Immobilien-Marktreport Mallorca 2017: Der neue Boom

Beim Tourismus und im Immobiliengeschäft – für die zwei wichtigsten Wirtschaftssektoren der Insel werden 2017 neue Rekordzahlen erwartet

Villa in Strandnähe mit Meerblick – diese Häuser an der Ostküste der Insel kommen der Idealvorstellung einer Mallorca-Immobilie schon sehr nahe (Foto: Jörg Greuel/Getty Images)

"Wir suchen Baugrund­stücke für Villen oder Apartments oder ein marodes Stadtpalais in Palma oder ein altes Hotel, das man umbauen kann. So für fünf Millionen. Können aber auch sieben oder zehn sein. Was haben Sie da im Angebot?“ Vor zwei Jahren noch hätten sich Mallorcas Makler bei einer solchen Anfrage vor Begeisterung überschlagen. Heute gehört sie zum Alltag. Investoren und Fonds haben Mallorca als lukrativen Markt entdeckt.

Auch private Anleger sind im großen Stil aktiv. Nicht selten ist es eine Gruppe von Freunden oder Geschäftspartnern, bei denen jeder ein oder zwei Millionen in den Topf wirft. Sie kommen nicht nur aus England oder Deutschland oder Skandinavien, es hat sich schon bis in die USA und sogar bis nach China herumgesprochen, dass auf der Baleareninsel mit Immobilien viel zu verdienen ist. Geld scheint im Überfluss vorhanden. Aber mittlerweile mangelt es an adäquaten Objekten. Und kommt ein passendes Gebäude auf den Markt, dann zum astronomischen Einstiegspreis oder mit so komplizierten Auflagen oder Vo­raussetzungen behaftet, dass sich das Ganze nur noch mit spitzem Bleistift rechnet. 

An der Hafeneinfahrt zu Port Adriano im Südwesten Mallorcas entsteht das neue Prestigeobjekt der Insel: Cap Adriano. Die Preise für Villen beginnen bei neun, für Apartments bei knapp drei Millionen Euro (Foto: www.theory4.com)

Mallorca brummt wieder, zählt zu den Hotspots Europas. Sowohl beim Tourismus als auch im Immobilienbusiness. Schöne Inseln gibt es viele auf der Welt, aber keine andere bietet eine vergleichbare Konstellation günstiger Komponenten. Mediterranes Klima, ganzjährig mit günstigen Direktflügen von überall aus zu erreichen, eindreiviertel Stunden von Zürich, zweieinhalb von Hamburg, dreieinhalb von Stockholm, politisch stabil, persönlich sicher, kaum Kriminalität, perfekte Infra­struktur, 550 Kilometer Küste mit Hunderten Stränden und Buchten, perfekt zum Baden, Schippern, Segeln und Tauchen, die Bergwelt der Tramuntana, tolle Restaurants und mittlerweile sogar richtig gute Inselweine.

Und natürlich Palma, das in den letzten zwei Jahrzehnten aus seinem Dornröschenschlaf erwachte und inzwischen zu Recht zu den attraktivsten Städten Europas gezählt wird. Keine überfüllte Metropole, sondern eine wunderschöne, handliche, friedliche und facettenreiche Stadt. Hier lohnt sich nicht nur ein Städtetrip fürs Wochenende, hier lebt es sich auch als Resident ganz formidabel. Die ärztliche Versorgung ist top, ebenso die internationalen Schulen.

Das Gesamtpaket des Mikrokosmos Mallorca ist der magische Magnet der Insel. Während die ganze Welt drum herum immer verrückter wird, ist auf der Insel im Mittelmeer noch alles sicher, überschaubar und in bester Ordnung. Das lockt die sonst so scheuen oberen Zehntausend an. Nie zuvor nahmen so viele Megayachten Kurs auf Mallorca wie im letzten Jahr. Was Mallorca für den Sprung an die Weltspitze noch fehlt, ist ein bisschen internationaler Glamour. Wie auf der Nachbarinsel Ibiza, wo sich im letzten Sommer zum Beispiel Leonardo Di­Caprio und Paris Hilton tummelten. Mallorcas Vorzeigepromis heißen immer noch Dieter Bohlen und Helene Fischer.

Blick auf Meer oder Berge

Meerblick ist das wichtigste Kriterium für Villen und Wohnungen an der Küste, im Landesinneren sind Fincas gefragt

Grafik: BELLEVUE

Die Kehrseite der Medaille: Die Insel ist zu einer Luxusdestination geworden. Ein bisschen vergleichbar mit der Situation auf Sylt. Auch auf Mallorca wird es für die Einheimischen und die vielen Zugereisten, die auf den zahlreichen Baustellen oder im Servicebereich arbeiten, immer schwieriger, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Die Gehälter stehen im krassen Missverhältnis zu den Mieten. Wer 1.200 Euro netto verdient, kann sich kaum eine Mietwohnung für 800 oder 1.000 Euro pro Monat leisten. Fürs Essengehen zahlt man mittlerweile mindestens das Gleiche wie in Deutschland. Auch die Läden, in denen der Café con Leche noch 1,20 Euro kostet, sind rar geworden.

