Interview: Weingüter kaufen

Immer mehr Quereinsteiger - darunter viele Prominente - kaufen Weingüter. Weinbau-Experte Valentin Brodbecker beantwortet alle Fragen rund um den Kauf
Auf einer Auktion in Trier wechselte kürzlich der teuerste „junge“ Wein der Welt den Besitzer – für 14.566 Euro. Günther Jauch erstand 2010 das „Weingut von Othegraven“ in Kanzem an der Saar, und Til Schweiger beteiligte sich  an dem Weingut „Son Prim“ auf Mallorca. Egal ob nun VIP, Amateur oder Profi – immer mehr Weinliebhaber träumen von einem eigenen Gut, in Deutschland oder im Ausland. Welche Standorte eignen sich für welchen Zweck, welche rechtlichen Vorschriften gilt es zu beachten? Und worauf kommt es beim Kauf eines Weinguts an? Der Experte Valentin Brodbecker von ­Wine-Land aus Mainz gibt Antworten.
Winzer Günther Jauch
Günther Jauch auf seinem Weingut von Othegraven in Kanzem an der Saar Quelle: dpa picture.alliance
Herr Brodbecker, der teuerste „junge“ Wein ist ein Riesling vom Scharzhofberg an der ­Mosel. Ist diese Region für den Weinanbau bekannt?
Die Moselgegend ist vor allem international sehr bekannt. Weingüter werden hier aufgrund der Steillagen aber weniger von Deutschen nach­gefragt als erstaunlicherweise von Ausländern. Wir bekommen Anfragen von Engländern, Skandinaviern und Interessenten aus den Benelux-Ländern. Die Deutschen fragen am meisten nach Weingütern in der Pfalz und im Rheingau. Im Kommen ist die Region Rhein­hessen. Baden und Württemberg sind eher regio­nale Märkte, in denen Leute, die auch dort verwurzelt sind, nach Weingütern schauen.
Sind nicht gerade die Steilhänge an der Mosel perfekt für den Weinanbau?
Ja, aber sie machen auch sehr viel Arbeit. Bei den Weinanbauflächen in der Pfalz oder in Rheinhessen rechnet man zwischen 200 und 300 Arbeitsstunden pro Jahr pro Hektar. An der Mosel hat man durch die extreme Steillage das Vier- oder Fünffache an Arbeitsstunden.

Wird der deutsche Markt für potentielle Käufer denn interessanter?
Die Reichen und VIPs dieser Welt haben bei Wein immer zuerst noch Frankreich und Italien auf dem Schirm. Gerade die Chinesen haben in den letzten zehn Jahren hauptsächlich in Bordeaux investiert. Aber das nimmt ab, weil Bordeaux einfach zu teuer geworden ist. Deutscher Wein, insbesondere der Riesling, wird international immer beliebter.
Wo liegt der Standortvorteil für Deutschland im Vergleich zum Ausland?
In Deutschland kauft man viel günstiger ein. Man zahlt hier beispielsweise für Rebland zwischen 50.000 und 250.000 Euro pro Hektar, wäh­­rend in der Region Bordeaux die Hektarpreise bei einer bis drei Millionen Euro liegen. In Deutschland reden wir also von einem ­Quadratmeterpreis zwischen 5 und 25 Euro. Der zweite Vorteil Deutschlands als Standort ist die rechtliche Freiheit. Ausländer können hier ohne Probleme ein Weingut ­kaufen, die recht­liche Situation ist bei uns klar ­geregelt. Außerdem sind die Deutschen sehr maschinenaffin. Das heißt, dass auch ­kleine Betriebe hochmoderne und gut erhal­tene ­Maschinen ­besitzen. Und auch die Immobilien sind in Deutschland aufgrund der strengen Bauauf­lagen und Verordnungen oft besser erhalten und hochwertiger als im ­Ausland. 
Weinanbaugebiete Deutschland

