Immobilien auf Teneriffa: Kokette Kanarin

Stabile Preise, steigende Nachfrage und immer mehr Luxus – Teneriffa ist wieder im Aufwind. Und zeigt wie schon immer zwei ganz unterschiedliche Gesichter

Luxus im Süden: das Ritz Carlton mit Blick auf La Gomera (Foto: Arun Group)

Teneriffa macht sich immer feiner. Und plötzlich wollen alle dabei sein: Stararchitekten, Sterneköche, Filmstars und die großen internationalen Hotelmarken von Hard Rock bis Ritz-Carlton. Rund um Costa Adeje im Süden der Insel ist in den letzten Jahren eine der exklusivsten Hotelstrukturen Europas entstanden. Und im Sog dieser Entwicklung entstehen immer mehr ambitionierte Wohnprojekte.

Wer den Wandel verstehen will, der lasse – vom Flughafen kommend – die Bettenburgen von Los Cristianos und Playa de las Américas links liegen und fahre durch bis Guía de Isora. Auf den ersten Blick lädt hier nichts zum Verweilen ein. Die Landschaft ist karg, schroff und trocken. Gestrüpp überwuchert Brachland; zwischen grauen Mauern und tristen Plastikplanen sind ­Bananenfelder eingepfercht. Doch dann glaubt man fast an eine Fata Morgana, wenn sich unerwartet der Blick öffnet: auf eine von Palmen gekrönte Oase mit Wasserläufen, Golfwiesen und einem Gebäude in satten Terrakottafarben.

Es ist das Abama – derzeit wohl das beste Resort Teneriffas. Melvin Villarroel, der berühmte Architekt aus Marbella, hat das mit seinen Balkonen und Türmen an eine maghrebinische Stadt erinnernde Hotelgebäude in die Landschaft gezaubert. Die Nobelhoteliers von Ritz-Carlton führen den Betrieb, drei Michelin-Sterne haben sich die Restaurants bereits erkocht. Und seit rund fünf Jahren werden auf dem 160 Hektar großen Areal auch Wohnungen und Villen gebaut. Apartments gibt es ab 550.000 Euro zu kaufen, Villen kosten bis zu 1,95 Millionen Euro, Grundstücke von mindestens 800 Quadratmetern für den Villenbau in Eigenregie beginnen bei 580.000 Euro. Ihre Bewohner genießen nicht nur das Golfspiel und den Fünf-Sterne-Service des Hotels, sondern auch den Blick über die Fairways bis hin­über zur Nachbarinsel La Gomera.

Der idyllische Strand des Abama-Resort (Foto: Anrun Group)

Ein weiterer Hotspot für den neuen Luxus in Teneriffas Süden ist das Gebiet des Barranco del Inglés am Platz „Golf Costa Adeje“. Zu den besonderen Angeboten gehören hier die Häuser des kanarischen Star­architekten Teótimo Rodríguez. Seine modernen, im minimalistischen Stil gehaltenen Villen stehen auf Grundstücken von 2.500 Quadratmetern – und kosten bis zu drei Millionen Euro. Ansonsten werden Villen hier ab 1,5 Millionen Euro angeboten. Gute Apartments liegen im Ort Costa Adeje zwischen 300.000 und einer Million Euro (bis 5.000 Euro/m2). „Grundsätzlich steigt die Nachfrage, besonders auch im Hochpreissegment“, stellt Caroline Müller von Engel & Völkers fest. Der positive Trend hänge natürlich auch damit zusammen, dass Teneriffa neben einem perfekten Klima in Zeiten von Niedrigzinsen und Konflikten auch viel Sicherheit verspreche.

Das Epizentrum des touristischen Luxus im Süden ist übrigens die Bahía del Duque von Costa Adeje. Hier gibt es ­noble Restaurants, Boutiquen und Spas sowie eine ungewöhnlich hohe Konzentration von Fünf-Sterne-Hotels. Östlich geht Adejes Siedlungsstruktur nahtlos in die Betten­burgen des Beach- und Partyurlaubs von Playa de las Américas und Los Cristianos über. Gen Westen bieten sich in kleineren Siedlungen wie La Caleta, Playa Paraíso, Callao Salvaje oder Puerto de Santiago noch gute Entwicklungsmöglichkeiten.

Wer nach günstigen Kaufmöglichkeiten sucht, findet sie im Süden auch beim Surferparadies El Médano mit kleinen Apartments ab 150.000 Euro; im Neubauprojekt Ocean Garden (151 Apartments in Playa Paraíso) geht es bei 160.000 Euro los. Interessant ist auch die Siedlung Palm-Mar, die schön zwischen dem Naturschutzgebiet Malpaís de la Rasca und dem Guaza, dem unbesiedelten Hausberg von Los Cristianos, direkt an der Küste liegt. Und wer für seine Villa statt Golfplatz lieber den Panoramablick aus erhöhter Lage möchte, ist in Roque del Conde, San Eugenio Alto und Caldera del Rey richtig.