Selbst die Playa de Palma wird immer nobler. Auf der diesjährigen ITB in Berlin wurden die neuen Pläne vorgestellt. Die Hotels stocken auf, bauen um auf Vier- oder Fünf-Sterne-Standard. Saufgelage am Strand sind nicht mehr erwünscht, die Balnearios entlang der Playa werden nach und nach zu verschiedenen Motto-Gastronomien. Das als „Ballermann 6“ berühmt-berüchtigte Balneario 6 präsentiert sich in dieser Saison frisch renoviert als „Beach Club Six“, mit hölzerner Terrasse und Chill-out-Lounge.

Champagner-Chaussee statt Bierstraße. Immer schicker, immer teurer – Mallorca hat sich für diesen Weg entschieden, setzt ganzjährig auf gut situierte Individualtouristen und Zielgruppen wie Skipper, Naturliebhaber, Wanderer, Radfahrer und Golfer. Ob die Insel auch künftig noch für Kegelclubs, Fußballvereine und Junggesellenabschiede erschwinglich sein wird, ist fraglich. 

Von wegen Ballermann: Über ein Dutzend Strandclubs gibt es mittlerweile auf Mallorca. So wie hier Niki Beach in Magaluf (Foto: Niki Beach)

Welche aktuellen Trends gibt es sonst zu vermelden? Wo geht die Reise hin? Mallorcas Publikum ist deutlich internationaler geworden. Das tut der Insel gut. Briten und Deutsche bilden zwar immer noch die größte Gruppe, aber andere Nationen ziehen nach. Allen voran die Schweden.

Los ging es vor ein paar Jahren in Palmas Stadtteil Santa Catalina, westlich der Altstadt. Die Nordlichter lieben Wohnungen mit sonnigen Dachterrassen, den urbanen Charme des Viertels, die Markthalle und die vielen kleinen Restaurants und Cafés. Schöne Objekte sind rar geworden, und so werden die angrenzenden Stadtteile – in blumiger Maklersprache gern „near by Santa Catalina“ genannt – zunehmend interessant.

Zum Beispiel die „Zona Tenis“ rund um den schicken Tennisclub, den die Besitzer des Hotels Portixol (ebenfalls Schweden) im Sommer 2015 eröffneten, oder die meist eingeschossigen, einfachen Stadthäuser im Viertel Son Espanyolet.

Auch das Altstadtviertel Sa Gerreria ist begehrt. Noch kann man beim Flanieren durch die pittoresken engen Gassen Ruinen sehen, in denen verwilderte Katzenhorden von alten Damen gefüttert werden. In fünf bis zehn Jahren werden alle maroden Häuser verschwunden sein. So wie jetzt schon im benachbarten Szeneviertel La Calatrava. Ebenso im Visier der Investoren: die Viertel El Terreno, Genova und Bonanova.


Noch ist schwer vorstellbar, wie die westlich an Palma angrenzenden Küstenorte Cala Major und San Agusti mit ihrem wuseligen und abgerockten 70er-Jahre-Vintage-Charme in ein paar Jahren aussehen werden, aber auch hier wird schon fleißig umgebaut. Nach wie vor absolut en vogue sind Fischerhäuser an der Uferpromenade von Portixol und El Molinar bis hin zur Ciutat Jardí. Objekte in erster Reihe werden hier für Millionensummen gehandelt. Zunehmend beliebter, nicht nur bei Residenten, werden auch die Wohnlagen hinter Arenal an der Ostseite der Bucht von Palma.

Die Hügel über der Bucht von Port d’Andratx: Hier werden Baugrundstücke für bis zu 2.000 Euro je Quadratmeter gehandelt (Foto: Getty Images/Westend61)

Je teurer und enger der Südwesten wird, desto mehr zieht der Trend auf die andere Seite von Palma Richtung Ostküste. Die Gegend um Santanyí war schon immer beliebt, rückt aber jetzt durch den Ausbau der Autobahn Ma-19 fahrzeitlich noch dichter an Palma heran.

Der durchschnittliche Verkaufspreis einer Immobilie im Südwesten hat im letzten Jahr laut der Jahresberichte der führenden Makler erstmals die Millionengrenze geknackt. Im obersten Marktsegment werden mittlerweile Quadratmeterpreise von 17.000 Euro und mehr aufgerufen. Nicht nur Bauträger und Makler in Palma, Bendinat, Santa Ponca und Port d’Andratx freuen sich über gute Geschäfte, auch in den anderen Regionen der Insel ist der neue Boom spürbar.

