutz, dem traditionsreichen Badeort in der Lübecker Bucht. Hamburg liegt etwas über eine Autostunde südlich.
Auch vom Küstenschutz gab es Unterstützung. Es gibt Prognosen, dass selbst in der anscheinend so friedlichen Ostsee künftig so heftige Stürme wirbeln werden, dass die derzeitigen Schutzmaßnahmen ihnen nicht mehr Stand halten können. Für zehn Millionen Euro wurde die Uferlinie hinter dem Strand mit neuartigen tonnenschweren Sandsäcken und wellenförmigen Betonblöcken gesichert. Letztere ragen zwar etwas heraus, werden aber durch Dünensand, Strandhafer und einen erhöhten Weg so geschickt kaschiert, dass sie ganz natürlich wirken.

In diesem Sommer wurden die Bauarbeiten endlich abgeschlossen, und die neue Promenade erstrahlt in ihrer ganzen Länge und Pracht, lädt ein zum Flanieren, Einkaufen, Essen, Joggen, Skaten, Spielen, Radfahren. Es gibt einen „Sailing Point“, ein „Adventure Golf“, Kinderspielplätze, eine Halfpipe für die Skater, sogar eine Tribüne für Gottesdienste im Freien. Namhafte Gastronomen wie das Sylter „Gosch“ und das Timmendorfer „Café Wichtig“ haben hier Filialen eröffnet, alteingesessene Geschäfte wurden renoviert und neue Boutiquen eröffnet. Die Henne-Ei-Rechnung scheint aufzugehen. Bürgermeister Owerien ­resümiert: „Insgesamt wurden 30 Millionen staatliche Euro investiert. Und bislang 50 Millionen von privaten Investoren. Bei den Übernachtungen sind wir wieder auf dem Niveau von vor der Krise, und die Tages­gäste haben seit 2010 bereits um 50 Prozent zugelegt.“

In wenigen Jahren vom 70er-Jahre-Relikt zum Hotspot

Der Immobilienmarkt hat längst auf die positive Entwicklung reagiert. Andreas Kunze, Geschäftsführer der Concept Immobilien: „In den letzten drei Jahren sind die Preise um gut 20 Prozent gestiegen. Und das, obwohl Scharbeutz im Prinzip eine einzige Baustelle war.“

Die besten Wohnlagen des Ortes sind die Höhenlagen gleich hinter der Strandallee, zum Beispiel die Straße Am Hang. Für Wohnungen mit vollem Blick und in erstklassigem Zustand werden hier Quadratmeterpreise von bis zu 7.000 Euro bezahlt. Das Maklerunternehmen Möllerherm Immobilien hat in einem aktuellen Marktbericht Preise und Lagen analysiert. Geschäftsführerin Anne­gret Möllerherm: „Wohnungen in sehr guten Lagen kosten 4.000 bis 7.000 Euro, in guten Lagen 3.000 bis 4.000 Euro, in mittleren Wohnlagen 1.800 bis 3.000 Euro und in einfachen Wohnlagen 1.000 bis 2.000 Euro. Bei den Einfamilienhäusern beginnt die Preisrange bei knapp 200.000 Euro für einfache Lagen und endet bei knapp unter einer Million für Häuser in Toplagen. Für Villen in Bestlage werden sogar bis zu drei Millionen gefordert.“

Es wird interessant, die künftige Entwicklung von Scharbeutz zu beobachten. Ein Besuch lohnt sich in jedem Fall - nicht nur zur Sommerszeit. Damit bei aller Euphorie aber keine falschen Vorstellungen entstehen: Eine makellose Schönheit ist Scharbeutz noch lange nicht. Aber der Ort ist mit Engagement und guten Ideen dabei, das Bestmögliche aus sich zu machen.
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