Mallorca: Zu Besuch auf einer über 500 Jahre alten Finca

Mallorca, wie es authentischer nicht sein könnte: Die Familie Oliver Moragues lebt den Traum eines Lebens ohne das Streben nach immer mehr
Berge, Oliven und Oleander, so weit das Auge reicht. 25 Kilometer von Palma entfernt, bei Algaida am Fuße des Berges Randa, liegt unser Ziel: die Finca der Familie Oliver Moragues. Eine Truppe lustiger Esel be­­äugt uns; zwischen Eichen, Mandel- und Olivenbäumen fahren wir zum Eingang des Anwesens. Zur Begrüßung hat sich der gesamte Clan vor dem Haupthaus versammelt. Señora Joana, die Hausherrin, stellt nacheinander vor: Bruder Gabriel, Partner Jaime, Tochter Rocío, Sohn Carlos, die Kinder ihrer Schwester Onane, einige Cousins – und Pepe, den freudig kläffenden Jack Russell. Eine moderne Patchworkfamilie, der man nicht ansieht, dass sie dem ältesten mallorquinischen Win­zeradel angehört.
  • Gruppenbild: die Familie Oliver Moragues Quelle: Bernd Opitz
    Gruppenbild: die Familie Oliver Moragues
  • Die Vogelhaussammlung wird zum Zuhause für Porzellan-Lieblingsstücke Quelle: Bernd Opitz
    Die Vogelhaussammlung wird zum Zuhause für Porzellan-Lieblingsstücke
  • Perfekte Kombination: Wein ... Quelle: Bernd Opitz
    Perfekte Kombination: Wein und Gambas
  • ... und ein Teller mit Gambas Quelle: Bernd Opitz
    Perfekte Kombination: Wein und Gambas
vollbildmodus

Seit 1511 in Familienbesitz

Wir drehen eine erste Runde um das stattliche Herren­haus, das von wilden Gräsern, Hibiskus, Wald und – natürlich – viel Wein umgeben ist. Das Grundstück ist grö­­­­ßer als erwartet: Rund 20 Hektar gehören zu dem Gut, das sich seit 1511 in Familienbesitz befindet. Joana und ihr Bruder Gabriel haben hier ein Refugium geschaffen, in dem mit Freunden und der Familie gelebt, gelacht und gegessen wird.

„Possessió Binicomprat“ heißt der Stammsitz dieses Fa­­milienclans offiziell – und er ist an Charme kaum zu übertreffen. Das historische Gebäude, das zu den ältesten der Insel gehört, wurde 1996 von Joana stilgerecht modernisiert und zu einem vorbildlichen Agrotouris­mushof ausgebaut. Mit Gästen wird vor dem Haus an der langen Tafel bis in die Nacht gefeiert. Im Alltag bevorzugt die Familie den Hof im Schatten hinter der Küche.
Der Landsitz „Binicomprat“ geht auf das Jahr 1229 zurück
Der Landsitz „Binicomprat“ geht auf das Jahr 1229 zurück Quelle: Bernd Opitz

Nachhaltigkeit als Standard

Während Joana das Haus, den Garten und die Küche bewirtschaftet, sind die experimentierfreudigen Winzer Carlos Cabeza Oliver und sein Onkel Gabriel für die Weinproduktion zuständig. Sie kommen gerade von den Feldern und nehmen ihr wohlverdientes „Almuerzo“ ein: Landbrot mit Tomaten, Öl und Salz, spanischer Schinken, dazu eisgekühlter Rotwein und hausgemachte Paella. Man lässt sich Zeit beim Essen und genießt anschließend die Siesta im Schatten, mit Sicht auf den Klosterberg Randa.

Zur kühleren Abendzeit schlendert Joana, mit Schüsseln bewaffnet, durch ihren Gemüse- und Kräutergarten. Hier erntet sie täglich, was frisch auf den Tisch kommt. Bioanbau und Nachhaltigkeit sind für sie längst Standard. Fenchel, Artischocken, Tomaten, Frühlingszwiebeln, Mangold, Minze – hier wächst friedlich neben Rosen und Blumen alles, was Gourmetherzen höherschlagen lässt.
Die Winzer Carlos und Gabriel
Die Winzer Carlos und Gabriel Quelle: Bernd Opitz

Weinreben sind wie Babys

Rocío, Carlos und Gabriel kultivieren jeden Montag ihre privaten Weinproben, direkt an den Rebstöcken. Der neue Jahrgang muss für die kommenden Veranstaltungen gekostet werden. Die „OM“-Weine, rote wie weiße, gehören zu den besten der Insel. Nicht um Quantität geht es dabei, sondern um Qualität – und um Nachhaltigkeit: „Ökologisch bedeutet für uns vor allem, präventiv zu arbeiten, den Krankheiten mit natürlichen Strategien vorzubeugen“, erklärt Carlos. „Weinreben sind wie Babys: Wenn du sie zu sehr behütest, entwickeln sie kein kräftiges Immunsystem – und keinen Charakter.“ Gabriel ergänzt: „Wir wollen bewusst klein bleiben. Wir wollen Weine erschaffen, die im Gedächtnis bleiben.“

