Costa Blanca: Aufschwung in Alicante

Stabilere Preise, verbesserte Konjunkturaussichten und Designer, die bei der Architektur neue Akzente setzen: An der Costa Blanca macht sich Optimismus breit.
Der Strand von Morairas
Morairas Strand liegt gleich neben dem Sporthafen mit seinen exquisiten Cafés und Restaurants Quelle: iStockphoto/Lunamarina

Finanzierung bis zu 60 Prozent

Adiós a la crisis! Die lustlose Stimmung, die sich vor sechs Jahren auf die Costa Blanca gelegt hatte, ist verflogen. „Schon seit 2013 hat die Bau­tätigkeit am südlichen Abschnitt angezogen, in diesem Jahr ist der Aufschwung auch im Norden angekommen“, erklärt Marc ­Pritchard, der Verkaufsdirektor des britischen Baukonzerns Taylor Wimpey in Spanien. Bei Orihuela Costa, Torrevieja oder Santa Pola schrauben neben den ­Briten auch ­lokale Unternehmen wie TM, Amay oder Contrimar ihre Baukräne zusammen. Und die Neubaupreise tendieren überall leicht nach oben.

Gemeint sind allerdings aktuelle Neubauten – also nicht die vor Jahren errichteten Anlagen und Pleiteprojekte, in denen nie jemand gewohnt hat. Letztere werden von Banken oder der spanischen Bad Bank Sareb oft noch sehr billig angeboten. Doch es ist ein weiters Indiz für den Aufschwung, dass der Marktanteil dieser Banken­objekte sinkt und die Banken ihr Kerngeschäft aufnehmen. Zumindest gewähren spanische Banken privaten Bauherren wieder vermehrt Kredite für den Hausbau. Eine Finanzierung von 50 bis 60 Prozent ist jetzt möglich. Getragen wird diese Dynamik von besseren gesamtspanischen Wirtschaftsdaten und der Nachfrage aus dem Ausland. Vor allem bei Belgiern, Holländern und Skandinaviern sind Immobilien an der Costa Blanca beliebt. Und auch die Briten sind dank ihres erstarkten Pfunds zurückgekehrt.

Nord-Süd-Gefälle bei Lagen und Preisen

Allerdings ist die Costa Blanca keineswegs ein homogener Markt. Charakteris­tisch ist ein Nord-Süd-Gefälle bei den Lagen und Preisen. Nördlich von Alicante wechseln prachtvolle Strände und versteckte Buchten mit Felsenzungen und Steilküsten. Ausläufer von Bergketten reichen bis direkt ans Meer und formen eine spannende Küstenszenerie. Benidorm bildet als ganzjähriger Touristen­magnet mit den höchsten Wohngebäuden Spaniens einen ganz eigenen Markt mit Apartmentpreisen zwischen 80.000 und  250.000 Euro. Abseits dieses Urlaubs­molochs sind seit den 1970er-Jahren viele Villengebiete entstanden. Dieser Speckgürtel von Luxuslagen beginnt bei El Campello mit der Urbanisation Coveta Fumá und zieht sich dann weiter über die Küstenorte Altea, Benissa Costa, Moraira und Jávea bis nach Dénia. Ideale Standorte für Villen mit spektakulärem Blick gibt es direkt am Strand, an Steilküsten oder an den Hängen der Gebirgsausläufer. Das Gros der derzeit angebotenen Villen liegt zwischen 400.000 und 1,5 Millionen Euro. „Bei zwei Millionen Euro ist an der Costa Blanca meist die Schmerzgrenze erreicht“, stellt Luxusimmobilienmakler Walter Arp von der Hanseatischen Gesellschaft Hamburg in Jávea fest. Für Edel­immobilien wird an der Costa Blanca deutlich weniger gezahlt als auf Mallorca. Schwer ist es in Orten wie Moraira oder Jávea, noch Grundstücke in Spitzenlagen zu finden. Immer öfter reißt man Altbauten ab, um dort dann neu zu bauen. Und gerade beim Villenneubau werden neue Akzente gesetzt.
Karte Lage Alicante

Bunte Mischung

Auf 220 Kilometern Küste lockt die Provinz Alicante mit gewachsenen touristischen Strukturen und unterschiedlichen Orten

Mediterraner Flair, 300 Sonnentage im Jahr, spektakuläre Land­schaften und schöne Strände sind die Gründe für die Beliebtheit der Costa Blanca. Neben alten spanischen Orten sind in fünf Jahrzehnten viele Residen­tialzonen und eine komplette touristische Infrastruktur gewachsen, u. a. mit 17 Golfplätzen und 19 Sporthäfen längs der Küste. Benidorm bietet ganzjährig ein buntes Nachtleben und hält mit Themenparks wie Terra Mítica, Mundomar oder Aqualandia auch viele Angebote für Kinder bereit. Wanderer finden im Hinterland ideale Strecken. Altea besticht als malerischer Künstlerort. Restaurants der Spitzenklasse findet man in Moraira, Jávea und Denia, und urbanes spanisches Am­biente lässt sich in der Provinzhauptstadt Alicante und in Denia entdecken.

