Kroatiens Ferienimmobilien-Markt

Attraktive Orte, 6.278 Küstenkilometer und die beste Wasserqualität Europas – dennoch tut sich Kroatiens Ferienimmobilien-Markt derzeit schwer
Keine Frage – das Potential dieses Landes ist enorm, die Rahmenbedingungen sind ideal. Als Urlaubsziel und auch als Standort einer Ferienimmobilie. Mediterranes Klima, eine faszinierende Landschaft, historische Städte, 1.244 Inseln. Bei 6.278 Küsten­kilo­metern ist Meerblick Standard. Nur etwa 4,3 Mil­lio­nen Einwohner verteilen sich auf das knapp 57.000 Quadratkilometer (zum Ver­gleich: Deutschland ist sechs mal so groß) große Land an der Adria. Entlang der Küste und auf den Inseln finden sich etliche zauberhafte Fischerdörfer und pitto­reske kleine Städte. Lägen sie an der Côte d’Azur oder auf Mallorca, hätten sie problemlos einen vergleichbaren Status wie Saint-Tropez oder Port d’Andratx. Boots­fahrer haben das längst verinnerlicht. Für sie ist Kroatiens Küste eines der schönsten Reviere der Welt. Von München aus sind es nur fünf Autostunden bis nach Istrien, nach Zadar braucht man dank der neuen Autobahn auch nur sieben ­Stunden. Eigentlich müsste in Kroatien das ­Geschäft mit den Ferienimmobilien ­brummen...
  • Dubrovnik: Blick auf die Altstadt. Im Jugoslavienkrieg gingen bis zu 600 Granaten am Tag auf die Stadt nieder Quelle: iStockphoto/Medini
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  • Rovinj: 500 Jahre lang gehörte die Stadt zu Venedig. Der italienische Charme hat sich gehalten Quelle: iStockphoto
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  • Brac: Die drittgrößte Insel der Adria liegt vor Split und zählt zu den Top-Immobilienlagen Kroatiens Quelle: Kroatische Zentrale für Tourismus
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  • National Park Plivicer Seen wurde 1979 als eines der ersten Naturdenkmäler in das UNESCO-Weltnaturerbe eingetragen Quelle: Kroatische Zentrale für Tourismus
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So viel zur Theorie. Die Praxis gestaltet sich, wie so oft, etwas komplizierter. Das hat verschiedene Gründe. Zuallererst darf nicht vergessen werden, dass Kroatien immer noch ein sehr junges Land ist. Der Krieg im einstigen Jugoslawien ist noch keine 20 Jahre her. An Rekordtagen wurde Dubrovnik damals von 600 Granaten beschossen. Das Land musste 1995 bei null angefangen. Auch für Immobilien existierte kein funktionierendes Katasteramt. Bei vielen waren die Besitzverhältnisse ungeklärt, weil die Erben in alle Welt ­verstreut waren oder weil sie in sozialistischen Zeiten verstaatlicht wurden. Die Bearbeitungszeit von Kaufanträgen dauerte in der Regel mehrere Jahre. Das hat sich mittlerweile grundlegend verändert. Kroatien verfügt heute über ein vorbildliches, überaus modernes digitales Liegenschaftskataster, das für jedermann online zugänglich und auch verbindlich ist. EU-Bürger sind heute beim Immobilienerwerb den Kroaten rechtlich gleichgestellt.

Zweiter Grund, warum der Immobilienmarkt derzeit schwächelt, sind die Preise. Es ist ein bisschen so wie an der Börse. Die Einstiegskurse sind sehr hoch, und man wird das Gefühl nicht los, als sei das Entwicklungspotential der nächsten 20 Jahre schon mit eingerechnet. Dafür hat das Land aber noch zu wenig an ganzjähriger Attraktivität und touristischer Infrastruktur zu bieten.