Frühstück am Steinbrunnen, am nächsten Morgen. Zu frisch gepresstem Orangensaft, Café con leche und Croissants gehören traditionell „Ensaïmadas“ auf den Tisch. Joana hat die hauchdünne Hefeteigspezialität mit Apri­kosen belegt. Wir sprechen über die Innendekoration ih­­res wunderbaren Hauses, über ihr unverkennbares Faible für Villeroy & Boch-Keramik. „Die Marke ist in Spanien so ­beliebt wie Miele, Mercedes und Audi. Ich liebe es, Keramik, Porzellan und alte Küchenutensilien zu kaufen.“

Qualität statt Quantität

OM Weinflaschen

Was das Besondere an den „OM“-Weinen ist

Die „OM“-Weine des Weinguts Oliver Moragues werden in limitierter Produktion von maximal 40.000 Flaschen pro Jahr abgefüllt. Bei den Rotweinen liegt das Augenmerk auf Cuvées aus den Reben Mantonegro, Callet, Merlot, Syrah und Cabernet Sauvignon. Sie reifen für etwa zwölf Monate in Fässern aus französischer und ­amerikanischer Eiche. Der weiße zeichnet sich durch einen Mix aus der autochthonen Sorte Prensal-Blanc sowie Viognier, Chardonnay und Sauvignon Blanc aus.

Zum Profil des Hauses gehört es, die Qualität zu steigern und nicht die Quantität. Man pflegt die 500 Jahre alte Kultur und Tradition und setzt auf die Entwicklung von Bioweinen; 100 Prozent der „OM“-Weine sind beim organischen Bioverband CBPAE-UE zertifiziert. Carlos Cabeza Oliver, der gelernte Önologe, erklärt: „Bei uns ist Öko kein Marketinginstrument, sondern eine Philosophie.“ Um die relativ kleine Anbaufläche auszugleichen, kauft man die Trauben alter Reben von den Weingütern der restlichen Familienbande. Dazu gehört das von Joanas Schwester Onane bewirtschaftete Gut „Can Ribas“.

Unter Kennern hat sich das Label „OM“ längst einen Namen gemacht. Die Weine werden auf alle fünf Kontinente exportiert, 70 Prozent der Kunden kommen ausdem Ausland, vor allem aus Skandinavien, der Schweiz und aus Deutschland. „OM“ steht übrigens nicht nur für die Initialen, sondern auch für den spirituellen Ausdruck im Yoga, Joanas heimlicher Leidenschaft, die ihr dabei hilft, auch bei größtem Trubel gelassen zu bleiben.

Mehr Infos unter www.olivermoragues.com

Drei Generationen

Es riecht nach Sommer. Am Pool toben die Kinder. In bunten Gläsern stehen Säfte bereit, und eine Marshmallow-Torte war­tet darauf, vernascht zu werden. Später hören wir die Hausherrin zum Essen rufen. Fische liegen auf dem Grill, der Kamin qualmt verführerisch. Freunde aus Berlin, Madrid und Barcelona sind heute zu Gast. Joana präsentiert ihnen ihre aktuelle Beute aus der Inselhauptstadt: handgebatikte Leinenläufer und Servietten mit gerissenen Rändern. Gabriel und Carlos ha­ben die Weine zum Essen ausgesucht, neue „OM“-Jahrgänge und Familien-Reservas. „Seit ich klein bin, lebe ich umgeben von Wein“, erzählt Carlos. „Mein Onkel sagte immer: Wir ha­ben hier so wenig Wasser, darum trinken wir Wein!“

Wir fragen, was die Moragues hier besonders schätzen. Joana muss nicht lange überlegen: „Dass wir seit drei Generationen zusammenarbeiten! Dass wir gemeinsam etwas schaffen, das bleibt, das zur Geschichte dieses Ortes beiträgt. Es lebe die Familie, viva la familia!“
An heißen  Tagen spielen die Kinder der Großfamilie gern in den kühlen Innenhöfen
An heißen Tagen spielen die Kinder der Großfamilie gern in den kühlen Innenhöfen Quelle: Bernd Opitz
BELLEVUE Ausgabe 1/2016

Heftbestellung

Dieser Artikel stammt aus dem BELLEVUE-Heft 01/2016.

Die komplette Ausgabe können Sie hier online bestellen.
Haus

Finden Sie jetzt Premium-Immobilien in Islas Baleares

TEXT & BILDER
Text: Nicole Kleinfeld & Roman Ruska | Fotos: Bernd Opitz | Styling: Gerd Sommerlade

Fotos und Text entstanden im Auftrag des Keramikherstellers Villeroy & Boch. Gezeigt werden u. a. die Kollektionen Audun und Artesano Original sowie Artesano Provençal Verdure. Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Villeroy & Boch.