Möglichkeiten im High-End-Bereich

„Konsequente Architektur“ nennt Klaus May, der kreative Kopf und Gründer der Firma Ibizastyle aus Dénia, seine Projekte.  May gehört an der Küste zu den Pionieren beim Bau von spektakulären Villen im Stil der klassischen Moderne. Es sind Häuser mit klaren Linien, hohen Decken und großen Glasfronten, die sich in herrschaft­licher Breite zum Infinity-Pool und dem Meer öffnen. Meist stehen sie in den Spitzen­lagen von Dénia, Jávea oder Moraira sowie auf Mallorca und Ibiza.

Was im High-End-Bereich möglich ist, zeigt May an einem seiner imposanten Objekte in Moraira: Das Ende 2014 fertiggestellte „Ibizacasa XIII“ hat drei Ebenen, auf die sich ca. 900 Quadratmeter Wohnfläche und Terrassen verteilen. Perfekt ist der weite, nach Süden gerichtete Panoramablick von Morairas Hafen über die Küste bis hin zum Wahrzeichen der Costa Blanca, dem Felsen von Ifach. Vier Suiten, Fitness-Spa-Bereich, Innen- und Außenküchen sowie modernste technische Ausstattung und viele edle Details schaffen hier eine noble Wohnwelt mit Chill-out-Flair. Für 2,65 Mil­lionen Euro kann man sich den Traum er­füllen. „Auch durch eine Grundstücks­kooperation mit Engel & Völkers können wir eine Vielzahl von Grundstücken in passenden Budgets anbieten“, erklärt May. „Das Traumhaus wird immer in persönlicher Absprache zwischen dem Bauherren und den Innenarchitekten und Architekten von Ibizastyle in sämtlichen Details geplant und termingerecht zum Festpreis realisiert.“

Schnörkellose und moderne Architektur

Deutlich wird überhaupt, dass der rustikal-mediterrane Villentyp der Costa Blanca mit seinen bauchigen Balustraden, Rundbögen und Tonziegeln sowie schmiede­eisernen Gittern zusehends durch eine schnörkellose moderne Architektur aus Glas, Chrom und Beton ergänzt wird. „Aber moderne Architektur mit klaren Linien und spanische Architektur lassen sich auch gut verbinden“, erklärt Martin Rothkirch vom Unternehmen Team Tip Top, das vor allem in Luxuslagen von Dénia solche Konzepte umsetzt.

Modernes Design prägt auch die Neubauten im Villenpark Monte Olimpo in Jávea von Walter Arps Hanseatischer Gesellschaft (siehe auch ­BELLEVUE 3/2015). Hier liegen Designervillen bei ­etwa 600.000 bis 1,5 Millionen Euro. 
Solche Preise werden südlich der Provinzhauptstadt Alicante für Ferienimmobilien und Zweitwohnsitze nicht bezahlt. Der Südabschnitt der Costa Blanca ist ein flaches Küstengebiet mit langen Dünenstränden und naturgeschützten Salzlagunen. Traditionell dominieren hier die so genannten „Häuser von der Stange“, das heißt  eher einfache Apartments, Reihen- und kleine Einzelhäuser; ein Paradebeispiel dafür ist die Mega-Urbanisation Ciudad Quesada. Ergänzt wurde dieses Angebot durch hochwertigere Küstenimmobilien, ins­besondere innerhalb von Orihuela Costa  in Ortsteilen wie Punta Prima und La Zenia oder an den Golfplätzen von Villamartín, Campoamor oder La Finca.

Neubauapartments kosten aktuell im Süden der Region ab etwa 130.000 Euro. Für neue, moderne Villen sind 500.000 bis 700.000 Euro zu veranschlagen. Bestands­immobilien sind schon ab etwa 35.000 Euro auf dem Markt, obgleich die meisten wohl eher zu Preisen von 60.000 bis 200.000 Euro gehandelt werden.
Kaufinteressenten haben hier den idealen Einstiegspunkt eigentlich schon verpasst. In guten Küstenlagen steigen die Preise bereits. Für Schnäppchenjäger werden dadurch sogar die im Hinterland gelegenen Objekte wieder interessant.
BELLEVUE Ausgabe 4/2015

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Dieser Artikel stammt aus dem BELLEVUE-Heft 04/2015.

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