Tourismus: Noch gilt Kroatien als ein reines Sommer-Urlaubsland

Noch ist Kroatien ein reines Sommerland. Der größ­te Teil der zehn Millionen Touristen kommt im Juli und August. Dann schieben sich die Menschenmassen durch die wieder tadellos hergestellten Altstädte von Zadar, Split oder Dubrovnik. Ohne rechtzeitige Reservierung hat man kaum eine Chance auf einen Tisch im Res­taurant, Hotels und Ferienhäuser sind ausgebucht. Aber das war es dann auch. Im Rest des Jahres ist wenig los. Mit Ausnahme vielleicht von Dubrovnik, wo auch im Frühjahr und Herbst teilweise sechs Kreuz­fahrtschiffe im Hafen liegen und ihre 12.000 Passagiere gleichzeitig mit Bussen durch enge Straßen in die Altstadt ­transportieren.
Kroatien Landkarte

Land & Leute

Von Kopf bis Fuß auf Gäste eingestellt

Wichtiger Wirtschaftszweig der 4,28 Millionen Kroaten  ist der Tourismus: 2012 kamen 10,4 Millionen Urlauber

Land Das Staatsgebiet der Republik Kroatien umfasst 56.594
Quadratkilometer Landfläche, die sich auf 21 Bezirke verteilen. Die Küstenlinie des Festlandes beträgt 1.880 Kilometer, die der 1.244 Inseln 4.398 Kilometer. Kroatien ist seit dem 1. Juli 2013 Mitglied der Europäi­schen Union.

Einwohner Kroatien hat 4,28 Millionen Bewohner. Größte Städte: Zagreb (ca. 800.000 Einwohner),
Split (178.000), Rijeka (128.000)

Klima Die durchschnittlichen ­Temperaturen in den Küstenstädten liegen bei 6 Grad im Februar und 27 Grad im August

Wirtschaft Hauptwirtschaftsfaktor Kroatiens ist der ­Tourismus. 2012 besuchten knapp 10,4 Millionen Gäste das Land (darunter 1,9 Mio. Deutsche und 950.000 Österreicher), das Pro-Kopf-Einkommen in Kroatien beträgt derzeit 14.600 Euro (zum Vergleich Deutschland: 31.000 Euro)
Kroatien ist bemüht, seine Saison auszuweiten, aber eben das gelingt nicht von heute auf morgen. So bietet das ganze Land zum Beispiel nur fünf Golfplätze. Keiner davon hat 18 Löcher, und nur zwei liegen in den touristisch attraktiven Gegenden. Entlang der Küste gibt es fünf Flughäfen: Pula, Rijeka, Zadar, Split und Dubrovnik. Ferienflieger landen und starten über­wie­gend in den Sommermonaten. Laut Frem­denverkehrsamt werden derzeit intensive Gespräche mit ­Fluggesellschaften ­geführt, mit dem Ziel, das Angebot in den nächsten Jahren deutlich auszubauen. Die Immobilienpreise haben zwar in der weltweiten Krise seit 2008 nachgegeben, sind aber immer noch auf einem recht stolzen Niveau. Wer nicht verkaufen muss, wartet lieber auf bessere Zeiten.

Zu den begehrtesten Regionen bei Immobilieninteressenten zählen die Halbinsel Istrien, die Gegend um Zadar, die Inseln Brač und Hvar sowie Dubrovnik.

Potential: Kroatiens Mitgliedschaft ist ein echter Gewinn für die EU-Bürger

In Istrien ist besonders die Nähe zu den ­venezianischen Küstenstädten Poreč und Rovinj gefragt. Häuser in Küstennähe ­kosten zwischen 250.000 und einer Million Euro. Im Hinterland finden sich noch ­renovierungsbedürftige Dorfhäuser ab 120.000 Euro.

In Norddalmatien ist vor allem die Gegend um Zadar beliebt. Wohnungen mit Meerblick gibt es hier um 1.700 Euro je Quadratmeter, in gehobener Ausstattung ab 2.000 Euro je Quadratmeter, Grundstücke in erster Meereslinie werden ab 100.000 Euro gehandelt, für ein Ferienhaus muss man zwischen 400.000 und 500.000 Euro bezahlen. Auf den beiden großen Inseln Hvar und Brač werden für Top-Objekte bis zu drei Millionen verlangt. Ebenso in Dubrovnik, der teuersten Stadt des Landes. Die Qua­dratmeterpreise für Wohnungen in guten Lagen liegen hier bei knapp 3.000 Euro.

Kroatiens Mitgliedschaft darf für die Bürger der Europäischen Union als echter ­Gewinn betrachtet werden. Die bezaubernde Adria mit ihren hübschen Städten und der besten Wasserqualität Europas hat gute Chancen, eines Tages zu den begehrtesten Lagen unseres Kontinents zu ­zählen. Bis dahin ist es noch ein weiter, beschwerlicher Weg. Kroatien wird ihn gehen. Schritt für Schritt.