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Dubai

Turmbau zu Babel

 

Noch immer ist Dubai übersät von Baukränen, täglich werden neue Projekte angekündigt. Was jedoch von den Visionen Wirklichkeit wird, steht auf einem anderen Blatt

 

von Peggy Günther

Wer anlässlich der internationalen Immobilienmesse Cityscape durch Dubai fährt, weiß recht schnell, welche Baufirmen hier das Zepter in der Hand halten. Tausende blauer Flaggen mit der Aufschrift „Nakheel“ flattern am Rand der Hauptverkehrsader Sheikh Zayed Road im Wind. Mancherorts werden sie durch weiße „Emaar“-Fähnchen ergänzt. Die beiden staatlichen Entwicklungsfirmen stehen hinter den meis-ten Großprojekten im Wüsten-Emirat: Emaar zeichnet verantwortlich für die Dubai Marina, eine Ansammlung von 200 Hochhäusern, die in unmittelbarer Nähe zur Palm Jumeirah entstehen. Außerdem errichtet das börsennotierte Unternehmen das derzeit höchste Gebäude der Welt, den Burj Dubai. Bereits jetzt bringt er es auf eine beeindruckende Höhe von 707 Metern, mehr als 100 Meter kommen noch hinzu.

Und der nächste Höhenrekord wurde schon angesagt. Nakheel, bekannt für die künstliche Landgewinnung in Form der drei „Palmen“-Inseln und der Inselgruppe The World, kündigte auf der Cityscape medienwirksam an, über einen Kilometer hoch zu bauen: Als Zentrum des 28 Milliarden Euro schweren Projekts Harbour & Tower soll der Nakheel-Turm demnächst 1,4 Kilometer in den Himmel ragen, wie gemunkelt wird. Die genaue Höhe wird nicht offiziell bekannt gegeben, schließlich planen andere Firmen ähnlich spektakuläre Gebäude. So will sich Prinz al-Walid bin Talal in Saudi-Arabien ebenfalls einen über 1.000 Meter hohen Turm gönnen, man spricht von 1.600 Metern Höhe.

Ein weiteres sehr einflussreiches Immobilienunternehmen ist die Dubai Holding. Die Vereinigung mehrerer kleiner Entwicklungsfirmen arbeitet derzeit in Dubai an Projekten wie der Business Bay, einer Stadt, die mit 260 Hochhäusern die Heimat von 270.000 Menschen und zahlreichen Wirtschaftsunternehmen werden soll. Die Marktmacht der drei großen Player ist jedoch nicht ungebrochen. Auch jüngere Firmen kämpfen mit beeindruckenden Bauplänen um wertvolles Land nahe der 70 Kilometer langen natürlichen Küste des Emirats. So kündigte das junge Unternehmen Meraas ein Projekt im Wert von 75 Milliarden Euro an: die Jumeirah Gardens. Natürlich werden auch sie von einem mindestens 600 Meter hohen Gebäude gekrönt, inoffiziell wird hier sogar von zwei Kilometern Höhe gesprochen.

Doch wie realistisch ist das Streben nach dem höchsten Gebäude der Welt? Bereits ab 500 Metern wird es extrem kompliziert, einen Turm weiterhin stabil in den Himmel wachsen zu lassen, teilt uns der CEO von Nakheel, Chris O’Donnell, mit. Aber der Traum von einem Gebäude mit fünf Klimazonen, in dem man einen Sonnenuntergang zweimal erleben kann, treibt ihn und die anderen Entwicklerfirmen weiter an. Der Wunsch, sich mit einem Höhenrekord zu verewigen, ist beinahe so alt wie die Menschheitsgeschichte selbst: Wer kennt nicht die Geschichte vom Turmbau zu Babel, die schon im ersten Buch der Bibel erzählt wird …


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