Spanien
Preispoker in Spanien
Rabatte, Rabatte, Rabatte: Die Preise für spanische Immobilien sind tief gefallen. Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, das Traumhaus zu kaufen? Ein Marktreport
Gerald Paschen
In den letzten Wochen hat sich die Lage radikal geändert. Gab es Rabatte bei den großen Immobilienfirmen bisher nur sehr vorsichtig, fast schüchtern „unter dem Ladentisch“ und in nur kleiner Anzahl, werden jetzt ohne Scham und von immer mehr Unternehmen die hohen Preissenkungen ausposaunt. Mit Preisabschlägen von bis zu 50 Prozent geht man mit offenen Visier auf die Kunden los. Das neue Prinzip lautet: Wer gibt die höchsten Rabatte?
Während vertrauswürdige Statistiken der Regierung fehlen, schätzt die Banco de Bilbao Vizcaya, dass es zwischen 800.000 und 1.400.000 unverkaufte Neubauwohnungen gibt. Dazu kommen noch etwa 800.000 Zweithandobjekte. Die Verkaufszeiten von Zweithandimmobilien liegen mittlerweile oft zwischen sechs Monaten und einem Jahr. Für Neubauten gehen Experten manchmal sogar von bis zu mehreren Jahren aus. Juan Miguel Villar Mir, Besitzer des Bauträgers Espacio, rechnet damit, dass es drei Jahre dauern wird, bis der Bestand an Immobilien abgebaut wird. Angesichts steigender Arbeitslosenzahlen und der Kreditklemme sind aus dem Binnenmarkt nur wenige Impulse zu erwarten. Zudem macht sich das Gefühl breit, dass die Preise noch weiter sinken könnten, wodurch Kaufentscheidungen hinausgezögert würden. „Es wäre gut, wenn die Preise in 2009 drastisch gesenkt würden, um so eine Bodenbildung zu erreichen und auf diese Weise den Teufelskreis zu durchbrechen, der von kleineren und kontinuierlichen Preissenkungen gespeist wird“, analysiert die Caixa Galicia. Laut offiziellen Zahlen der Regierung sind die Hauspreise im ersten Quartal 2009 gegenüber dem gleichen Zeitraum im Vorjahr in Spanien durchschnittlich um 6,5 Prozent gesunken. Die Schätzungsgesellschaft TINSA geht allerdings von einem Preisverfall für Februar von neun Prozent und für März von knapp zehn Prozent aus. Andere Beobachter sehen sogar seit Jahresanfang Abschläge zwischen 20 und 30 Prozent.
Verantwortlich für den aktuellen Preiskrieg im Immobiliensektor sind vor allem die Banken und Sparkassen. Sie sitzen auf einem hohen Berg unverkaufter Immobilien von in Finanznot geratenen Privatleuten und Unternehmen, die man jetzt mit Kampfpreisen an den Mann zu bringen versucht. Im Wettbewerb mit den Bauträgern sitzen die Banken und Sparkassen oft am längeren Hebel. Die Caixa Catalunya zum Beispiel zeigt sich für ihren Bestand von etwa 3.600 Wohnungen besonders kulant: Die Preise wurden innerhalb eines halben Jahres bereits zum zweiten Mal gesenkt. Die Sparkasse haben sich daüber hinaus die Preispolitik der Baumärkte und Elektronikmärkte abgeschaut und garantieren inzwischen auch Minimalpreise; das heißt: Wenn ein Käufer in den nächsten Monaten nachweist, dass die Preise für vergleichbare Objekte weiter gefallen sind, verspricht die Bank, nachträglich einen Preisabschlag einzuräumen oder das Objekt zum alten Preis zurückzukaufen.
aus Bellevue Nr. 07/2009
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- Traumhaus: Mike Oldfields mallorquinischer Wohnsitz
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