Frankreich
Picassos Häuser
Das Haus, in dem Picasso starb, wurde kürzlich für zehn Millionen Euro verkauft. Und das Schloss, in dessen Park er begraben liegt, öffentlich zugänglich gemacht. Ein Rendezvous mit den Häusern des Jahrhundertkünstlers
von Helge Sobik
Der neue Besitzer hatte die Männer geschickt, um im Märchenwald aufzuräumen. Sie rissen die Fensterläden des Dreißig-Zimmer-Anwesens auf, deren rotbraune Farbe längst in schorfigen Flocken abstand, und bauten eine Schuttrutsche aus Plastik. „Sie renovieren Picasso heraus“, sagt eine Nachbarin. Sie hatte sich wie alle an den stillen Herrn gewöhnt, der vor langer Zeit abgereist schien. Und für dessen Rückkehr stets alles vorbereitet war.
Dreizehneinhalb Jahre nach jenem 8. April 1973 hat sich an diesem Ort, in Picassos letztem Wohn- und Atelierhaus Notre-Dame de Vie in Mougins an der Côte d’Azur, seine Witwe Jacqueline mit einer Pistole erschossen. Sie war es gewesen, die angeordnet hatte, dass nichts mehr angerührt werden dürfe. Alles sollte exakt so bleiben, wie der größte Künstler aller Zeiten es in der Minute seines Todes hinterlassen hatte. Sein Fotografenfreund David Douglas Duncan hielt damals zur Sicherheit jedes Detail fest, jeden Winkel, jeden Stoß Papiere, jeden Stapel Leinwände. Jacqueline lebte in einem Museum, das außer ein paar Freunden und ihrer Tochter Catherine nur sie betreten durfte. Ein Museum, das es jetzt nicht mehr gibt.
Rund zehn Millionen Euro hat der neue Besitzer für Haus und Grundstück bezahlt – ein angemessener Preis für das Anwesen in Mougins bester Villengegend, auf einem der größten Grundstücke weit und breit. Obwohl das Gebäude nach all den Jahren des Leerstands renovierungsbedürftig ist – und in den Monaten seit dem Kauf bereits weitere Millionen verschlungen haben dürfte. Zum Beispiel für den neuen Infinity Pool im Park.
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