Meilenwerk: Eine neue Form der Gebäudenutzung

Forum für Fahrkultur: Mit seiner Meilenwerk AG schafft Martin Halder eine völlig neue Form der Gebäudenutzung. In historischen Mauern will der Immobilien- und Oldtimerexperte Gleichgesinnten eine „kleine Alltagsflucht“ bieten
Auch wenn ich Sie gleich enttäuschen muss, aber es gab in meiner Kindheit nicht den einen Moment, die Initialzündung dafür, so etwas wie das Projekt Meilenwerk umsetzen zu müssen.“

Schade, denn die Begeisterung, mit der Martin Halder seine Idee, seine Erfindung erklärt, zeugt von der Leidenschaft, die man nur von den „positiv Verrückten“ kennt. Von denen, die schon früh wussten, womit sie die Welt später einmal bereichern werden. Doch bei dem studierten Wirtschaftsingenieur und Immobilienökonom liegen die Dinge etwas anders. Zwar war der gebürtige Oberschwabe schon als Kind Automobilfan, doch das Konzept des Meilenwerks geht auf eine einfache Frage zurück, die er sich kurz vor der Jahrtausendwende im Rahmen seiner akademischen Arbeit an der European Business School stellte: „Bauen wir heute für die Menschen eigentlich die richtigen Gebäude?“ Offensichtlich muss die Antwort „Nein“ gewesen sein, sonst hätte es die Idee wohl nie gegeben.
  • Showroom: Herzstück des Meilenwerks Hamburg ist die große Halle mit exklusiven Automobilen Quelle: Meilenwerk
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  • Das denkmalgeschützte Kraftwerk im Stadtteil Hammerbrook soll bis 2015 von Star-Architekt Hadi Teherani revitalisiert werden Quelle: A.Haug/Bellevue
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  • Team Hamburg: Martin Halder und der ABR-German-Real-Estate-Vorstand Klaus G. Roelcke im Kraftwerk Bille Quelle: A. Haug/Bellevue
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  • Der Außenbereich des Hamburger Meilenwerks bietet einige Nutzungsmöglichkeiten Quelle: Meilenwerk
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  • Auch das Berliner Meilenwerk soll bis 2015 zum Oldtimer-Zentrum umgebaut sein Quelle: Meilenwerk
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  • Sowohl das Projekt auf der Berliner Havelinsel Eiswerder... Quelle: Meilenwerk
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  • ...als auch das Meilenwerk am Zürichsee können mit spektakulären Lagen aufwarten Quelle: Meilenwerk
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  • Jedes Meilenwer (im Bild Zürichsee) verfügt über zahlreiche repräsentative Veranstaltungsflächen Quelle: Visualisierung: Meilenwerk
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Was ist also ein Meilenwerk? Getreu des filmischen Mottos der „Feuerzangenbowle“ stellen wir uns mal ganz dumm und sagen: Ein Meilenwerk ist ein großer, alter Raum mit vielen alten Autos. Das ist, zugegeben, etwas einfach formuliert. Halders Idee fasste nach eigener Aussage der Berliner Landeskonservator, Professor Jörg Haspel, einmal treffend so zusammen: „Sie bringen die Klassiker der Architektur mit den Klassikern der Automobilwirtschaft zusammen.“

Man nehme also ein historisches Gebäude und schmücke es mit historischen Fahrzeugen – fertig ist das Meilenwerk? „So einfach ist die Sache nicht“, erklärt Halder und beginnt bei Grundsätzlichem: „Warum sollte der Immobilienbereich nicht auch die heutige Gesellschaft widerspiegeln? In den Metropolregionen gibt es überall Orte mit speziellen Gebäuden und Plätzen, an denen sich Gleichgesinnte zu bestimmten Aktivitäten zusammenfinden. Sei es nun in der Gastronomie, der Kultur oder im Sport. Für die Oldtimerszene, eine seit 20 Jahren nachhaltig wachsende, finanzstarke und gesellschaftlich sehr ­akzeptierte Zielgruppe, gibt es so etwas nicht. Was fehlt, ist eine kleine Alltagsflucht, ein organischer Treffpunkt.“

Und tatsächlich, vor der Entwicklung des Meilenwerks passten Anspruch und Wirklichkeit in diesem Segment nur selten zusammen. Wohl jeder kennt eine typische und wenig repräsen­tative Hinterhofwerkstatt, in der aber echte Könner sündhaft teure Automobile reparieren. „Wir heben diese Lücke auf“, sagt Halder, „bieten den Werkstätten das passende Umfeld und den Besitzern den entsprechenden Rahmen. Das gelebte Hobby an einem schönen Ort mit allen nötigen Dienstleistungen. Und wir binden noch hochwertiges Handwerk und den passenden Lebensstil mit ein: einen Schuster oder einen Geigenbauer und andere Produktwelten wie Wein oder Zigarren.“ Nicht zu vergessen die gläsernen Einstellboxen mit den geparkten Schmuckstücken – das Grundelement für den Charme der Location.

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"Was überall fehlt, ist eine kleine Alltagsflucht, ein organischer Treffpunkt für die Oldtimerszene"

Darüber hinaus sollen die Meilenwerke vom Vitrinenmodell über Versicherung bis zum Händler und Gutachter die gesamte Angebotspalette rund um das Auto bieten. Je nach Standort komplettieren Eventflächen, Design-Hotels (Zürichsee) und sogar Loftwohnungen und historische Boote (Berlin) die Projekte.

