Echte Perlen haben Seltenheit

Dass im Wohnbereich echte Investitionsperlen deutschlandweit eher Seltenheitswert haben, dürfte inzwischen bekannt sein. Doch es gibt immer wieder mal Ausnahmen – 16, um genau zu sein. Zumindest nach Einschätzung des Postbank Wohnatlas 2019. Darin zeigt ein Investitionschancen-Index, in welchen Landkreisen eine hohe positive Preisentwicklung bei (noch) moderaten Kaufpreisen in Relation zur erzielbaren Miete zu finden ist. Und siehe da, es ist nicht Hamburg, meine Perle, sondern es handelt sich um vier Kreise rund um die Hansestadt. Im Norden ist es der Kreis Sege­berg, im Südwesten, Süden und Südosten sind es die Kreise Stade, Harburg und das Herzogtum Lauenburg. Und selbst die Kreise Pinneberg und Stormarn versprechen zumindest noch geringe positive Preis­entwicklungen in Relation zur Miete – allerdings bei bereits hohen Kaufpreisen. Betrachtet man die Deutschlandkarte dies­bezüglich genau, ist festzustellen, dass keine andere deutsche Metropole in ihrem direkten Umfeld auch nur eine dieser Inves­titions­perlen vorweisen kann. Fazit: Das Hamburger Umland hat noch jede Menge Entwicklungs­potential und ist preislich oft noch sehr attraktiv.

„Nach dem Neubau hat auch der Bestand kräftig zugelegt. Die Angebotspreise in Hamburg und dem direkten Umland sind explodiert.“

Lutz Westermann

Classic IMMOBILIEN Schenefeld

„Derzeit sind die Preise im Wendland noch erschwinglich. Man kann auch unter 1.000 Euro/m2 eine geeignete Immobilie finden.“

Simone Dennstedt

Dennstedt Immobilien, Göhrde

„Trotz weiter starkem Anstieg sind die Preise in Ahrensburg und Großhansdorf noch immer günstiger als im nahen Hamburg.“

Claudius Staratzke

Engel & Völkers Ahrensburg

„Unsere Region bietet Toplebensqualität bei bester Infrastruktur. Und man ist in max. 45 Minuten mit dem Auto in der Stadt.“

Silke Treder

BeSmart Immobilien Wohltorf

„Auch im Umland lassen sich Spitzenpreise erzielen, allerdings liegen diese deutlich unter denen des Hamburger Marktes.“

Karl-Gero Wendeborn

PIPPING Immobilien, Reinbek

„Die steigenden Preise verdrängen Käufer ins Umland, besonders in den Süden. Aber der Preisanstieg sollte sich etwas verlangsamen.“

Michael Hager

Sparkasse Hamburg-Buxtehude

„Die Preisentwicklungen im vergangenen Jahr waren extrem. Vor allem dort, wo Anbindung und Infrastruktur stimmen.“

Steffanie Dau

Engel & Völkers Nordheide

„Lüneburg ist gerade bei Großstädtern sehr beliebt und erfreut sich weiterhin einer hohen Nachfrage nach Immobilien.“

Marco Heilenmann

VON POLL IMMOBILIEN Lüneburg

„Der Raum Süderelbe bietet, bei hoher Nachfrage, nach wie vor ein marktgerechtes Preisgefüge und wunderschöne Wohnlagen.“

Jan M. Meyer-Sach

Engel & Völkers Lüneburg

Familien zieht es vor die Tore der Großstadt

Allerdings haben das mittlerweile auch die Käufer in Hamburg mitbekommen. Und wer davon ausgeht, die Immobilienauswahl im Umland sei entsprechend groß, wird schnell eines Besseren belehrt. Trotzdem zieht es vor allem Familien vor die Tore der Großstadt. Angesichts der hohen Lebensqualität nimmt man auch etwas längere Fahrtzeiten in die City in Kauf. Dabei ist der zeitliche Unterschied mitunter gar nicht so groß. Wer in Blankenese oder den Walddörfern wohnt, benötigt zu Stoßzeiten nicht unbedingt weniger Zeit zur Arbeit als jemand, der aus dem Sachsenwald pendelt.

Foto: Arnt Haug

Beispiel Ahrensburg/Großhansdorf

Hier an der nordöstlichen Grenze der Hansestadt gibt es allein fünf U-Bahn-Haltestellen, eine direkte Autobahnanbindung und zwei Ortszentren. Mehr Infrastruktur ist kaum möglich. Dazu kommen jede Menge Grün und reichlich Freizeitmöglichkeiten. Als Alternative zu Hamburgs Walddörfern sind Ahrensburg & Co. im Haus- und Villenbereich noch immer um einiges günstiger, doch mit 600.000 bis zum Teil sogar zwei Millionen Euro muss man auch hier rechnen. Fahrtzeit in die Hamburger City: rund 25 bis 45 Minuten.

