Kanada: Milde Wildnis

In Nova Scotia an der Ostküste Kanadas bekommt man ein Haus am Wasser für erstaunlich wenig Geld. Ein Traum - nicht nur für Pioniere.

Der Peggy´s Cove Leuchtturm bei Halifax (Quelle: Engel & Völkers)

Jörg Pilawa hat eine: eine Insel in Neuschottland! Hunt Island, dreieinhalb Hektar groß, mitten im Ponhook Lake, einem jener über 3.000 Seen, die Nova Scotia haben soll. 2009, als der TV-Star das zwei Stunden von Halifax entfernte Eiland erwarb, war es unbebaut. Heute steht ein schmuckes, zweistöckiges Haus auf ihm, das man mieten kann. Wenn der Hausherr nicht gerade Freunde zu Besuch hat, um beim Paddeln oder Hufeisenwerfen über das Moderatorendasein zu sinnieren. Oliver Welke jedenfalls soll schon des Öfteren auf Hunt Island gesehen worden sein.Nova Scotia also. Land der Wälder und Seen, Land der postkartenschönen Leuchttürme und der malerischen, mit Granitbuckeln geschmückten Küsten.

Schottische Einwanderer gaben der Provinz und Orten wie Inverness oder New Glasgow ihre Namen, und große Folklorefestivals erinnern bis heute an die ersten Siedler. Das „Celtic Colors“ im Herbst auf Cape Breton Island und die „Highland Games“ in Antigonish, bei denen Männer in Röcken Baumstämme werfen, sind die bekanntesten.Aber auch ein Louisbourg oder ein New France findet man auf der Karte – Mementi der französischen Kolonialisierung Ostkanadas. Oder ein West Dublin, ein New Berlin, ein Lunenburg. Letzteres, gegründet von Pionieren aus der Pfalz (nicht der Heide), ist bis heute eine der schönsten Städte Nova Scotias: Die Lunenburger Harbor Front mit ihren roten Speicherhäusern findet sich in jedem Bildband zu Nova Scotia. Ach ja, beim Wein­anbau im Annapolis Valley an der Nordküste sollen ebenfalls Deutsche mitgemischt haben. Auch wenn die Namen der dort gedeihenden Rebsorten – Baco Noir, Maré­­chal Foch, Léon Millot – eher frankophone Wurzeln bekunden… .

Wie auch immer: Mit seinem milden, vom Golfstrom begünstigten Klima, seinen fruchtbaren Böden und seiner herrlichen Natur hat Nova Scotia es Einwanderern immer leicht gemacht, in der Ge­schichte wie heute. Auch dank – und damit zu unserem Thema – bemerkenswert freundlicher In­ves­torengesetze: Kaum irgendwo auf der Welt (womit auch der Rest Kanadas gemeint ist) sind Grundstückskäufe für Europäer so unkompliziert wie in Nova Scotia. Beschränkungen zu Standorten oder Objekt­arten gibt es nicht, die Grunderwerbsteuer ist mit ein bis zwei Prozent gering, und der Kaufprozess ist unkompliziert und dank wasserdichter Grundbücher rechtssicher.

All das ist schon lange so. Doch richtig herumzusprechen scheint es sich erst jetzt. „Bei Deutschen“, so jedenfalls Rechtsanwalt und Grundstücksvermittler Ivo Winter aus Port Hawkesbury, „steht Nova Scotia derzeit so hoch im Kurs wie nie. Im letzten Jahr hatten wir so viele Anfragen, dass wir nicht mal eine Winterpause machen konnten.“ Steve Wolter von Wolter Land Estates bestätigt: „In den 40 Jahren, die unsere Firma existiert, hatten wir Hunderte von Verkäufen an Deut­sche, und es werden immer mehr. Mindestens 5.000 deutsche Neubürger dürfte es inzwischen geben. Man darf also da­von ausgehen, dass man es bis zu seinem nächsten deutsch­en Nachbarn nie weit hat.“

Mildes Klima, wald- und wasserreiche Landschaft, freundliche Menschen: In Nova Scotia geht das Leben einen ruhigen Gang

Nova Scotia ist mit 55.284 km2 Flä­che Kanadas zweitkleinste Provinz – dabei aber fast so groß wie Kroatien! Es besteht aus einer Halbinsel und der Insel Cape Breton im Nordosten. Die Provinz ist atlantisch geprägt: Kein Ort ist mehr als 56 km vom Meer entfernt. Das Klima ist dank des Golfstroms mild (auf Cape Breton aber oft mit schneereichen Wintern); im Annapolis Valley (nahe Windsor) kann sogar Wein angebaut werden.


