Ratgeber: Tipps und Tricks zum Hauskauf in Tunesien

Kaufabwicklung, Nebenkosten und die Kunst zu handeln: Beim Kauf einer tunesischen Immobilie gilt es, einige Punkte zu berücksichtigen
Immobilien kaufen in Tunesien? Das klingt erst mal exotisch, und in der Tat ist das Prozedere beim Erwerb eines Hauses oder einer Wohnung auch nicht ganz einfach. Vor allem muss man sich als Europäer daran gewöhnen, dass auch auf dem Immobilienmarkt gefeilscht wird.
Hauskauf in Tunesien: Tipps und Regeln
Tipps zum Immobilienerwerb in Tunesien Quelle: Bellevue

Sechs goldene Regeln beim Immobilienkauf in Tunesien

1. Jeder Ausländer darf Immobilien in Tunesien erwerben. Es gibt weder im Wert noch in Bezug der Zahl der Immobilien Begrenzungen. Ausgeschlossen ist nur jede Art von landwirtschaftlicher Nutzfläche.

2. Für den Kauf jeder Immobilien muss die Zustimmung des örtlich zuständigen Gouverneurs eingeholt werden – normalerweise eine reine Formsache, sofern man kein polizeilich gesuchter Straftäter oder Terrorist ist. Wann die Zustimmung kommt, ist allerdings Glückssache. Sie kann nach Tagen eintreffen –oder  erst nach Monaten. Einheimische helfen in solchen Fällen normalerweise mit kleineren „Freundschaftsgaben“ nach, die die Bearbeitung angeblich maßgeblich zügiger machen. Das auswärtige Amt rät ausdrücklich, das Prozedere einem einheimischen Anwalt oder Notar zu übergeben: Bei Kaufinteresse macht der Verkäufer mit dem Käufer also häufig erst einmal einen Vorvertrag, der dann direkt zum Anwalt geht. Der das Geschäft unter Dach und Fach bringt – und den Grundbesitz  im Grundbuch, dem „Titres foncier“, eintragen lässt. Der gesamte Vorgang kann in einer Woche abgeschlossen sein – oder aber auch Monate dauern. Das ist von Gouverneur zu Gouverneur verschieden. Unterschiedlich ist auch die Bezahlung des Anwalts für seine Dienste: Häufig werden 3 % des Kaufpreises veranschlag, aber da es keine gesetzlich festgelegten Gebühren gibt, ist sein Honorar vor allem Verhandlungssache. Weitere Nebenkosten: Die Grunderwerbssteuer beträgt in Tunesien 6 % vom Verkaufspreis.

3. In Tunesien verkaufen einige Baugesellschaften ihre Projekte selbst (und bieten Ausländern teilweise auch die Abwicklung bis zum Eintrag ins Grundbuch an), aber auch die Immobilienmakler (Agence immobiliére) vermitteln häufig. Tipp: Es gibt auch Mittelsmänner, die im Auftrag eines deutschen Kunden ein passendes Objekt suchen und auch den Preis verhandeln. Der Vorteil: Man muss nicht vor Ort sein, bekommt Infos und Bilder per Mail zugeschickt, der Preis ist normalerweise günstiger, weil ein Tunesier der erste Verhandlungspartner ist – nicht der Ausländer. Eine mögliche Kontaktadresse: Zorgui Mohamed (spricht auch deutsch), strand.perle@yahoo.fr, www.strandtperle-tunesien.de., Tel: 00216-21049727.

4. Bei Appartmenthäusern beachten, dass es durchaus nicht selten ist, dass Wohnungen gekauft und teilweise auch wochenweise vermietet werden, warnt Zorgui Mohamed, der sich mit dem Immobilienmarkt seiner Heimat beschäftigt hat. „Man weiß nie, wer sonst noch einzieht.“ Nicht unbedingt nur Leute, die Meer, Sonne und ihre Ruhe wollen; auch die Libyer kaufen gerne in Tunesien. Für viele von ihnen ist Tunesien Ballermann; Wein, Weib und Gesang satt. Alles das, was daheim verboten ist. „Wenn ein Block erst bekannt dafür ist, dass auch mal Prostituierte hier verkehren, sinkt der Wert sofort“, warnt Mohamed.

5. Der Vorteil von Maisonettes und Häuschen zu ebener Erde: Man kann sie aufstocken, wenn´s irgendwann etwas größer sein soll. Fast grotesk: Links der Durchgangsstraße hinter Hammam Sousse ist das Areal als „Zone touristique“ ausgezeichnet – und schon deshalb (und wegen der bereits vorhandenen Erdgasanbindung) fast doppelt so teuer wie die Grundstücke rechts der Straße. Dabei ist die Erdgasanbindung häufig nur eine Frage von Monaten – ebenso das Zusammenwachsen der einzelnen Ortsteile.

6. Gefeilscht wird in Tunesien nicht nur bei Ledertaschen oder Plüschkamelen – auch auf dem Immobilienmarkt ist der erste Preis nie der letzte. Um gleich von einem anderen Preisniveau zu starten, ist es nicht schlecht, erstmal einen Tunesier vorzuschicken. Der bekommt mit Sicherheit ein anderes Ausgangsangebot als der Germane aus dem fernen, reichen Lande.