Neue Bauprojekte in der Schweiz

Vom Hochgebirge bis zum sonnigen Tessin: drei Bauprojekte in der Schweiz, in denen auch Ausländer kaufen dürfen
Marktreport Schweiz, neue Bauprojekte
Das Eden Mountain Estate auf rund 2.000 Meter Höhe Quelle: Anbieter

Die Lauchernalp

„The Power of Slow“ und „Living Simplicity“: Die Slogans für das „Lauchernalp Eden Mountain Estate“ hoch oben im Schweizer Kanton Wallis passen. Bei unserem Besuch laufen die letzten Vorbereitungen für den Auftakt zur Skisaison 2016/17 – Pistenraupen werden getestet, Skiabfahrten kontrolliert –, doch von Stress ist nichts zu spüren, es geht ­gemächlich zu. Ruhe vor dem Sturm oder Schweizer Gemütlichkeit? Sicher beides. Die Uhren im 550-Seelen-Dorf Wiler-Lötschen ticken anders. Alpine Holzhäuser sind mit geschnitzten Tschäggätta-Masken dekoriert, Schulkinder laufen die Hauptstraße entlang. Man kennt sich, man grüßt sich. Auf der Lauchernalp, 1.969 Meter oberhalb des Tals, soll sich das nicht ändern. Neben Entschleu­nigung will eben diese Einfachheit in dem neuen Resort gelebt werden.

26 zwei- bis dreigeschossige Chalets, drei Apartmenthäuser mit insgesamt 54 Wohneinheiten sowie ein Clubhaus sollen hier künftig stehen. Bislang sind 14 Apartments und 23 Chalets fertiggestellt – und einige sind bereits an internationale Käufer veräußert. „Die Zielgruppe, die wir ansprechen, ist eine, die ihren Winterurlaub fern von den Jetset-Hochburgen verbringen möchte, die Bodenständigkeit, aber gleichzeitig auch hohen Wohnkomfort schätzt“, erklärt Karin Locatelli die Idee des Bauprojekts, die sie mit ihrem Mann Mario Locatelli hatte. Vor etwa 15 Jahren besuchte das Paar Wiler-Lötschen, fühlte sich wohl und blieb. Im Rahmen des Quartierplans konnten zu der Zeit Grundstücke erworben und Baugenehmigungen vergeben wer­­den. Nach und nach bauten die Locatellis also die Chalets und Apartments – und erwirkten, dass sie auch von Ausländern gekauft werden dürfen. Eine der raren Möglichkeiten für Nicht-Schweizer, im Rahmen der stren­gen Zweitwohn­sitzreglung eine Ferienimmobilie zu erwerben – inklusive Aufent­­halts­recht und so­gar der Schweizer Staats­­bürgerschaft.
Marktreport Schweiz, neue Bauprojekte

Zwei große, ein kleines

Im Hochgebirge liegen die Großprojekte Wiler (Kanton Wallis) und Andermatt (Uri), am Lago Maggiore (Tessin) steht die Residenz in Ascona

Keine Jetset-Hochburg

Die Käufer können diese Immobilien also selbst nutzen – und/oder vermieten. Bei 7.500 bis 8.000 Schweizer Franken pro Quadratmeter liegt ihr Preis. 131 bis 277 Quadratmeter sind die Chalets groß; die Apartments und Penthouses in den drei Apartmenthäusern messen 49 bis 235 Quadratmeter. Mindestens 40.000 Schweizer Franken werden zu­sätzlich für die Möblierung angerechnet. Ergo fallen im güns­tigsten Fall etwa 400.000 Euro für das kleinste möblierte Apartment und rund zwei Millionen Euro für das größte Chalet an. Auf Wunsch kann man auch einen Concierge-Service buchen, der sich übers Jahr um die Verwaltung der Immobilie kümmert. „Geplant sind ein Concierge-Raum an der Talstation und ein Parkdeck“, erklärt Michael Ries von Pantera Sotheby’s International Realty, die den Vertrieb in Deutschland übernommen hat. Auf der Alp soll außerdem die Eden Lounge mit ­internationalem Restaurant, Bar, Pool, ­Wellness- und Fitnessbereich entstehen. ­Unterirdische Korridore werden die Apartmenthäuser mit dem Clubhaus verbinden.

Und noch ein Highlight: Alle Chalets und Apartments haben Südhanglage! Der Blick fällt geradewegs auf den Viertausendergipfel Bietschhorn. Überhaupt ist man der Natur sehr nah: Das UNESCO-Welterbe Lötschental bietet Jagdmöglichkeiten im Herbst und im Winter 55 Kilometer Pisten in 1.500 bis 3.200 Metern Höhe. „Ski-in-Ski-out“ heißt die Devise. Dass auch die ­Ge­mein­de Wiler-Lötschen von dem „Feriendorf“ auf der Lauchernalp profitiert, ist klar. Das Resort lockt eine kaufkräftige Klientel an und fördert damit auch den Tourismus im Tal. Da die Residenten aber oben auf der Alp wohnen, werden sie das Dorfleben nicht stören. Und da der Bauplatz auf der Alp limitiert ist, sei auch die Angst vor Massentourismus in Wiler-Lötschen nicht groß, so Gemeindepräsident Hans-Jakob Rieder. Weitab vom Schuss liegt die Gemeinde dennoch nicht. Die Flughäfen Bern, Zürich und Genf oder auch Mailand liegen nicht mehr als drei Autostunden entfernt. Und von der Bahnstation Gampel unten im Tal braucht man nur 20 Minuten bis hinauf ins Dorf.

