Mallorca: Die Immobilienkrise ist vorbei

Nach fünf schwierigen Jahren hat Mallorcas Immobilienmarkt „la crisis" überwunden. Die Nachfrage steigt, das Überangebot ist abgebaut, es geht wieder aufwärts
Vor einem Jahr sprachen Mallorcas Makler noch vom „Licht am Ende des Tunnels der ­Immobilienkrise“, welches sie erkennen wollten oder konnten. Jetzt, im Herbst 2013, herrscht in der Branche wieder eitel Sonnenschein. Unisono und voller Überzeugung verkünden die Immobilienprofis der Insel das Ende der dunklen Jahre und belegen mit Verkaufszahlen, dass das Geschäft wieder floriert. „Selbst der Sommer – sonst bei Immobilien Mallorcas absolute Nebensaison – war sensationell. Wir haben verkauft wie die Weltmeister“, berichtet Lutz Minkner, der seit über 20 Jahren und mittlerweile mit fünf Niederlassungen inselweit Villen und Wohnungen vermittelt.

Auch Immobilienfachwirtin Anke Köhler, die sich mit ihrer Firma CCC vor einigen Jahren auf den Nordosten der Insel spezialisiert hat, ist überzeugt: „Die Krise ist vorbei. Die Nachfrage hat extrem zugenommen. Besonders gesucht sind derzeit in unserer Region um Cala Ratjada schöne Apartments mit Meerblick und zwei Schlafzimmern für 250.000 Euro.“
  • Moderne Architektur: In den küstennahen Orten der Insel werden Häuser in modernem Design immer beliebter Quelle: Getty Images
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  • Pool und Meerblick: Zu den Standards im gehobenen Marktsegment zählen ein großer Pool und weite Sicht Quelle: Sonne von Mallorca
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  • Im Inselinneren ist weiterhin der traditionelle Baustil mit Natursteinmauern und grünen Fensterläden gefragt Quelle: fincas.de
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Ende 2007, Anfang 2008 hatte der Immobilienboom der Insel seinen letzten Höhepunkt erreicht. Fünf Jahre sind nunmehr seit der Lehman-Pleite, dem inoffiziellen Start der Krise, vergangen. Das war im September 2008.

Seither sind die Immobilienpreise auf Mallorca – hier konnten sich die von BELLEVUE befragten Makler leider auf keine einheitliche Angabe einigen – um 15 bis 35 Prozent gefallen. Einigkeit herrschte aber in der Aussage: Gute Immobilien in begehrten Lagen erwiesen sich als relativ wertbeständig, die Preise in nicht so guten Lagen mussten deutlicher nachlassen.

Marita Carl, Chefin der Firma Sonne von Mallorca und Spezialistin für Immobilien zwischen Palma und Andratx, beschreibt die Situation: „Viele Objekte, die zwei Jahre und länger auf dem Markt waren, sind inzwischen zu adäquaten Preisen verkauft. Der Kunde erwartet allerdings eine hohe Qualität. Viele Häuser aus den 60er- oder 70er-Jahren mussten für einen Verkauf von Grund auf modernisiert werden. Bei besonders wertvollen Grundstücken sind oft sogar Abriss und Neubau die beste Lösung.“
Woher kommen die Kunden? Nils Fara von Fara Homes im noblen Port d’Andratx beschreibt seine Klientel: „Die größte Gruppe kommt aus Deutschland. Aber auch viele Briten haben ihre heimische Wirtschaftskrise offenbar überstanden und sind wieder aktiv. Ebenfalls stark vertreten sind Schweizer, Österreicher und Skandinavier. In letzter Zeit kommen auch immer mehr Südafrikaner. Inzwischen gibt es hier sogar eine kleine Kolonie. Die sind von Mallorca total begeistert und bezeichnen die Insel sogar als ,das zweitschönste Land der Welt‘.“

Auch Hans Lenz, Geschäftsführer der vier Engel & Völkers-Büros im Südwesten der Insel, kann von einem neuen kleinen Kundenkreis berichten: „Wir haben zunehmend Käufer aus Dubai. Sie verbringen hier gerne den Sommer – wegen der kühleren Klimas.“ Wie seine Mitbewerber ist auch Hans Lenz mit dem bisherigen Geschäftsjahr 2013 äußerst zufrieden: „Von Krise ist auf Mallorca keine Rede mehr. Wir hatten schon nach dem Sommer unseren geplanten Jahresumsatz erreicht.“

Bei aller berechtigten Euphorie – all diese positiven Äußerungen beziehen sich nur auf den Markt der Ferienimmo­bilien. Der einheimische Immobilienmarkt Mallorcas sieht noch längst nicht so rosig aus. Allerdings gibt es auch hier schon wieder Grund zur Zuversicht.

Touristisch war 2013 bislang ein Rekordjahr, immerhin wird der Insel heuer ein Wirtschaftswachstum zwischen 0,5 und einem Prozent prognostiziert. Es werden wieder mehr Immobilien gebaut und renoviert werden. Das wird die Bau­industrie – nach dem Tourismus der größte Arbeitgeber – beflügeln.

Auch bei dieser Krise ist diese glück­liche Insel also wieder mal mit einem blauen ­Auge davonkommen. Wahrscheinlich wird sie sogar noch gestärkt daraus hervorgehen. Mallorca ist mit Sicherheit einer der sichersten Immobilienstandorte Europas. Und wahrscheinlich in seiner Gesamtheit sogar der stabilste Markt für Ferienimmobilien. Die Kombination aus ganzjähriger Erreichbarkeit, Freizeitwert, Infrastruktur, Sicherheit und Klima ist einmalig.

Die Insel wird sich weiterhin und immer mehr zum Ganzjahreswohnsitz und -urlaubsziel entwickeln. Häuser und Villen auf Mallorca sind alles andere als billig. Aber sie sind ihren hohen Preis wohl wert. Allerdings immer nur unter einer Voraussetzung: Die Lage muss stimmen.

Vielleicht beginnt jetzt schon wieder ein neuer Boom. Überraschen würde das wohl niemanden. Mallorca ist eben Mallorca. Da weiß man, was man hat.