Paradies für Pensionäre

Apartments ab 50.000 Euro, Häuser ab 100.000 Euro, dazu Entertainment, Services und ärztliche Betreuung nach Wunsch – an Südafrikas Kap der guten Hoffnung können Senioren ihren Ruhestand in vollen Zügen genießen
Vor knapp 30 Jahren wurden in Südafrika die ersten speziell auf Seniorenbedürfnisse abgestimmten „Villages“ gebaut. Damals war das ein kaum beachteter Nischenmarkt, vorwiegend entstanden aus dem Bedürfnis nach Sicherheit. Heute sind die etablierten Residenzen fast alle ausverkauft, und die Wartelisten sind lang. Gleichzeitig entstehen landesweit neue Objekte, um der wachsenden Nachfrage entgegenzukommen.
Pensionäre Paradies
Vor rund einem Jahr zog das Ehepaar Jackson von Johannesburg in ein Seniorendorf Quelle: Nanette Kroeker
Fast alle Residenzen bieten verschiedene Wohnformen an, angefangen bei frei stehenden Häusern, bei denen sich die Versorgung auf Gartenservice und die Nutzung des ­jeweiligen Angebots beschränkt, bis zum Modell des „Assisted Living“ (unterstütztes Leben), das in Form von Apart­ments angebo­ten wird, in denen eine tägliche Versorgung und medizinische Betreuung gewährleistet werden. Zusätzlich haben fast alle Einrichtungen ein „Frail Care Centre“, das Rund-um-die-Uhr-Betreuung für sehr alte oder erkrankte Menschen bietet.

Eine überaus beliebte Seniorenresidenz ist das Helderberg Village in Somerset West bei Kapstadt. Inmitten der Weinberge bietet das 84 Hektar große Anwesen eine luxuriöse Ausstattung: einen 9-Loch-Golfplatz, Schwimmbad, Bowlinggreens, Tennisplätze, Fitnessstudio, Sport- und Kunstkurse, Töpferei, Bridge und zahlreiche Angebote zum gemeinsamen Wandern und Besuch von Theatern und kulturellen Veranstaltungen, um nur einiges zu nennen.
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Seniorendorf Helderberg Village

Südafrikas beliebtes Seniorendorf Helderberg Village liegt 30 Autominuten östlich vom Zentrum Kapstadts und in der Nähe zu Stränden und den bekannten Winelands
Was kostet das? Knapp 800 Häuser befinden sich auf dem Gelände, und die Preise variieren von 1,5 Mio. Rand (ca. 100.000 Euro) für ein kleines Haus mit einem Schlafzimmer bis zu 6,5 Mio. Rand (ca. 434.000 Euro) für ein luxuriöses Haus mit drei Schlafzimmern direkt am Golfplatz. Zusätzlich bietet Helderberg auch Apartments ab 850.000 Rand (ca. 56.700 Euro). Hinzu kommen die monatlichen Abgaben, die sich nach der Größe der Immobilie richten und zwischen 1.300 und 3.000 Rand (87 bis 200 Euro) liegen. Diese Gebühren beinhalten etwa den Zugang zu den Sporteinrichtungen, Restaurants und dem Health Care Centre, Gartenservice, die wöchentliche Reinigung und das Sicherheitspersonal. Zusätzliche Kosten fallen für die verschiedenen Clubangebote an, die reichlich genutzt werden.
Jeanette Smith aus Johannesburg ist vor fünf Jahren nach Helderberg gezogen. Die heute 72-Jährige schwärmt von ihrem neuen Lebenstil: „Ich hätte es schon viel früher machen sollen, ich habe viele neue Freunde gefunden, bin aktiv im Bridge-, Garten- und Bücherclub, ständig unterwegs und bekomme sogar Besuch von Freunden aus England, die die Natur und das Klima genießen wollen.“ Sie hat ihr 3-Zimmer-Haus in Johannesburg verkauft, um in einem 1-Zimmer-Haus im Seniorendorf zu leben, und beteuert, dass dies die beste Entscheidung war.

Viele der Investoren sind Südafrikaner, doch das Interesse aus dem Ausland wächst. Johannie du Rand, Immobilienspezialistin in Helderberg, sieht einen Zuwachs vor allem an deutschen Käufern. Meist sind es die so genannten „Schwalben“, die seit Langem die Sommermonate in Südafrika verbringen und sich dann ganz hier niederlassen. Die Einwanderungsgesetze für Rentner sind in Südafrika klar strukturiert. Voraus­setzung ist ein monatliches garantiertes Einkommen von 20.000 Rand (ca 1.350 Euro) bei Antragstellung aus einer Rentenversicherung oder aus Mieteinnahmen. Dieser Betrag wird sich laut Andreas Krensel von IBN (International Business Network) ab April mit dem neuen Einwanderungsgesetz etwas erhöhen.

Schwacher Rand führt zu mehr Investitionen in Immobilien

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In dem Seniorendorf Helderberg Village gibt es einen 9-Loch-Goldplatz Quelle: Nanette Kroeker
Gleichzeitig ist der Randkurs für Europäer ungemein günstig. Makler in allen touristischen Regionen verzeichnen einen Zuwachs an Käufern aus dem Ausland. Michael Hauser von Seeff in Kapstadt erklärt, dass die Preise heute so günstig sind wie vor fünf Jahren, und das, obwohl Immobilien einen Preisanstieg von 15 bis 20 Prozent im letzten Jahr verzeichnen konnten. Mit dem schwachen Rand investieren auch Südafrikaner vermehrt in solide Immobilien und sorgen damit für einen starken Markt. Gleiches passiert entlang der beliebten Garden Route, wo Häuser auf Golfplätzen und in Seniorenresidenzen eine boomende Nachfrage verzeichnen. Ling Dobson von Pam Golding in Knysna freut sich über den schwachen Rand: „Während wir zwischen 2009 und 2013 eine echte Flaute durchlebt haben, verkaufen wir seit Beginn des Jahres zwei bis drei Immobilien pro Monat an Ausländer aus Deutschland, Skandinavien, England, Frankreich und Italien.“

Oftmals entscheiden sich die Käufer spontan, da bei dem jetzigen Randkurs die Immobilien für Ausländer sehr günstig sind. Gleichzeitig sollte die Entscheidung, in eine Seniorenresidenz zu investieren, wohlüberlegt sein, da die meisten Menschen langfristig in der Nähe ihrer Angehörigen leben wollen. Die Residenzen bieten dafür verschiedene Finanzierungskonzepte an und haben je nach Größe und Struktur ein unterschiedliches Angebot. So kann zum Beispiel das „Lebensrecht“ gekauft (wobei Transfer Duties wegfallen und der Wiederverkaufspreis garantiert wird) oder die eigentliche Immobilie wie bei einem normalen Hauskauf erworben werden. Und wer das Leben in einer Seniorenresidenz erst einmal ausprobieren möchte, kann in einigen Residenzen wie zum Beispiel dem Kronendal Village in Hout Bay für ca. 17.000 Rand (ca. 1.140 Euro) pro Monat ein Apartment mieten.