Österreichs Seen: Ans Blaue

Österreich hat Berge - und Seen! Und die sind so schön, dass es für viele der ultimative Traum ist, direkt an ihren Ufern zu wohnen...
Blick auf den See und ein Bootshaus in Velden
Glücklich, wer ein Bootshaus wie dieses in Velden besitzt Quelle: Kärnten Werbung

Preise haben angezogen

Es war ein Rekordjahr im österreichischen Immobilienmarkt. Stolze 18,1 Prozent mehr Verkäufe als 2013 wurden gezählt – und 2,5 Prozent mehr als im bisherigen Spitzenjahr 2010! Hochzufriedene Mienen also bei den Branchenpressekon­ferenzen, wo in diesem Frühjahr die 2014er-Bilanzen präsentiert wurden. Allein in Wien, darauf wies man etwa bei der Präsentation des jährlichen „RE/MAX ImmoSpiegels“ hin, wurden 2014 über 15.000 Kaufverträge für insgesamt rund sechs Milliarden Euro ­abgeschlossen – mit Spit­zen­werten von bis zu 30.000 Euro für den Qua­­dratmeter. Mit solchen Preisen, erzielt im so genannten „Goldenen Quartier“ des 1. Bezirks, ist Wien somit endgültig nicht mehr aus  den Top­rängen der i­nternationalen Luxus­stand­orte wegzudenken.

Aber auch andernorts in der Alpen­repu­blik haben die Preise – jedenfalls für Luxus­domizile – kräftig angezogen: in Kitzbühel (bis 15.000 Euro/m2), in der Salzburger Altstadt (bis 13.000 ­Euro­/­m2), in den Vorarlberger Nobelskiorten Lech und Zürs (15.000 bis 20.000 Eu­ro/­m2). Und, für manche überraschend, auch an den Seen des Salzkammerguts und Kärntens: So wurde etwa am Wörther­see erstmals die 20.000-Euro-Marke geknackt; der höchste Einzelpreis dort lag bei 9,9 Millionen Euro für eine Seeliegenschaft in Velden. Und am beschaulichen Mond­see im Salzburger Land wur­den sogar 25.000 Euro für den Quadratmeter gezahlt. Summen, wie man sie von nichtstädtischen Desti­nationen in Österreich bis­­her kaum kannte – und international auch nur von Zielen wie Sylt, Mallorca oder den Schweizer Luxusabsteigen à la Davos, St. Moritz oder Gstaad.

Höher im Kurs denn je

Die Seen also. Österreichs „blaue ­Augen“, so viel darf man als Fazit schon vorab festhalten, stehen höher im Kurs denn je. 44 gibt es Wikipedia zufolge, die mehr als einen Quadrat­kilo­meter Wasserfläche haben – und Hunderte kleinere. Und zwei Seengürtel stehen als „eine ähnliche Lage wie Long Island für New York oder die Insel Sylt für die Hansestadt Hamburg“.
Im Seeliegenschaften-Monopoly spielen die Wiener dennoch nicht allein: Rund 60 Prozent der Hauskäufer am Wörthersee, so noch einmal Engel & Völkers, kommen aus Deutschland, Italien, den Niederlanden oder der Schweiz. Und was sie suchen, so denn die Börse dafür langt, ist direkter Seezugang – „fußfrei“, wie man das hier nennt – oder mindestens freier Seeblick. Beides ist jedoch, zumindest im mondän gewordenen Velden, so knapp, dass manch ein Interessent schon Jahre gewartet hat, bis sich ein geeignetes Objekt fand. Zu zwischenzeitlich weiter gestiegenen Anforderungen an die Börse: Jährliche Preiszuwächse von fünf bis zehn Prozent, in den 1a-Lagen fallweise gar bis zu 30 Prozent, gelten als gesetzt. Und wenn einmal ein Domizil mit eigenem Steg und/oder der begehrten Motorbootlizenz auf den Markt kommt, ist es im Nu verkauft. Oft sogar, ohne dass die Öffentlichkeit davon erfuhr: Diskretion ist, wie ja überhaupt in Österreich, am Wörthersee Ehrensache.
Karte der Seen in Österreich

Begehrte Gewässer

Immobilien direkt am See sind in Österreich um ein Vielfaches teurer als andere Liegenschaften - in Einzelfällen bis zum Achtfachen

Zwei Seengürtel stehen bei Immobilienkäufern besonders hoch im Kurs: die Kärntner Seen vom Weißensee bis zum Wörthersee und die Gewässer des Salzkammerguts vom Fuschlsee bis zum Traunsee. Den bisherigen Spitzenwert erzielte 2014 ein Anwesen am Wolfgangsee: 25.000 Euro pro Quadratmeter.

Den Gewässern entlang

Beginnen wir unsere ­Wasserwanderung dort: mit Fuschlsee und Wolfgangsee im Salzburger Land sowie Mondsee, Atter­see und Traunsee im Bundesland Ober­öster­reich. Sie bilden eine zusammenhängende Ge­wäs­serkette – und sind doch ganz unter­schied­lich vom einen zum anderen. Klein und fein ist der Fuschlsee; Niki Lauda residierte dort lange – heute ist Red-Bull-Chef Mateschitz der wohl prominenteste Anwohner. Beim Wolfgangsee denkt man an ur­laubende Ex-Kanzler (nicht nur Kohl, auch Schüssel), ans „Weiße Rössl“ (ja, das Ope­rettenhotel gibt es auch in Wirklichkeit!), an Lederhose und Dirndl zum Hoch­amt – altes Austria pur. Dann der Mondsee, der eher als bodenständig gilt – und an dem dennoch jenes Anwesen steht, das die oben genannten 25.000 Euro pro Quadratmeter erzielte. Sportlich sind die letzten beiden: der türkisblaue Attersee we­­gen seines exzellenten Rufs als Segelrevier, dessentwegen das zum Anwesen gehörende Bootshaus schon mal teurer sein kann als andernorts eine Villa, und schließlich der Traunsee mit seinen zwei Gesichtern. Das eine prägt der steil überm See aufragende Traunstein, der selbst erfahrenen Bergwanderern Respekt abverlangt, das andere das liebliche Gmunden ­gegenüber, mit der an Kaisers Zeiten erinnernden Altstadt und dem zwiebelturmbewehrten Schloss Ort im blauen Wasser davor.