Anbaugebiete in Deutschland

Das Weinanbaugebiet Rheinhessen ist mit 26.582 Hektar Rebland das größte in Deutschland. Rund 2.900 Winzer produzieren hier pro Jahr mehr als 2,5 Millionen Hektoliter Wein.
Das östlichste Anbaugebiet ist Sachsen. In dieser geografischen Lage beginnt der Frühling später, dafür kann aber im Herbst noch länger geerntet werden.
Im Anbaugebiet Mosel (mit den Nebentälern Saar und Ruwer) befindet sich mit dem Bremmer Calmont bei Cochem der steilste Weinberg Deutschlands. Mit rund 8.776 Hektar ist das Gebiet auch das bekannteste für den Riesling-Anbau.
Auch im Rheingau am Rheinknie bei Wiesbaden wird hauptsächlich Riesling angebaut. Immer größer wird in diesem Gebiet aber auch die Anbaufläche für (rote) Spätburgunder-Trauben.
Eine Besonderheit zeichnet auch das kleine Weinanbaugebiet am Rhein-Nebenfluss Ahr aus: Es ist die Region mit der höchsten Rotweindichte Deutschlands.
Apropos technische Vorrichtungen. Was sollte denn auf einem Weingut vorhanden sein? Worauf sollte der Käufer achten?
Eine moderne Presse, Edelstahltanks mit Kühlung, Filteranlage, Holzfässer sowie Fahrzeuge und Gerätschaften für den Außenbereich sollten vorhanden sein. Es kommt dann auch auf die Menge der produzierten Weine an, ob Sie beispielsweise noch eine Flaschenabfüllanlage brauchen. Technische Vorrichtungen sind ebenso wichtig wie die Wein­­berge selbst. Erst an dritter Stelle kommt es dann auf die Immobilie an.

Warum gilt denn der Kauf eines Weinguts als ein sicheres Investment?
Ein Weingut gilt als substanzielles Investment. Gerade in Zeiten, in denen das Zinsniveau niedrig ist. Die Immobilie und die Maschinen werden kaum an Wert verlieren, und Rebberge verzeichneten in den letzten Jahren eine Wertsteigerung zwischen 5 und 10 Prozent (p. a.), einfach weil die Flächen für den Anbau begrenzt sind. Außerdem steigt die Nachfrage nach Wein. Zwei bis drei Jahre kann es in manchen Fällen allerdings dauern, bis Ertrag eingefahren wer­­den kann.
Was hat sich in den letzten Jahren auf dem Markt noch getan? Was haben Sie ­beobachtet?
Auf der einen Seite gibt es immer mehr Quereinsteiger, die von einem Weingut träumen. Auf der anderen Seite werden immer mehr Güter angeboten, weil Winzer oft keine Nachfolger haben oder das Weingut aus gesundheitlichen Gründen aufgeben müssen. An diesem Punkt knüpfen wir an und bringen interessierte Käufer oder Investoren mit den Verkäufern zusammen und begleiten sie beim Prozess.

Wie sieht es denn aus Verkäufersicht aus? Was wünschen die sich für ihr Weingut?
Das ist durchaus ein wunder Punkt, denn die Winzer hängen oft mit Herzblut an ihrem Gut. Manche Betriebe wurden über fünf oder sechs Generationen geführt. Die Verkäufer wünschen sich dann, dass der Investor das Weingut in ihrem Sinne weiterführt. Deswegen prüfen wir die potentiellen Investoren, wollen sie erst einmal kennenlernen, um zu schauen, ob er zu dem Betrieb passt und ob seine Pläne mit dem Weingut überhaupt vereinbar sind. Wir haben bisher nie mehr als drei Besichtigungen auf den Weingütern organisiert, einfach weil wir vorher schon selektiert hatten.
Aus Ihrer bisherigen Erfahrung: Worin bestehen Schwierigkeiten für angehende Winzer?
Die größte Schwierigkeit liegt darin, das Weingut profitabel zu machen. Ganz platt: Der Wein, den man anbaut (egal ob als Amateur oder Profi), muss auch getrunken werden. Das heißt, dass richtiges Marketing genauso wichtig ist wie der Wein an sich. Die Konkurrenz ist schon groß, vor allem weil das Internet als Absatzmarkt hinzugekommen ist. Das bedeutet, dass die Kunden, die früher ihre Weine bei ihrem Stammwinzer gekauft haben, heute vermehrt auch über das Internet kaufen und schneller auch mal was anderes ausprobieren.

Letzte Frage: Was ist denn Ihr persön­licher Lieblingswein?
Im Weißweinbereich ist es der Riesling – und bei den Rotweinen der Spätburgunder. 
Experte Valentin Brodbecker

Unser Experte

Valentin Brodbecker ist Mitbegründer der Agentur Wine-Land, die interessierte Men­­schen beim Kauf oder Verkauf eines Weinguts begleitet und berät (www.wine-land.de). Der Diplom-Volkswirt ist Autor des Buches „Wein als Investment – Die genussvolle Rendite“
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