Italienische Seen
Lago Maggiore und Comer See
Geschichtsträchtige Villen, hochpreisige Prestigeobjekte – in Oberitalien verzichtet man auch in der Krise nicht auf Stil. Wer jetzt kauft, sucht etwas Besonderes
von Silke Pfersdorf
Für zehn Millionen Euro kauft man so einen Traum, direkt am Ufer von Pollanza. Und klappt morgens selbst die gewaltigen Fensterläden auf, um auf den See zu blicken. Sofern man dann noch das nötige Kleingeld besitzt, der Villa ihr wohlverdientes Remake zu verschaffen. Denn ein bisschen Renovierung muss schon sein – die alte Dame hat schließlich 150 Jahre auf dem Buckel.
„Die meisten dieser Objekte gehören Erben, die damit nichts mehr zu tun haben wollen“, erklärt Anja Lüderitz von Engel & Völkers, die das Haus in ihrem Portfolio führen. Tatsächlich ist am Comer See und am Lago Maggiore ein kleiner Ausverkauf im Gange. Während gewöhnliche Secondhand-Häuser eher dünn gesät scheinen und die Makler lieber Neubauprojekte präsentieren, kommen Liebhaber von Immobilien-Antiquitäten jetzt voll auf ihre Kosten. „Es gibt einen klaren Trend zu historischen Gebäuden“, bestätigt Luigi Campominai vom Bauträger Mosini in Premeno am Lago Maggiore. „Weil diese Häuser etwas Besonderes sind. Und das ist heute gefragter denn je.“ Außerdem ist die Zeit der nächsten Generation angebrochen: „Die meisten Verkäufer der alten Villen haben ihre Anwesen geerbt und scheuen die Renovierungskosten“, erzählt Max del Vecchio von Artedil/Curti Costruzioni in San Siro am Comer See. „Vor allem gibt es oft hohe Denkmalschutzauflagen.“ Nicht selten richten Bauträger die Villen wieder her, modernisieren Leitungs- und Heizungssysteme und bieten sie dann erst an.
Auch die Eigentümer der Villa Barrozzi, die das Maklerteam der CISE RE im Portfolio führt, wollten ihr beeindruckendes 16-Zimmer-Domizil über dem Lago Maggiore lieber zu Geld machen. Die Straße ins kleine Poppino scheint sich von Luino aus ins Nirgendwo hochzuschrauben. 85 Jahre alt ist die Villa, und ihr Lifting wird gerade vollendet – in vielen Zimmern konnte man sogar die Deckenfresken erhalten, auch die Holztreppe und zahlreiche Fliesen sind noch Originale. Prunkstück in der Küche: der alte Ofen. Pure Geschichte, die für rund fünf Millionen Euro einen Käufer sucht.
Solche Preise in Zeiten der Wirtschaftskrise? Ja, sagen die Makler, die Baisse hat sich auch hinter die Alpen geschleppt, aber „eigentlich“, so Iren Belceva von der Mailänder Firma Bludom, „bricht vor allem das mittlere Segment weg, weil die Käufer abwarten. High-Class-Objekte aber sind überhaupt nicht betroffen.“ Klagelieder stimmen die wenigsten an – dafür gibt es speziell am Comer See und am Lago Maggiore einfach zu viele Prestige-Objekte. Und immer noch genügend Käufer, die genau daran interessiert sind. Gerade ihre gediegene Gepflegtheit scheint die Seen für italophile Kaufinteressenten so begehrenswert zu machen. Abgewirtschaftete, leer stehende Objekte sind selten. Wer hier sein Domizil bezieht, kann es sich meistens auch leisten.
Veröffentlicht am Montag, 06.April 2009 um 12:31 Uhr
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