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Golfspecial

Neuer Links-Course auf Sylt

 

160.000 Tonnen Erde bewegt, 26 Kasernen abgerissen, zehn Hektar Beton abgetragen – der Aufwand hat sich gelohnt: Auf Sylt ist ein waschechter Links-Course entstanden

 

Sven Heinen

Wir haben hier einen der schwersten Golfplätze Deutschlands“, erklärt Budersand-Manager Harald Holle bei der Fahrt im Caddiewagen. Die Erweiterung der Aussage folgt augenzwinkernd und umgehend, als der erhöhte Abschlag der Bahn 2 erreicht ist: „Ab Windstärke 7 dürften wir bei den weißen Tees sogar der schwerste sein.“ Der hünenhafte Mann mit dem Handicap von 28 ist einer der Sympathieträger von Sylts neuem Hotspot für Golfer. Der andere ist der Architekt des Budersand-Platzes, Rolf-Stephan Hansen. Der gebürtige Sylter hat in Zusammenarbeit mit der Eigentümerin und passionierten Golferin Claudia Ebert ein neues Highlight der Insel geschaffen. Einen echten Links-Kurs, der sich hinter namhaften britischen Plätzen absolut nicht verstecken muss. Einen Platz, der vom „GOLFmagazin“ in diesem Jahr den Award „Bester neuer Golfplatz Deutschlands“ erhielt.

Dabei muss man schon viel Fantasie besitzen, um zu erahnen, dass hier in Hörnum, wo heute ambitionierte Golfer mit Wind, Strandhafer und dem eigenen Spiel hadern, bis 1994 Wasserflugzeuge der Marine stationiert waren. Danach lag das Gelände rund zehn Jahre brach. Eindrucksvoller wird die Veränderung, wenn man ein Luftbild aus jener Zeit besitzt. Beim Blick darauf werden die Zahlen, die Landschaftsarchitekt Hansen nennt, deutlicher mit Leben gefüllt. Rund 160.000 Tonnen Erde habe man bewegt, das Areal sei früher platt gewesen wie ein Pfannkuchen. 17.000 Quadratmeter kleinformatige Heideflächen seien gerettet und zu großen „Wiesen“ zusammengesetzt worden. Die 26 Kasernengebäude wurden komplett abgerissen. Alles in allem mussten rund zehn Hektar Versiegelung und Bebauung beseitigt werden – riesige Betonflächen, die zerkleinert sogar für den Dünenschutz verwendet wurden. Kaum vorstellbar, dass zwischen der Abrissparty mit erstem Spatenstich und der Eröffnung im Juli 2008 nicht einmal drei Jahre lagen.

Heute sorgt der Golfplatz auch dafür, dass die Insel nicht, wie es früher immer hieß, hinter der Sansibar in Rantum zu Ende ist. Der Standort Hörnum im Süden Sylts gehört zu den Aufsteigern der letzten Jahre. Trotzdem bleiben die Verantwortlichen wie der studierte Golfplatzarchitekt Hansen bescheiden: „Einen Ryder Cup oder Ähnliches wollen und könnten wir hier gar nicht ausrichten“, erklärt er. „Diese Menschenmassen würden sich mit der Natur nicht vereinbaren lassen. Auf dem Platz steht alles außer den Spielflächen unter Naturschutz.“ Überhaupt ist die Natur auf dem Gelände eine echte Herausforderung. Der Wildwuchs von Pflanzen wie Stechginster, Hornklee und Thymian ist auffällig, dazu wurde noch Strandhafer im Überfluss gepflanzt. Von diesen „natürlichen Hindernissen“ abgesehen, birgt die 70 bis 80 Euro teure Golfrunde neben Wind und Wetter zusätzliche Gefahren in Form von 95 (einige behaupten sogar 96) Bunkern, in denen schon so mancher Hobbyspieler verzweifelt sein dürfte. Spätestens an Loch 15, einem kurzen Par 3, wird klar, warum die Handicap-Begrenzung für Budersand bei 28 für Herren und 36 für Damen liegt. Denn an diesem Loch, an dem man nach einem Regenguss durch die klare Luft die Nachbarinseln Föhr und Amrum sowie die Südspitze Sylts übers Watt sehen kann, spielt nicht nur der Wind eine Rolle. Links vom Abschlag verläuft mitten über die bewachsene Düne ein Holzsteg. „Sonntags ist das wie im Stadion“, sagt Hansen, „viele der Spaziergänger schauen länger zu. Da kommt dann bei dem einen oder anderen Spieler schon ein wenig Adrenalin dazu.“ Bei ihm selbst wohl nicht, denn mit einem Handicap von 9,8 liegt Hansen auf dem Level von „Kaiser“ Franz Beckenbauer. Und der zählt ja zu den heimlichen Profigolfern in Deutschland.

Viel Bewegung gab es auch nach der Platzeröffnung. Und das nicht einmal einen vollen Schwung vom Clubhaus entfernt. Hier entstand das Golf & Spa-Hotel Budersand der Golfplatzeigentümerin Claudia Ebert. Das moderne Hotel mit der ungewöhnlichen Optik wurde von dko architekten aus Berlin errichtet und vom Hamburger Innenarchitekten Jan Wichers ausgestattet. Die Eröffnung war Ende Mai dieses Jahres, ein knappes Jahr nach dem Start des Golfclubs. Zwar gab es bezüglich der offenen Zedernholzfassade auch schon Missverständnisse („Sagen Sie, wann wird denn endlich das Baugerüst abgenommen.“), doch angesichts des stimmigen Gesamtpakets dürfte niemand enttäuscht sein. Im Gourmetrestaurant werden Frühstück und Abendessen angeboten, wahlweise kann man die erste Mahlzeit des Tages auch auf der nur wenige Meter vom Meer entfernten Terrasse genießen. Hier bietet sich fast derselbe Ausblick wie von Loch 15 des Golfplatzes. Zudem ist es ein Erlebnis, gerade bei etwas Schiffsverkehr auf See. Darüber hinaus verfügt das Hotel über eine Vinothek, eine Lobbybar mit Live-Pianomusik ab 17 Uhr, eine Bibliothek und einen großzügigen Wellnessbereich.

Bei genauem Hinsehen fällt auf, dass man das Hotel als vier einzelne Häuser konzipiert hat. Nicht nur, um interessante Innenhofsituationen zu schaffen, es wurde auch erreicht, dass alle Zimmer und Suiten nach außen liegen. Mit 230 bis 1.200 Euro (ja nach Saison) haben die allerdings auch ihren Preis.

aus Bellevue Nr. 09/2009



Lesen Sie weiter dazu in der BELLEVUE-Heftausgabe Nr. 09/09
Dieser Artikel ist Teil eines 40-seitigen Golfspecials. Weitere Themen:
- Provence: Erfolgsstory Domaine de Terre Blanche
- Marbella: Immobilienverkauf per Butterfahrt an der "Costa del Golf"
- News aus der Welt der Golfimmobilien




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Veröffentlicht am Freitag, 06.November 2009 um 15:36 Uhr

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