Bevor der Vorstandsvorsitzende der Meilenwerk AG jedoch zu sehr ins Schwärmen gerät, wird er sachlich: „Die Leidenschaft für Oldtimer reicht für die Umsetzung eines solchen Konzeptes natürlich nicht aus. Das Meilenwerk nimmt sich nicht aus dem Markt. Es muss auch im Alltag funktionieren, so wie jede andere Investition auch. Klar stürzen sich momentan viele Menschen aus Mangel an Anlagealternativen in die Bereiche Immobilie und Oldtimer. Doch auch wenn die anderen Kapitalmärkte wieder anspringen, werde ich gut schlafen können.“

Zur Erklärung: Halders Aktiengesellschaft tritt als Entwickler auf und gibt die einzelnen Projekte dann als so genannten Clubdeal für eine kleinere Gruppe von Investoren an den Markt. „Wir machen die Immobilie zur Marke“, sagt Halder, „und fungieren als Türöffner für die Branche.“ Dabei geht es im weitesten Sinne um die vier Geschäftsfelder Entwicklung, Management, Marke und Lizenzen sowie Dienstleistungen. Allerdings, so bemerkt der Initiator selbst, gehe es von der Entwicklung immer mehr hin zu den anderen Geschäftszweigen.

So weit zum Konzept. Nur wie kommt das Mobile letztlich zur Immobilie? Oder besser gefragt, wie kommt Martin Halder zu seinen Standorten und den passenden Gebäuden? Dass die Idee nur in prosperierenden Ballungsräumen mit ausreichend Einzugsbereich funktioniert, liegt auf der Hand. Das zeigt nicht zuletzt das seit geraumer Zeit erfolgreich laufende Meilenwerk auf dem Flugfeld in Böblingen. „Wir benötigen ein historisches Gebäude mit einem hohen Maß an Authentizität und Sinn für das Detail. So wie auch bei den Oldtimern. Im Anschluss folgen eine Markt- und Standortanalyse und die Sichtung der infrage kommenden Objekte. Im Fall von Hamburg haben wir rund 25 Immobilien grob und vielleicht fünf oder sechs detailliert angesehen. Dann war klar, dass bei dem ehemaligen Kraftwerk Bille in Hammerbrook alles zusammenpasst.“

"Von uns erwartet niemand Hochglanz, sondern die rohe Bausbstanz als Kontrast zu den Autos"

In der Folge berichtet Halder von Streckeneffizienzen sowie von der Stau- und Parkplatzsituation, doch vor allem die Emotionalität und das Image spielen bei der Standortwahl eine große Rolle. Beispielsweise sei Hammerbrook ein sehr gut erreichbarer Stadtteil auf der „richtigen“ Elbseite. Das habe ihm die regionale Szene deutlich gemacht. Oldtimerfans aus den nobleren Vierteln über den Fluss zu bekommen wäre nur schwer möglich gewesen. Ähnliche Erwägungen gab es auch beim Projekt am Zürichsee. Der Standort am südlichen Ufer des Sees sei optimal. Je weiter man in Richtung Norden komme, desto geringer werde die Akzeptanz bei der Klientel vor Ort.

In Hamburg wird Star-Architekt Hadi Teherani das denkmalgeschützte Kraftwerk Bille bis 2015 zum Meilenwerk umbauen, in Berlin erfährt die ehemalige Munitionsfabrik auf der Havelinsel Eiswerder im gleichen Zeitraum eine neue Nutzung, und in der Schweiz werden die Automobilfans sich in zwei Jahren in einer ehemaligen Webmaschinenfabrik treffen. „Wir nutzen Gebäude, mit denen sonst niemand etwas anfangen kann. Somit ist der Einstiegspreis gering, was angesichts der geringen Mieten, die wir nehmen, essenziell ist. Die Investitionssummen belaufen sich je nach Projekt auf rund 20 bis 40 Millionen Euro, und die Umbau­kosten liegen bei etwa 1.000 Euro pro Quadratmeter,“ erklärt Halder. „Das Gute ist, dass niemand von uns Hochglanz erwartet, sondern die rohe Bausubstanz als Kontrast zu den Autos.“

Die nahezu explosionsartige Entwicklung der Oldtimerbranche hat Martin Halder sicher in die Karten gespielt. Die Gründe für den Boom sind schnell genannt: Allein die Nachfrage aus dem Ausland ist enorm, weil es in Ländern wie Russland oder China so gut wie keine eigenen historischen Fahrzeuge gibt. Hinzu kommt, dass man heutzutage kein Mechaniker mehr sein muss, um die Oldies reparieren zu können. Die Dienstleistung rund um diese Autos ist ein echter Industriezweig geworden. Zudem werden historische Autos vermehrt als Statussymbol genutzt und können – bei der richtigen Wahl – auch als Wertanlage dienen.
Bei so einem Potential stellt sich dann die Frage, welche Standorte sich für weitere Meilenwerke anbieten: das Ausland oder gar Sylt? „Wir sind in Deutschland gut besetzt, lediglich München ist noch sehr interessant. Außerdem werden unsere Objekte nicht zuletzt aufgrund der Magnetwirkung immer größer.“ Im Ausland sieht Halder die Metropolregionen von Paris, London oder Amsterdam als mögliche Expansionsstandorte. „Was Lagen wie Sylt angeht, so könnte das nur über eine ,abgespeckte‘ Version funktionieren, als ein so genanntes Paddock“, resümiert Halder. Dabei würde es allerdings nur um Lagerung, Instandhaltung und Gastronomie gehen. „Der Nachteil ist, dass es sich dabei nur um einen saisonalen und daher wenig rentablen Markt handelt.“ Nicht genug für eine neue Meilenwerk-Idee? Fortsetzung folgt …

Weitere Informationen zu den Projekten und der Meilenwerk AG gibt es unter www.meilenwerk.com.
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