Lohnt sich ein Wertgutachten?

Ob ein Kaufpreis wirklich gerechtfertigt ist, lässt sich mithilfe von Experten feststellen
Wertgutachten
Ein Wertgutachten vom Experten kann bei der Kaufentscheidung helfen Quelle: Robert Kneschke/Fotolia
Was ist eine Immobilie wirklich wert? Das kann im Zweifelsfall nur ein Sachverständiger ermitteln. Die Kosten für ein Immobiliengutachten sind individuell vereinbar, eine allgemeinverbindliche Preisinformation kann es deswegen nicht geben.

Sie können aber von etwa 15 bis 20 Stunden Arbeit ausgehen. Im Einzelfall kann das natürlich deutlich abweichen. Zu berücksichtigen sind Besichtigungen vor Ort, das Aktenstudium, die Recherche von Infos und letztlich die Berechnung und Ausarbeitung des Gutachtens. Fragen Sie im Fall einer Beauftragung nach dem genauen Umfang der zu erbringenden Leistungen. Klären Sie, ob zusätzliche und notwendige Auslagen (wie die Kosten für Hilfskräfte, Fotokopien, Fotogra­fien und Anreise) im Preis enthalten sind.
Bei der individuellen Absprache über das zu erstellende Gutachten sollte genau festgelegt werden, was dieses beinhalten soll. Ein Vollgutachten ist naturgemäß teurer als eine reine Wertermittlung. Beispiele für eine freie Preisvereinbarung können die Abrechnung nach Stundensatz, ein Mindesthonorar oder auch eine Provisionsvereinbarung sein. Bei der Auswahl eines Gutachters sollte mehr als ein Angebot eingeholt werden. Diese müssen miteinander hinsichtlich des Leistungsumfangs unbedingt vergleichbar sein. Auch erfahrene Makler sowie am Markt tätige Banken und Sparkassen wissen, welche Preise sich in ihrem Gebiet erzielen lassen. Sie können daher eine erste Einschätzung des Immobilienwertes vornehmen.

Generell ist aber festzuhalten: Ein Gutachter ist nicht teuer! Deutlich kostspieliger kann es für Sie werden, sich keinen externen Sachverstand zu leisten und dann mit eventuellen Folgekosten leben zu müssen.

Immobilien-Sachverständige – Wer sich so nennen darf, was er können muss

Der Begriff es Immobilien-Sachverständigen ist in Deutschland nicht geschützt, eindeutige Regelungen fehlen. Deswegen gibt es sie mit unterschiedlicher Qualifikation.

Ö.b.u.v.-Sachverständige

Öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige (ö.b.u.v.) müssen durch eine öffentlich-rechtliche Institution bestellt und vereidigt werden (Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer oder die Architekten- oder Ingenieurkammer eines Landes). Bewerber müssen bei allen bestellenden Institutionen ein Verfahren durchlaufen, in dem die persönliche und fachliche Eignung geprüft wird. Hier ist ein überdurchschnittlicher Sachverstand auf dem jeweiligen Fachgebiet notwendig. ö.b.u.v.-Sachverständige werden in der Regel für fünf Jahre bestellt.

EU-zertifizierte Sachverständige

EU-zertifizierte Sachverständige weisen regelmäßig ihre persönliche Eignung, hohe fachliche Qualifikation und langjährige Berufserfahrung gegenüber einer akkreditierten Zertifizierungsstelle nach. Ihre Tätigkeit wird ständig durch diese Stelle überwacht. Um die hohe Qualität dauerhaft zu garantieren, ist der Gültigkeitszeitraum des Zertifikats auf fünf Jahre begrenzt. Danach muss der Sachverständige seinen Wissensstand erneut durch eine Prüfung unter Beweis stellen. Die Einhaltung der ­Europäischen Norm ist zum Teil weitreichender und kontrollintensiver als die öffentliche Bestellung und Vereidigung.

Chartered Surveyors

Die Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS) ist ein 1868 gegründeter britischer Berufsverband von Immobilienfachleuten und -sachverständigen. Heute ist er in 150 Ländern tätig. Von den rund 2.500 Mitgliedern des RICS Deutschland haben sich ca. 1.000 zum Chartered Surveyor qualifiziert. Kennzeichnend sind die sehr hohen fachlichen Anforderungen und der starke Praxisbezug.

Sachverständige der Verbände

Verbände benennen Sachverständige für die einzelnen Bereiche nach ihren eigenen Anforderungen. Ein allgemeingültiges System der Voraussetzungen zur Benennung von Wertgutachtern gibt es hier nicht.

Freie Sachverständige

Dazu zählen selbständig Tätige, die keine amtliche Anerkennung oder öffentliche Bestellung besitzen. Sie unterliegen auch keinem gesetzlich geregelten Pflichtenkatalog mit behördlicher Überwachung. Der freie Sachverständige sollte aber eine entsprechende Ausbildung haben. Langjährige berufspraktische Erfahrung und die Kenntnis des jeweils neuesten Stands der Wissenschaft sind notwendig.

Behörden als Sachverständige

In allen kreisfreien Städten und Landkreisen gibt es unabhängige Gutachterausschüsse. Notare und Gerichte sind verpflichtet, dem Gutachterausschuss alle Kauf- und Erbbaurechtsurkunden über Immobilien und Beschlüsse über Zwangsversteigerungen zu übermitteln. Alle Urkunden werden erfasst und gehen – soweit geeignet – in die Kaufpreissammlung mit ein.