Foto: Arnt Haug

Beispiel Sachsenwald

Eine nahezu perfekte Kombi von Anbindung (S-Bahn/Autobahn), Infrastruktur und Wohnqualität hat auch der Hamburger Osten zu bieten. Aumühle, Wentorf/Wohltorf oder Reinbek sind jedoch schon länger gefragt und daher preislich gehoben. Bei vernünftigen Häusern in guten und sehr guten Lagen ist unter 500.000 Euro kaum mal etwas zu bekommen. Und nach oben sind auch zwei Millionen Euro keine Seltenheit. Fahrtzeit in die Hamburger City: rund 30 bis 40 Minuten.

Attraktiver Speckgürtel

Rund um Hamburg gibt es ein großes Angebot an interessanten Wohnstandorten mit noch immer günstigeren Preisen

Beispiel Nordheide/Lüneburg

Eine wirkliche Freude ist der tägliche Weg mit dem Auto durch den Elbtunnel oder über die Elbbrücken aktuell sicher nicht. Der Nachfrage und auch den Preisen hat dieser Umstand jedoch keinen Abbruch getan. Womöglich weil die gefragten Orte Buchholz, Hittfeld oder Holm-Seppensen mit der Bahn gut erreichbar sind. Und so steigen Nachfrage und auch Preise weiter, vor allem im vergangenen Jahr. So gibt es in Buchholz kaum noch Neubauten unter 4.000, 4.500 Euro/­m2. Und auch Grundstücke für über 250 ­Euro/­m2 sind keine Rarität. Vor ein paar Jahren war so etwas noch undenkbar. Allerdings müssen verhältnismäßig weit vor den Toren Hamburgs Anbindung und Infrastruktur wirklich passen. Wie bei Tostedt, das derzeit noch als echter Geheimtipp gehandelt wird. So genannte „Unlagen“ fallen hier in der Nordheide preislich doch deutlich ab. Fahrtzeit in die Hamburger City: rund 30 bis 40 Minuten.

Beispiel Lüneburg: Die Uni-Stadt mit der Metronom-Anbindung an Hamburg ist nicht nur bei Investoren äußerst beliebt. Historisch, attraktiv, ruhig und lebenswert – die Vorzüge der Hansestadt wissen auch immer mehr Hamburger zu schätzen. Fahrtzeit in die Hamburger City: rund 40 bis 80 Minuten.

Foto: Arnt Haug

Beispiel Hamburger Westen/Nordwesten

Bereits in den vergangenen zwei Jahren haben wir an dieser Stelle auf eine verstärkt nachgefragte Alternative im Einzugsbereich der Elbvororte hingewiesen. Schenefeld liegt direkt hinter Hamburgs Stadtgrenze. Das einstige Bauerndorf mit neuerer Wohnsiedlung profitiert stark vom Trend ins Umland. Nur während es noch Neubauprojekte für unter 4.000 Euro pro Quadratmeter gibt, schlagen Häuser in guten und sehr guten Lagen mit 550.000 Euro plus zu Buche. Aller­dings ist hier bei rund 1,2 Millionen Euro auch Schluss.

Klar, es ist nicht mehr (ganz) Hamburg, aber was heißt das schon, wenn man in vergleichbaren Lagen der Elbvororte den doppelten oder dreifachen Preis bezahlen muss? Fahrtzeit in die Hamburger City: rund 35 bis 60 Minuten.

©Claus Schlueter - stock adobe.com
©Claus Schlueter - stock adobe.com

Beispiel: Kreis Segeberg

Zu guter Letzt sollte auch der eingangs erwähnte Kreis Segeberg nicht unerwähnt bleiben. Vor allem Norderstedt, direkt an der Hamburger Stadtgrenze, hat sich nachfragetechnisch enorm entwickelt. Über die fünftgrößte Stadt Schleswig-Holsteins rümpfen nicht mehr viele Hamburger die Nase. Zu günstig sind die Immobilienpreise im Vergleich zur Hansestadt, zu gut ist die Anbindung über U-Bahn und Straße. Dazu kommt die Flughafennähe. Leider gibt es in der erst 1970 gegründeten Stadt nur wenige wirklich schöne gewachsene Wohnquartiere. Jedoch findet man hier alles, was man zum täglichen Leben braucht, und dazu noch jede Menge Freizeitmöglichkeiten. Fahrtzeit in die Hamburger City: rund 30 bis 45 Minuten.

Sven Heinen

ist Mitglied der BELLEVUE-Redaktion.