Beschränktes Angebot

Segler also – und viele Wiener – ziehe der Attersee an, sagen örtliche Makler, das sei schon seit dem 19. Jahrhundert so. Der Wolfgangsee und der Mondsee dagegen seien bei Deutschen, Salzburgern und Tirolern beliebt. Ganz unterschiedlich sei die Käuferstruktur für jeden der Seen im Salzkammergut. Was allein für alle zu gelten scheint: Die Nachfrage nach Immobilien ist konstant, das Angebot aber beschränkt – entsprechend hoch sind die Preise. Selbst für Baugrund, der direkt am See liegt, muss man etwa am Attersee mit 3.000 Euro pro Quadratmeter rechnen. Für eine 300-Quadratmeter-Parzelle wäre da die erste Million also fast schon mal weg.
Hinüber zur anderen Seite des Alpenkamms: ins Bundesland Kärnten. Ungefähr 200 Badeseen zählt man hier – was die Region zu einer erfolgreichen Familiendestination macht. Und zu einer gesunden, denn die Wasserqualität ist legendär: In Velden gibt es deshalb das beliebte  Ritual, dass der Bürgermeister zu Saisonbeginn vor der versammelten Presse ein Glas Wör­ther­seewasser trinkt. Ein zunehmend kosmopo­litisch gewordenes Publikum gou­tiert das: Eine halbe Million Ankünfte pro Jahr zählt der internationale Flughafen Klagenfurt. Und da man ab Wien mit dem Auto in nicht einmal drei Stunden dort ist, sei der Wörthersee, so eine Marktanalyse von ­Engel & Völkers, für die Haupt­städter „eine ähnliche Lage wie Long Island für New York oder die Insel Sylt für die Hansestadt Hamburg“.

Internationale Käufer

Im Seeliegenschaften-Monopoly spielen die Wiener dennoch nicht allein: Rund 60 Prozent der Hauskäufer am Wörthersee, so noch einmal Engel & Völkers, kommen aus Deutschland, Italien, den Niederlanden oder der Schweiz. Und was sie suchen, so denn die Börse dafür langt, ist direkter Seezugang – „fußfrei“, wie man das hier nennt – oder mindestens freier Seeblick. Beides ist jedoch, zumindest im mondän gewordenen Velden, so knapp, dass manch ein Interessent schon Jahre gewartet hat, bis sich ein geeignetes Objekt fand. Zu zwischenzeitlich weiter gestiegenen Anforderungen an die Börse: Jährliche Preiszuwächse von fünf bis zehn Prozent, in den 1a-Lagen fallweise gar bis zu 30 Prozent, gelten als gesetzt. Und wenn einmal ein Domizil mit eigenem Steg und/oder der begehrten Motorbootlizenz auf den Markt kommt, ist es im Nu verkauft. Oft sogar, ohne dass die Öffentlichkeit davon erfuhr: Diskretion ist, wie ja überhaupt in Österreich, am Wörthersee Ehrensache.
Was also tun? Entweder in die zweite Reihe wechseln – oder an einen günstigeren See: Zwischen einem Drittel und der Hälfte, so errechnete es Die Presse, lasse sich hier im Vergleich zum Wörthersee einsparen: „Und das durchaus, ohne Verzicht zu üben. Denn nicht für alle ist der Wörthersee das Ziel der Träume, mancher Investor sucht gerade nicht nach glamourösem Nachtleben und prominenter Nach­barschaft.“ Wer das also nicht braucht, hat reichlich Wahl – vom Ossiacher See mit seinem Hochgebirgspanorama über den Millstätter See nahe Villach im Drautal und den türkisgrünen Faaker See nahe der Grenze zu Slowenien bis zu so kleinen Gewässern wie dem ruhigen, hoch gelegenen Weißensee und sogar dem Magdalenensee im „Speckgürtel“ von Villach.

Und der Bodensee?

Und was, darf man beim Blick auf die Landkarte fragen, ist mit den beiden großen, grenzübergreifenden Seen Austrias – dem Bodensee im Westen und dem Neusiedler See im Osten? Für Letzteren ist die Frage schnell beantwortet: Direkt am Was­ser kann man praktisch nicht kaufen. Der nach Ungarn hineinragende See samt Ufer befindet sich zum Großteil im Besitz der Esterházy-Familienstiftung, und die vergibt nur „Superädifikate“. Das heißt: Man kann zwar das Recht erwerben, ein Haus zu bauen – aber auf einem Grundstück, das man nur mieten kann.
Und der Bodensee? An dem kleinen Zipfel, den Österreich von ihm hat, gibt es überhaupt keine privaten Immobilien zum Erwerb, da die direkten Uferbereiche öffentlich und frei zugänglich gehalten werden müssen. Also muss man sich mit Fußnähe oder Seeblick aus der Entfernung begnügen. Und zahlt dafür 6.000 Euro pro Quadratmeter aufwärts.
BELLEVUE Ausgabe 4/2015

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Dieser Artikel stammt aus dem BELLEVUE-Heft 04/2015.

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