Immobilien-Marktreport Frankfurt 2018: Weiter geht's

Zwischen Bornheim und Bankenviertel ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Ob Preise oder Nachfrage, die viel zitierte Party am Main ist längst nicht vorbei

Die Frankfurter Skyline - einzigartig in Deutschland (Foto: David J. Engel)

Die Frankfurter Skyline - einzigartig in Deutschland (Foto: David J. Engel)

Spannend, heiß, dynamisch

Diese Attribute, die dem Frankfurter Immobilienmarkt aktuell zugeordnet werden, treffen den Nagel auf den Kopf. Einmal mehr konnten die Gesprächspartner vor Ort vermitteln, was die Zahlen des Gutachterausschusses, aktuelle Zeitungsberichte, aber auch der Gesamteindruck bei den Fahrten durch die Stadt ohnehin hergeben: In Frankfurt ist die Immobilienparty definitiv noch in vollem Gange und nicht schon bald vorbei – wie jüngst in einem Frühjahrsgutachten prognostiziert wurde.

Selbstverständlich gibt es auch in Frankfurt Anzeichen dafür, dass die -extreme -Rasanz der Marktentwicklung -vergangener Jahre etwas abgenommen hat. Angesichts der gestiegenen Fertigstellungszahlen im Wohnungsbau ist das kein Wunder. Gerade im begehrten Hochpreissegment gibt es aktuell mal wieder etwas wie Angebot. Somit haben sich hier auch die Vermarktungszeiten etwas verlängert, insbesondere bei Objekten jenseits der Millionengrenze. Da sind sich alle Experten am Main einig.

Doch es gibt um einiges mehr Anzeichen dafür, dass die Rallye auf breiter Front zunächst einmal weitergehen wird. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Zuzug in die Stadt nach wie vor extrem hoch ist. Das Statistische Landesamt vermeldet folgerichtig für 2016 einen positiven Saldo von nahezu 5.500 Menschen. Damit verbunden nimmt auch die Nachfrage in Frankfurt und der Metropolregion nicht ab. Doch was spricht noch für eine Fortsetzung der Entwicklung?

Der Westhafen am Main war eines der ersten größeren Wohnprojekte in Frankfurt (Foto: Baboo Khanal/khanalbaboo/500px - stock.adobe.com)

Der Westhafen am Main war eines der ersten größeren Wohnprojekte in Frankfurt (Foto: Baboo Khanal/khanalbaboo/500px - stock.adobe.com)

Zwar lag der Immobilienumsatz 2017 mit 6,6 Milliarden Euro prognostiziert leicht unter dem von 2016 (6,7 Milliarden Euro), doch im vorvergangenen Jahr schlug der Transfer von drei großen Büroobjekten mit über einer Milliarde Euro erheblich zu Buche. Klammert man diese aus, lag der Umsatz erneut über dem des Vorjahres.

Reichlich Anstiege – weitgehend im moderaten Bereich – konnte der Wohn­immobilienmarkt verzeichnen. Bei Eigentumswohnungen waren die Preise, egal um welches Baujahr es sich handelte, höher als 2016. Größere Steigerungen verzeichnete der Neubau. Hier lag das Plus bei 11,3 Prozent gegenüber 2016. Dabei lohnt auch noch der Blick auf das in Frankfurt allgegenwärtige Thema Wohnhochhäuser. Der Gutachterausschuss trennte hier preistechnisch zwischen Türmen bis zwölf und solchen mit mehr als zwölf Geschossen. Der Preisanstieg bei den höheren Wohntürmen wurde hier mit 7,1 Prozent auf 7.230 Euro pro Quadratmeter im Schnitt festgehalten. Im Fall der niedrigeren Hochhäuser wurde ein Anstieg um 17,7 Prozent auf 5.190 Euro verzeichnet. 

Wie facettenreich jedoch der Gesamtmarkt Frankfurt ist, zeigen die Ergebnisse der ausgewerteten Preise insgesamt. So erzielte das teuerste Eigenheim am Main 2017 einen Kaufpreis von 6,2 Millionen Euro, während es jedoch auch 13 Verkäufe unter der Grenze von 200.000 Euro gab. Und im Bereich der Eigentumswohnungen wurden 13 Verträge geschlossen, bei denen der Quadratmeterpreis unterhalb von 1.000 Euro lag. Werte, die man in München oder Hamburg vergeblich suchen wird.

Lagenkarte: Immobilien in Frankfurt

 

 

War vor zehn Jahren noch das Ostend der Exot unter den Stadtteilen, ist die Eastside spätestens seit der Fertigstellung des EZB-Neubaus fast als etabliert zu bezeichnen. Auch der Riedberg wurde vor einigen Jahren nicht selten skeptisch beäugt. Mittlerweile ist er eine echte Erfolgsgeschichte. Ähnliches macht derzeit das Europaviertel durch. Nicht wenige sehen hierin eine kalte Trabantenstadt. Doch auch diese – zudem noch extrem zentrale – Lage wird ihren Weg in der Stadt machen. Die Nachfrage ist ungebrochen.