Die Grande Dame der Edelherbergen: das Bahia del Duque (Foto: Hotel del Bahia del Duque)

Eine andere Welt: der Norden Teneriffas. Es ist der traditionelle Siedlungsraum der Tinerfeños mit den größeren Städten und gewachsener Infrastruktur. Und lange vor dem Süden waren Puerto de la Cruz und das Orotava-Tal beliebte Urlaubsziele. Ein Bummel durch Puertos Altstadt bietet noch lebendiges kanarisches Flair mit Gassen aus Kopfsteinpflaster, Cafés im Kolonialstil und einem malerischen Fischerhafen. Die Umgebung lädt zu Wandertouren an spektakulären Küsten und durch grüne Landschaften ein. Besonders beliebt ist Puerto bei Deutschen; viele Auswanderer und Überwinterer leben hier. Vorzugsweise wohnt man im idyllischen Stadtteil La Paz; das beste Hotel von Puerto, das Botánico, steht hier. Und viele schätzen wohl auch die deutschsprachige Infrastruktur von Wurstbude über Bücherstand und Bundesliga-Übertragung bis hin zum Ärztehaus.

„Bei uns sind derzeit Apartments bis 200.000 Euro der Renner“, sagt Alexander Witte von Imperial Immobilen in La Paz. Ein Studio ist schon ab 55.000 Euro zu haben; der Quadratmeter liegt bei Wohnungen zwischen 2.500 und 3.500 Euro. Bei Bungalows, Häusern und Villen reicht die Spanne von 250.000 bis etwa 3,5 Millionen oder vereinzelt sogar noch höher. Ein gutes Einfamilienhaus (130 m2 Wohnfläche, Parzelle 500 m2) liegt zwischen 350.000 und 450.000 Euro. „Meerblick kann eine Immobilie noch um zehn bis 20 Prozent verteuern“, erklärt Eckhard Bernstorff von Porta Tenerife. Die Top­lagen für Villen befinden sich außerhalb der Stadt in Santa Úrsula, La Matanza und El Sauzal. Wer eine klassische Finca sucht, orientiert sich meist Richtung Icod de los Vinos, wo sich mit 200.000 bis 300.000 Euro ein gutes Landhaus erstehen lässt.

Blick auf Puerto de la Cruz. Typisch Teneriffa – und doch so ganz anders als der Süden (Foto: Fotolia/sievert)

Allerdings: Der Trend geht dahin, dass sich viele Hausbesitzer eher verkleinern möchten und jetzt eine Wohnung suchen. Deshalb sind die Verkaufszeiten von Objekten über eine Million Euro oft sehr lang. Insgesamt haben sich die Preise rund um Puerto de la Cruz stabilisiert, Schnäppchenjäger sind kaum noch unterwegs. Dagegen bleibt die Gegend für Investoren ein interessantes Pflaster. „Bei Langzeitvermie­tungen sind rund fünf Prozent Rendite drin“, sagt Michael Schmidtal von Stadler Immobi­li­en. Für Apartments etwa, die 100.000 bis 150.000 Euro kosten, können rund 600 Euro Miete pro Monat erzielt werden. Hoch­sai­son für das touristische Geschäft ist der Winter, für fünf bis sechs Monate lassen sich Apartments gut vermieten.

Große Neubauprojekte gibt es bei Pu­erto de la Cruz derzeit nicht. Dafür gibt es kaum freie Flächen, und viele der alten Bauträger sind in der Krise Pleite gegangen. So investiert man in – oft renovierungsbedürftigen – Altbestand. Was hier aber auch zur Politik gehört: Die Ursprünglichkeit, Schönheit und Gediegenheit der Gegend zu bewahren, ist deren Ziel.

Warum Teneriffa rockt – zehn Gründe für die Insel

Ob man Ruhe oder Party sucht, Exklusivität oder Abenteuer – auf der größten Insel des Kanarischen Archipels stimmen alle Rahmenbedingungen. Und jeder findet etwas für sein bevorzugtes Freizeitvergnügen

1 Menschen Man gibt sich gelassen und freundlich gegenüber Gästen. Es besteht eine lange Tradition als Urlaubsinsel.
2 Klima Egal wann man reist, es herrschen sommerliche Temperaturen mit Badewetter – auch im Winter.
3 Sicherheit Die Insel gehört zu Spanien und ist damit Teil der EU. Es gelten europäische Gesetze und Regeln.
4 Lebenshaltung Durch Steuerbegünstigungen, die den Kanaren eingeräumt werden, kostet hier vieles weniger.
5 Natur Sie zeigt sich in großer Vielfalt – vom kargen Süden bis zu den Urwäldern des Anaga-Massivs im Nordosten.
6 Abenteuer Outdoor-Fans finden auf Teneriffa eine Fülle von Möglichkeiten, vom Atlantikstrand bis in die Berge – beim Tauchen, Surfen, Wandern, Biken oder Paragliding.
7 Familienspaß Zwei Angebote ragen heraus: der Loro Parque als einer der besten Tierparks in Europa und der Siam Park als größter Wasserpark Spaniens.
8 Gastronomie Es gibt Restaurants aller Art, auch für Gourmets.Für 2017 wurden fünf Michelin-Sterne vergeben.
9 Golf Mit neun Plätzen hat sich die Insel zur besten Golf-Destination der Kanaren gemausert.
10 Luxus Das Angebot an Luxushotels und Spas ist mittlerweile eines der exklusivsten in Europa.

Dr. Gerald Paschen

ist Politikwissenschaftler und Spezialist für die internationalen Immobilienmärkte