Bayern: Wirtshaus am Thumsee zu verkaufen

Ein Wirtshaus samt See in Ausflugsnähe zu München – sowas kommt selten auf den Markt. Wenn doch, dann ist es das Gesprächsthema – nicht nur in den Wirtshäusern ganz Bayerns

Der „Seewirt“ spiegelt sich am frühen Abend im Thumsee. Das letzte Sonnenlicht liegt drüben auf dem Untersberg (Foto: Franz-Marc Frei)

Bilderbuch-Bayern

Daheim am Computer tippen wir den Suchbegriff Thumsee in die Tastatur, zoomen auf der Landkarte rein und raus – und machen uns beim nächsten Sonnenschein schon auf den Weg: A8 Richtung Salzburg, dann die Ausfahrt 112 – und über Inzell nach Bad Reichenhall. Auf sattgrünen Wiesen grasen Kühe, dunkle Wälder ziehen steile Berghänge hi­nauf. Man kann guten Gewissens ­sagen, dass diese Landschaft den richtigen Knopf drückt, um Landlust zu wecken.

Wenn dann ein paar Kilometer weiter der Thumsee linker Hand türkisblau durch die Bäume schimmert, hat man die Abfahrt zum „Seewirt“ schon verpasst. Macht nichts, weil kurz darauf eine zweite Ausfahrt folgt. Auf dem Parkplatz dort dreht man entweder um und fährt zurück – oder man stellt sein Auto ab und geht zu Fuß um den See. 1.000 Meter ist er lang, bis zu 325 Meter breit und an manchen Stellen 21 Meter tief. Der gut gepflegte Weg ist bequem zu bewältigen. Eine halbe Stun­de braucht man bis zur 1873 im Gründerzeit­stil gebauten und unter Denkmalschutz stehenden Villa Pachmayr. So die Theorie.

Der Thumsee ist ein beliebtes Ausflugsziel und wird das ganze Jahr über besucht. Den Wanderweg um den See öffnete der jetzige Besitzer für die Öffentlichkeit (Foto: Franz-Marc Frei)

Fischereirecht inklusive

In der Praxis und vor allem dann, wenn man ein offenes Auge für die Lichtspiele hat, die Sonne, Wind und Wolken auf die Oberfläche des Sees zaubern, in dessen kristallklarem Wasser sich Renken, Saiblinge und Forellen tummeln, wenn man am Ostufer in der Schilfzone Libellen beim Flug zusieht oder einen Frosch beim Absprung beobachtet – dann ist man der Magie dieses Ortes schon erlegen. Der Spaziergang wird zum Lustwandeln, und das kann dauern. Aber auch das macht nichts. Die Küche des „Seewirts“ hat durchgängig geöffnet, die Kuchenvitrine ist gut gefüllt. 200 Gäste finden auf den Terrassen direkt am Wasser Platz, noch einmal so viele im von alten Bäumen beschatteten Bier­­garten. Und 133 Sitzplätze haben die Wirtsräume.

Thomas Schmid, ein Münchner Investor, hat den „Seewirt“ 2012 gekauft. „Schon auch aus Nostalgie“, sagt er heute, „als Kind war der Thumsee Ziel vieler Ausflüge.“ Und weil seiner Meinung nach Wirtschaft und See zusammengehören, kaufte er auch das 170.000 Quadratmeter große Gewässer dazu. Samt Fischereirecht, Landschaftsschutz­zo­nen und einem kleinen Teich, an dem sich Deutschlands äl­teste Seerosenfarm befindet. Die Villa ließ er für über zwei Millionen Euro von Grund auf sanieren und inklusive der Installation und Elektrik auf den neuesten Stand bringen.

Blick von der Terrasse auf die Burgruine Karlstein und den Untersberg (Foto: Franz-Marc Frei)

Der Wintergarten (Foto: Franz-Marc Frei)

Die Liegewiese am Nordufer (Foto: Franz-Marc Frei)

Seit 1878 begrüßt der „Seewirt“ Gäste – so auch den Puch-Motorradclub mit nostalgischen Gefährten aus dem Jahr 1925 (Foto: Franz-Marc Frei)

Eingespieltes Team: Bobby ­Haberl (oben, 3. v. l.) und seine Mitarbeiter (Foto: Franz-Marc Frei)

Der gemütliche Gastraum (Foto: Franz-Marc Frei)

Die erst vor Kurzem renovierte Küche (Foto: Stadt-Immobilien)

Bis zu 200 Gäste finden auf der Terrasse direkt am See Platz. Über die historische Freitreppe werden sie versorgt (Foto: Franz-Marc Frei)

Idyll am See

Die Inneneinrichtung der Wirtschaft ist so stilvoll und einfach gehalten, dass sie gut als Kulisse für einen historischen Film über Salz herhalten könnte. Denn das spielt in und um die Große Kreisstadt Bad Reichenhall, zu der auch der Ortsteil Thumsee heute gehört, eine große Rolle. Um das „weiße Gold“ an den Mann zu bringen, baute Georg Friedrich von Reichenbach von 1808 bis 1810 eine 131 Kilometer lange Leitung, durch die Sole – in Wasser gelöstes Salz – nach Rosenheim gepumpt wurde. Die Unternehmung gilt bis heute als technisches Meisterwerk. 1995 wurde daran ent­­lang ein Radweg angelegt; am „Seewirt“ führt er direkt vorbei. Ein stündlich verkehrender Bus verbindet Thumsee mit Bad Reichenhall. Wanderer und Badegäste nutzen ihn gern – und Gäste des „Seewirts“, die sich vom Blick auf die Burgruine Karlstein und den Untersberg nicht trennen mögen.

Anfang des 20. Jahrhunderts verbrachte übrigens Sigmund Freud einen Sommer am Thumsee. Heute gibt es in der Gemeinde zwar einige Möglichkeiten zum Übernachten, nicht aber im „Seewirt“. Ein Team um Thomas Schmid klopft momentan mit der Stadt Bad Reichenhall nachhaltige Möglichkeiten ab, den Gasthof dahingehend weiterzuentwickeln. Wird der Traum Wirklichkeit, könnte auch der Seminarraum im ersten Stock wieder öfter genutzt werden. Dann würden sich an der Magie des Sees nicht nur Ausflügler erfreuen – es könnte auch ein Ort sein, an dem Ideen, Wissen und Visionen ausgetauscht werden können.

Der Thumsee ...

...  liegt etwa 5 km ­westlich von Bad Reichenhall und nur gut 20 km von Salzburg entfernt. Von München aus (128 km) braucht man mit dem Auto etwa 1,5 bis 2 Stunden

KURZEXPOSÉ
„ZUM SEEWIRT“ am Thumsee bei Bad Reichenhall, Oberbayern
Nutzfläche ca. 545 m2 Grundstück ca. 56.000 m2 + 170.000 m2 Seefläche
Preis 5,1 Mio. Euro
Kontakt Stadt-Immobilien, 85748 Garching, Peter W. Klages, Tel. (089) 326 14 44, www.stadt-immobilien.de

Hier finden Sie ein ausführliches Exposé auf bellevue.de

Franz-Marc Frei

lebt in München als freier Journalist und Autor.