Beelitz-Heilstätten: Von Hitler bis Honecker

Das Sanatorium Beelitz, erbaut 1898, hatte so berühmte wie berüchtigte Patienten. Die zum Teil stark verfallenen Gebäude werden jetzt renoviert

Die Beelitz-Heilstätten: ein Krankenhaus mit bewegter Geschichte (Foto: KW Development)

Vom Krankenhaus zur Filmkulisse

Filmfans kennen das Gelände: Roman Polanskis „Pianist“, „Operation Wal­kü­re“ mit Tom Crui­se und Wolfgang Beckers „Kran­kes Haus“ wurden hier zu Teilen gedreht, vor Ku­lissen aus pittoresk abblätterndem Putz. Bekann­te Namen finden sich in den Patientenlisten der ehe­maligen Heilstätten: Der Gefreite Adolf Hitler ließ hier 1916 eine Verletzung behandeln, und 1990 kurierte Erich Honecker hier seinen Lungenkrebs, bevor er nach Moskau floh. Wo man Beelitz ebenfalls kennt: 1945 übernahm die Rote Armee Gebäude und Gelände.

Ein Krankenhaus also. Dessen eigenen Charme man neuerdings von oben begutachten kann: vom Baumkronenpfad Beelitz aus, der über dem Gelände verläuft und von dem aus man sehen kann, wie die Natur die alten Gebäude zurückerobert. Durch das morsche Dachgebälk wachsen Bäume, die allerdings wegen des mangelnden Erdbodens kleiner als richtige Waldbäume geraten.

Im noch unrenovierten Teil blättert der Putz von den Wänden (Foto: KW Development)

29 Wohnungen sind bereits fertig gestellt

Die Geschichte der Lungenheilanstalt Beelitz, etwa 30 Kilometer südwestlich von Berlin gelegen, ist anekdotenreich. Auf rund 200 Hektar Waldland errichteten die Architekten Heino Schmieden und Julius Boethke ein Ensemble von 60 Häusern, viele davon in einer Mischung aus Fachwerk und Klinker. Bauträger war die Landesversicherungsan­stalt Berlin; in Beelitz sollten vorwiegend Tuberkulo­sekran­ke kuriert werden. Deshalb hatten die Häuser große Terrassen, auf die man die Betten der Kranken schieben konnte. Die Bauten waren zu ihrer Entstehungszeit hochmodern. Sie verfügten bereits über Fernwärme, die in einem eigenen Heizkraftwerk produziert wurde, das sich heute besichtigen lässt.

Nach mehreren erfolglosen Versuchen, Gebäude der Anlage zu retten, hat jetzt die Refugium Beelitz GmbH aus Berlin als Erstes von drei Gebäuden das einstige Frauensanatorium reno­viert. 29 Wohnungen, zwischen 58 und 300 Quadratmeter groß, sind ent­standen. Die Hälfte ist verkauft, die ersten Besitzer sind eingezogen. „Wir sehen für dieses Pilotprojekt Potential vor allem aus dem künstlerischen Bereich, bei Designern, Schriftstellern, Journalisten, Architekten oder Fotografen“, sagt Christian Neumann von der Verimag GmbH, die die Anlage für den Entwickler KW-Development GmbH vermarktet. Der riesige alte Speisesaal wird derzeit zum Gemeinschaftsraum mit Kamin umgebaut. Ein Wirtschaftsgebäude, die ehemalige Waschküche, ist noch unsaniert.

Foto: KW Development

Foto: KW Development

Foto: KW Development

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Zielgruppe Kreative

Natürlich gelten strenge Denkmalschutzregeln. So haben Bäder schon mal sechs Meter Höhe, durch andere Zimmer verlaufen massive Eisenträger, wieder andere, wie die ehemalige Küche, sind aufwendig gekachelt. Fast alle Wohnungen haben einen Balkon oder eine Terrasse. Und von allen Fenstern schaut man, wie vor 100 Jahren, in den Wald. „Der Außenbereich wird parkähnlich angelegt, Hecken oder Zäune sind nicht erlaubt“, erläutert Neumann. Während das Dachgebälk stark verfault war und erneuert werden musste, sind die Steinfliesenböden noch sehr gut erhalten. Gediegen wirken die geräumigen Treppenhäuser, die wie früher mit Linoleum ausgelegt sind. An den Wänden wurden die originalen Muster von Hand aufgetragen.

Über Nachfrage kann Neumann nicht klagen, sicher auch weil die Verbindung in die Hauptstadt exzellent ist. Der Bahnhof Beelitz-Heilstätten ist nur zwei Minuten zu Fuß entfernt, und von dort fährt stündlich ein Regionalzug in nur 30 Minuten direkt nach Berlin-Charlottenburg. Die Autobahnauffahrt ist ebenfalls nur zwei Minuten entfernt.

BEELITZ ...

... liegt ca. 50 km südwestlich von Berlin und 20 km von Potsdam entfernt. Vom Bahnhof Beelitz-Heilstätten aus verkehrt ein Regionalzug stündlich nach Berlin-Charlottenburg

KURZEXPOSÉ
Wohnungen in den Beelitz-Heilstätten: Kaufpreise auf Anfrage, Mietpreise: 8 bis 9 Euro/m2
Info: www.refugium-beelitz.de

Dirk Engelhardt