Die Provinz ist enorm waldreich; ein touristischer Höhepunkt ist die Laubfärbung im prachtvollen „Indian Summer“. Mit 17,3 Einwohnern/km2 (Deutschland: 228) ist Nova Scotia dünn besiedelt. In der einzigen Großstadt, der Provinzhauptstadt Halifax, leben knapp 400.000 der insgesamt rund 920.000 Einwohner. Die Geschichte der europäischen Besiedlung Nova Scotias beginnt schon im Jahr 1498 mit der Entdeckung von Cape Breton durch den Seefahrer John Cabot. Danach siedelten Franzosen in der von ihnen „Akadien“ genannten neuen Welt. Ab 1620 folgten Engländer und vor allem Schotten. Manche von ihnen sprechen noch heute Gälisch – außerhalb Europas gibt es das sonst nirgendwo.

Was treibt diese Hausse an? Gewiss der Ruf nicht nur dieser Provinz, sondern ganz Kanadas als sicherer Hafen in einer unruhig gewordenen Welt. Bei Menschen, die vom Auswandern träumen, steht Kanada bekanntlich traditionell weit oben. Vorteil Nova Scotia: Es ist das Europa am nächsten gelegene Ziel in Kanada; der Flug von Frankfurt nach Halifax dauert sechs Stunden. Doch das derzeit wichtigste Argument, so Winter, seien wohl die Preise: „Wer hierherkommt, sucht Natur, also ein Grundstück oder ein Haus am Wasser. Und das ist, auch dank des aktuell niedrigen Wechselkurses des kanadischen Dollars, nirgends in Nordamerika so günstig zu haben wie hier.“

Konkret heißt das: Ein Hektar am Meer, mit 60 bis 120 Metern eigener „Waterfront“, ist schon ab 65.000 Dollar zu haben, das entspricht etwa 45.000 Euro. An einem See im Landesinneren, mit 80 Me­tern privatem Ufer, wird man schon ab 35.000 Euro fündig. Ein Hek­tar, wie gesagt! Reichlich Platz also, um darauf ein Haus zu bauen, was mit Baukosten von ca. 1.300 bis 1.700 Euro pro Quadratmeter zu Buche schlägt – die landestypische Holzbauweise ist nicht nur effizient und schön, sondern auch günstig. Wer dennoch lieber aus dem Bestand kauft, findet ein Haus am Meer für 200.000 bis 550.000 Euro, an einem See für 140.000 bis 280.000 Euro – und ohne Wasseranschluss im Landesinneren schon ab 120.000 Euro. Der Boots­steg für das Kanu wird dann aber kaum dabei sein – und der ist in Nova Scotia eigentlich Pflicht.

Logenplatz im Forest Lakes Resort (Quelle: Engel & Völkers)

Die genannten Preisspannen verdeutlichen auch: Bei jedem „Lot“, bei jedem Haus kommt es immer auf die Infrastruktur an, die den Preis letztlich definiert. Auf Strom-, Telefon- und Wasseranschluss also, auf Geschäfte, Restaurants und Freizeitangebote in der Nähe – und auf winterfeste Zu­wegung; vor allem auf Cape Breton Island schneit es im Winter oft kräftig. 

Zum Pioniermodell wäre damit das Wichtigste gesagt. Bleibt noch der Blick auf die Rundum-sorglos-Alternative, die Nova Scotia mittlerweile ebenfalls im Angebot hat. „Forest Lakes“ heißt sie: ein 2010 gestartetes Nobelresort, 30 Minuten von Halifax entfernt, mit Golfplatz, Reitanlage, Boutiquehotel, Spa, Konferenzzentrum – und mit an die 2.000 (!) geplanten Luxus­apartments, Townhouses und Signature-Villen im Block­hausstil, erwerbbar zu Preisen ab 1,1 Millionen Euro. Für Nova Scotia ein stolzes Niveau. Aber auch ein Indiz für seine wachsende Attraktivität.

Dr. Johannes Bohmann

ist Mitglied der BELLEVUE-Redaktion.