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BELLEVUE
Ausgabe 1/2012

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Report

Die 10 schönsten Dörfer Frankreichs

 

Wie kaum irgendwo in Europa haben sich in Frankreich die Dörfer ihre Ursprünglichkeit bewahrt. Wir haben die schönsten davon besucht

 

von Barbara Kolb und Arnaud Galy

Das wahre Frankreich, sagen die Fans, liegt draußen auf dem Dorf. Nur dort werden morgens noch die Baguettes spazieren getragen, klacken nachmittags noch die Boulekugeln, kreisen am Abend noch die Pastisgläser am Dorfplatz. Zur Freude der Touristen – und, natürlich, der Tourismusindustrie. Die nämlich weiß die pittoreske heile Dörferwelt durchaus zu vermarkten – unter anderem über den Verband „Les plus beaux villages de France“. Das Logo ziert ein grüner Kirchturm mit roten Blumen davor. 151 Dörfer zählt dieser Club, den der Exbürgermeister des Weilers Collonges-la-Rouge im Limousin einst erfand.

Selbstredend gehört sein Dorf bis heute dazu – und gibt sich alle Mühe, die Kriterien bei allfälligen Überprüfungen zu erfüllen: Nur Orte, die über ein sehenswertes historisches Erbe verfügen, aber keine Museumsdörfer sind, können laut Statuten dazugehören, außerdem nur solche, die maximal 2.000 Einwohner zählen – und vor allem nachweisen können, dass sie „ihre Gäste gut empfangen und dabei ihre dörfliche Lebensart gut zur Geltung bringen“. Wie auch immer Letzteres überprüft wird: Von fünf Bewerbern wird immer nur einer neu aufgenommen. Und manch ein Dorf wurde auch schon wieder ausgeschlossen, weil es die Hausaufgaben nicht machte.

Doch wir schauen hier auf die Musterschüler: Zehn der 151 Dörfer hat die Zeitschrift „Écoute“ unlängst zu den Top Ten der „Plus beaux villages“ gekürt. Zehn Perlen, die wir deshalb auch allen Frankreichfreunden, die von einem Ferienhaus auf dem Dorf irgendwo zwischen Bretagne, Provence und Baskenland träumen, näherbringen möchten. Denn in jedem dieser Dörfer, so haben wir recherchiert, stehen auch pittoreske, ortstypische Immobilien zum Verkauf. Derzeit sogar zu verlockend günstigen Preisen.

Gordes, das Künstlerrefugium
Unter der Sonne des Südens beginnen wir – mit einem Dorf, das auf einer Hügelkuppe erbaut wurde, wie es sie, zugegeben, in der Provence zuhauf gibt. Doch kaum eines hat so viel Flair wie Gordes. Malerisch schmiegen sich seine Häuser und Terrassengärten an die Berghänge. Darüber thront ein imposantes Schloss aus dem 16. Jahrhundert, jener Zeit, in der Erzabbau und Seidenproduktion dem Dorf Wohlstand bescherten; mit der industriellen Revolution war es damit vorbei. Erst als ab den 50er-Jahren Künstler das Felsennest entdeckten, gewann es wieder an Bedeutung. Chagall und Vasarely haben hier lange gelebt; im ortseigenen Museum sind ihre Werke zu sehen. Baukunst, die drei Jahrtausende mehr auf dem Buckel hat, kann man südwestlich des Dorfs besuchen: im „Village des Bories“, einer Ansammlung von bienenstockähnlichen prähistorischen Steinhütten, die bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts sogar bewohnt waren.

Roussillon – goldene Sonne
Auch wenn es kitschig klingt: Roussillon funkelt wie ein goldgelbes Juwel in der Sonne. Der Grund: Das Dorf wurde quasi mit dem Erdinneren des Luberon gebaut, mit ockerfarbenen Steinen, wie es sie nirgends sonst in Frankreich gibt. Auch rote, braune, orangefarbene und gelbe Nuancen weist dieser unverwechselbare Stein auf – eine Palette, auf die jeder Maler stolz wäre. Man kann diesen Farbrausch in freier Natur bewundern: Der „Sentier des Ocres“ (Ockerpfad) führt direkt ins Herz der alten Steinbrüche. Wer den steilen Aufstieg scheut, kann es auch gemütlicher haben: Bei der Aussichtstafel in der Nähe der Kirche Saint-Michel hat man einen Panoramablick über die ganze Gegend – und atmet dabei den Duft der Pinienwälder in der Ferne ein.


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