Doch es sind weitere, ganz neue Adressen in den Fokus gerückt, die auch Bauträger bereits mit neuen Projekten für sich vereinnahmen. Allen voran das Gallus (wo vor zehn Jahren noch niemand seinen Fuß hinsetzen wollte), aber auch Rödelheim und Hausen sind hier zu nennen. Und auch bei Höchst und Fechenheim wird nicht mehr die Nase gerümpft.

Hochhäuser sind in der Innenstadt fast immer im Blickfeld (Foto: ©rh2010 - stock.adobe.com)

Hochhäuser sind in der Innenstadt fast immer im Blickfeld (Foto: ©rh2010 - stock.adobe.com)

Das ausländische Interesse

Eines vorweg, vor allem für die Immobilienverkäufer aus der Metropolregion: Es steht keine Schlange von Brexitlern vor den Toren der Stadt, ausgestattet mit Koffern voller Bargeld. Und es wird wohl auch keine Völkerwanderung von London nach Frankfurt geben. Von vereinzelten, wenn auch konkreten Anfragen aus Europas Finanzmekka wird berichtet, allerdings betreffe das bislang weitgehend den Mietmarkt. Ganz im Ernst: Wer kauft auch schon gleich eine Immobilie, wenn er beruflich versetzt wird? Zudem komme, so heißt es, die Mehrzahl dieser Anfragen von Rückkehrern aus London.

Nimmt man dazu noch den Fakt, dass Frankfurt das Rennen um die Ansiedlung der europäischen Bankaufsicht EBA gegen Paris verloren hat, relativiert sich das Brexit-Thema derzeit noch sehr. Nicht wenige der befragten Experten berichten jedoch von mehr als losem Interesse an Frankfurt seitens der Golfstaaten, Asiens und der USA. Frankfurt wird nicht nur als Jobmotor gesehen, sondern auch als sicherer Hafen in Sachen Investment. Kein Wunder, dass vor allem der Anteil der Kapitalanleger und damit auch die Nachfrage nach kleineren Wohneinheiten im Innenstadtbereich steigen. 

Der Römerberg - hier scheint das Bankenviertel unendlich weit weg und ist doch so nah (Foto: ©bkffm - stock.adobe.com)

Der Römerberg - hier scheint das Bankenviertel unendlich weit weg und ist doch so nah (Foto: ©bkffm - stock.adobe.com)

Die Eckdaten der Stadt und das Fazit

Nicht nur für die Lebensqualität der Eigennutzer, sondern gerade auch für den Wiederverkauf, der bei Anlegern eine erhebliche Rolle spielt, hat Frankfurt einiges zu bieten. Seien es die Faktoren Börse oder Flughafen als Arbeitgeber, in puncto Kultur und Freizeit oder Infrastruktur (internationale Schulen) liegt die Mainmetropole gut im Rennen. Bei der Kaufkraft sowie dem Verhältnis der Beschäftigten zur Einwohnerzahl gehört Frankfurt deutschlandweit ebenfalls immer zu den Topstandorten. ­Lediglich in Sachen Krippen- und Kindergartenplätze muss man künftig zulegen. Und zwar deutlich, sollte das internationale Interesse weiter zunehmen.

Fazit:

Zwischen Main und Bankentürmen ist die Welt zumindest für Verkäufer und solvente Interessenten noch in ­Ordnung. Fakt ist, dass die Preise vor allem im Neubausegment in jüngster Vergangenheit extrem angestiegen sind (siehe auch die Grafik Neubaupreise auf Seite 107). Allerdings ist die wilde Fahrt mittlerweile etwas ruhiger geworden. Das liegt zum einen am leicht höheren Wohnungsangebot, zum anderen aber auch daran, dass neue Lagen entwickelt werden. Und die Abwanderung von Familien ins Umland nimmt auch ­immer mehr zu. Das hat nicht zuletzt auch preisliche Gründe. Sehr viel günstiger ist es jedoch im direkten Umland nicht. ­Willkommen in Frankfurt.

Sven Heinen

ist Mitglied der BELLEVUE-Redaktion.

DAS SAGEN DIE PROFIS
Statements namhafter und erfahrener Makler aus Frankfurt

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„Die hohe Nachfrage bei mäßigem Angebot ist nach wie vor da. Und das in allen Segmenten.“ Daniel Ritter, VON POLL IMMOBILIEN Frankfurt

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„Frankfurt ist zurzeit definitiv der spannendste Immobilien­markt Deutschlands.“
Janine Bernstein, Dahler & Company Frankfurt

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„Was die Brexit-Thematik angeht, ist die aktuelle Situation mit ,Ruhe vor dem Sturm‘ zu charakterisieren.“
F. Tretter, M. Di Benedetto, Porta Mondial Frankfurt

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„Frankfurt legt an Attraktivität zu. Durch den Zuzug der Brexit-Banker jedoch ist hochwertiger Wohnraum zunehmend gefragt.“
Jürgen Schorn, Bauwerk Capital

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„Solange jeden Morgen mehr als 350.000 Pendler nach Frankfurt fahren müssen, wird der Druck auf den Wohnungsmarkt nicht nachlassen.“ Raymond Schüttke, schuettke.immobilien

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„Der Markt befindet sich auf dem Peak. Das Verhältnis von Einkommen zu Kaufpreisen ist eine Bremse.“
Bernd Lorenz, ImmoConcept Frankfurt

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