Eine Stärke Mallorcas ist die Vielfalt. Wem bei den aufgerufenen Millionensummen im Südwesten schwindlig wird oder wer sich inmitten der Schickeria von Port Portals oder Port d’Andratx nicht wohlfühlt, findet in einer anderen und nicht minder schönen Gegend der Insel die Umgebung, die zu ihm passt. Hier gibt es auch noch Häuser für 500.000 und Wohnungen mit Meerblick für 250.000 Euro.

In der im März veröffentlichten Studie des Immobilienunternehmens Porta Mallorquina, durchgeführt vom Center for Real Estate Studies, wird die Entwicklung mit Zahlen belegt. Im Vergleich zum Vorjahr haben die Preise für Ferienimmobilien stark angezogen. In Palma und Umgebung stiegen sie um neun bis zwölf Prozent, im ohnehin schon exklusiven Südwesten noch einmal um 13 Prozent und im Nordosten sogar um 15 Prozent. Lediglich im ländlichen Inselinneren konnte noch kein Preisanstieg festgestellt werden. Aber das ist wohl nur eine Frage der Zeit …

Claus-Peter Haller

ist Chefredakteur bei BELLEVUE.


DAS SAGEN DIE PROFIS
Statements namhafter und erfahrener Makler und Projektentwickler aus Mallorca

Heidi-Stadler.jpg

„Fonds und auch private Investorengruppen aus aller Welt haben Mallorca als ­lukra­tiven Markt entdeckt.“ Heidi Stadler, First Mallorca

Immobilien-Marktreport Mallorca 2017: Der neue Boom

Christine-Leja.jpg

„Nach Santa Catalina interessieren sich jetzt alle, besonders Schweden, für Palmas Stadtteil Son Espanyolet.“ Christine Leja, Bconnected Real Estate

Immobilien-Marktreport Mallorca 2017: Der neue Boom

Thomas-Midzielski.jpg

„Gefragt sind klare Linien mit modernen Baumaterialien und einer dezenten Eleganz, die nicht protzig wirkt.“ Thomas Midzielski, Signature Group

Immobilien-Marktreport Mallorca 2017: Der neue Boom

Matthias-Kuehn.jpg

„Die Insel ist in den letzten Jahren deutlich internationaler geworden. Was noch fehlt, ist ein bisschen mehr Glamour.“ Matthias Kühn, Kühn & Partner

Immobilien-Marktreport Mallorca 2017: Der neue Boom

Nina-Juschkat.jpg

„Ankommen, aufschließen, genießen – Anlagen mit Sicherheit, Komfort und Service sind gefragt.“ Nina Juschkat, New Folies

Immobilien-Marktreport Mallorca 2017: Der neue Boom

Sissi-Mogyorosi.jpg

„Die Insel boomt – im Tourismus ebenso wie bei den Immobilien. Für beides erwarten wir für 2017 neue Rekorde.“ Sissy Mogyorosi, Zinnia Apartments

Immobilien-Marktreport Mallorca 2017: Der neue Boom

Marc-Pritchard.jpg

„Bestes Indiz für einen boomenden Markt: die langen Bearbeitungszeiten bei Baugenehmigungen und Bauabnahmen.“ Marc Pritchard, Taylor Wimpey España

Immobilien-Marktreport Mallorca 2017: Der neue Boom

Hans-Lenz.jpg

„2016 stieg unser durchschnittlicher Verkaufspreis für eine Immobilie im Südwesten von 989.000 auf 1,1 Millionen Euro.“ Hans Lenz, Engel + Völkers Southwest

Immobilien-Marktreport Mallorca 2017: Der neue Boom

Zafer-Usal.jpg

„Die Schweden geben den Takt vor. Sie wissen exakt,was sie wollen, kaufen mutiger und schneller.“ Zafer Usal, Nova Immobilien

Immobilien-Marktreport Mallorca 2017: Der neue Boom

Christian-Osterkamop.jpg

„Zu viel des Guten kann wunderbar sein. Mallorcas Lifestyle ist begehrter denn je.“ Christian Osterkamp, Mallorca Top 10

Immobilien-Marktreport Mallorca 2017: Der neue Boom

Amador-Calafat.jpg

„Die Baupreise sind im letzten Jahr um 13 Prozent gestiegen. Die Auftragsbücher der Handwerker sind wieder voll.“ Amador Calafat, CMP Architekturbüro

Immobilien-Marktreport Mallorca 2017: Der neue Boom

Bernward-Neutzler.jpg

„Die Käufer sind jünger geworden, der Architektur-Geschmack deutlich moderner, geradliniger und heller.“ Bernward Neutzler, TM Grupo Inmobiliario

Immobilien-Marktreport Mallorca 2017: Der neue Boom