Andermatt Swiss Alps

Andermatt Swiss Alps
Auf 1.500 Metern liegt das Resort Andermatt Swiss Alps Quelle: Anbieter
Szenenwechsel: Rund 100 Kilometer von Wiler-Lötschen entfernt – wie auch von Zürich, über das man üblicherweise anreisen wird – liegt Andermatt. Jenes einst fast vergessene Dorf im Kanton Uri, das wie kein anderes in der ganzen Schweiz durch ein Immobilienprojekt aus dem Dornrös­chen­­schlaf geweckt wurde. „Andermatt Swiss Alps“ lautet der Name des Mega-Developments. Mit dem zu Weihnachten 2013 eröffneten Luxushotel The Chedi ging es an den Start, mit weiteren fünf Hotels im Vier- und Fünf-Sterne-Bereich, mit 500 Wohnungen in 42 Apartmenthäusern sowie 25 exklusiven Chalets, mit einem 18-Loch-Golfplatz, einer erweiterten Ski­arena, einem Hallenbad sowie modernen Kon­gresseinrichtungen geht es weiter.

Über 500 Millionen Schweizer Franken wurden bis dato verbaut – 1,8 Milliarden sollen es insgesamt werden. Und da der Schweizer Staat das auf zehn Jahre Bauzeit angelegte Projekt als Ganzes genehmigt hat, ohne eine Möglichkeit des Rückzugs, werden sich die Baukräne weiterdrehen. Zumal dem Investor, der Orascom AG des aus Ägyp­ten stammenden Milliardärs Samih Sawiris, ein veritabler Coup gelang: Das Resort ist von der „Lex Koller“ befreit, die den Kauf von Immobilien durch Ausländer in der Schweiz beschränkt. Hier dürfen sie also –wie auf der Lauchernalp – kaufen und sich ein Stück vom begehrten Schweizer Immobilienkuchen sichern. Dass sich dagegen auch Widerspruch erhob, darf man freilich nicht unterschla­gen: Die Diskussion um die „kalten Betten“ in den Schwei­­zer Ferienregionen wird immer wieder hitzig geführt. Doch Sawiris begegnete ihr von Beginn an konse­quent, indem er die lokale Bevölkerung bei allen Planungen ebenso miteinbezog wie die Politik.

„Integriertes Resort“ heißt seine Formel dafür: Bestehendes wird nicht entfernt, sondern organisch ergänzt (deshalb steht das Chedi nicht in einer umzäunten Enklave, sondern mitten im Dorf). Und mit Hallenbad, Skiarena und Kongresszentrum schafft er Einrichtungen, die für alle offen stehen und dem Dorf neuen Glanz verleihen.

Ascona am Lago Maggiore

Marktreport Schweiz, neue Bauprojekte
Residenzia Twins heißt das Apartmenthaus in Ascona Quelle: Anbieter
Einige wichtige Schritte des Projekts sind bereits getan. Nach dem Chedi wurden die ersten Apartmenthäuser und Chalets fertiggestellt und Käufern übergeben. Im Oktober war die Grundsteinlegung für das zweite Hotel (samt Apartmentkomplex Gotthard Residences) und das Hallenbad. Und im kommenden Sommer wird der Golfplatz eröffnet; sein nobles Clubhaus ist bereits seit dem Winter in Betrieb.

Und damit, letzter Szenenwechsel, an die Sommerseite der Schweiz, ins milde, zum mediterranen Süden blickende Tessin. Genauer, nach Ascona am Lago Maggiore, wo ein – kleines – Neubauprojekt ebenfalls mit der raren Geneh­migung lockt, dass auch Ausländer hier einen Zweitwohnsitz erwer­ben dürfen. „Residenza Twins“ heißt das Projekt, ein 2014 fertiggestelltes Apartment­haus mit acht Einheiten, topmodern ausgestattet und in bester Panoramalage mit Blick über den See. Bei rund 12.500 Schwei­zer Franken liegt der Quadratmeterpreis für die Wohnungen. Eine stolze Größenordnung? Nicht angesichts des Preis­­niveaus, das die Schweiz nun einmal hat – und an dem auch die Lösung des Franken von der Euro-Bindung Anfang 2015 nichts geändert hat. Die Hauspreise steigen zwar nicht mehr so stark wie zuvor. Doch sie bleiben wohl, wie die Schweiz immer war: stabil.

Preisentwicklung in der Schweiz

Preisentwicklung Quelle:

Beruhigung auf hohem Niveau

Kein Einbruch nach dem „Frankenschock“. Doch erstmals nach zehn Jahren haben sich die Preise für Schweizer Immobilien 2015 beruhigt

Die Lösung des Franken von der Euro-Bindung hat die Schweiz für ausländische Käufer teurer gemacht – ein Nachfragerückgang war die Folge. Doch dank der stabilen Wirtschaft und entsprechender Binnennachfrage bleiben die Immobilienpreise stabil – und die Gefahr einer Preisblase scheint gebannt.

Grafik: Entwicklung der Angebotspreise (Index 1. Quartal 2005 = 100), Quelle: Wuest & Partner
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