Einen der Käufer lernen wir kennen: Dr. Wang, TCM-Mediziner und
Fachbuchübersetzer. Er hat sich für eine
220-Quadratmeter-Dachgeschosswohnung in einem der sechsstöckigen
Komplexe entschieden. Sie verfügt, wie die anderen
Dachgeschosseinheiten auch, über eine Terrasse; im Erdgeschoss gibt es
Gartenanteile, auf den anderen Etagen Balkone. Wie alle anderen Käufer
ist Dr. Wang überzeugt, dass die Bauquälität hervorragend sein müsse.
Es handele sich ja um die olympischen Stätten, die nach besonderen
Normen errichtet würden. Das Besichtigungsverbot? Dafür hat er volles
Verständnis. Schließlich bedrohe der internationale Terrorismus auch
die Spiele. Und die Zeit bis Oktober 2009 werde nun mal benötigt, um
aus den Sportlerunterkünften bezugsfertige Luxuswohnungen zu machen.

42 Gebäude für 16.000 Sportler und Offizielle: Nach den Spielen wird hier die Pekinger Upper Class residieren (Foto: cnsphoto)
Wir begleiten Dr. Wang in das Verkaufsbüro. Unter 40 unterschiedlichen Grundrissen kann er dort wählen. Zwei Bäder sind Standard, vier sind möglich. Es gilt das amerikanische Prinzip: Master-Bedroom mit angeschlossenem Bad und begehbarem Kleiderschrank, daneben das Arbeitszimmer für den Hausherrn. Die Küchen werden grundsätzlich geschlossen angeboten. Der auslandserfahrene Dr. Wang würde aber ein offenes Küchendesign bevorzugen. „Meiyou wenti – kein Problem“, meint der junge, smarte Verkaufsberater, der im mit plüschigen Sitzeckchen und beleuchteten Modellen ausgestatteten Verkaufspavillon seine Kunden berät. Noch ein Mangel: Dr. Wang gefällt das fensterlose Badezimmer in der Mitte der Wohnung nicht. Nach den Feng-Shui-Prinzipien der klassischen chinesischen Medizin dürfe sich eine Wasserquelle niemals in der Mitte eines geschlossenen Raumes befinden. Auch dazu heißt es: „Meiyou wenti.“ Der Verkäufer hat natürlich leicht reden. Den Umbau bezahlen muss sowieso Dr. Wang. Wie in China üblich, kauft er nur den umbauten Raum. Für alles andere zahlt er extra. Da kommen leicht noch einmal 200 Euro pro Quadratmeter dazu.
In den Preisen inkludiert ist dagegen die großartige Infrastruktur des Geländes. Das gesamte Olympia-Terrain wird mit Strom aus zwei Kraftwerken von Siemens versorgt. Einen Großteil der Energie für das Dorf liefern 6.000 Quadratmeter Sonnenkollektoren. Ebenfalls von Siemens sind die Kläranlagen: Bis zu 60.000 Tonnen Schmutzwasser täglich können sie ökologisch korrekt verarbeiten. Für Peking, das nur über ein sehr rudimentäres Abwassersystem verfügt, ist das einmalig. Stolz ist man auch auf die ISO-14001-Zertifizierung für das Umweltmanagementsystem, das den Umweltschutz systematisch in alle Betriebsabläufe integriert. Und natürlich gibt es auch Shoppingcenter, Tiefgaragen, ein Gym mit Pool, Restaurants, eine Ambulanz, einen Kindergarten, Spielplätze, Security – für einen Compound dieser Qualität selbstverständlich. Und falls man (noch) keinen Cayenne besitzt: Das gesamte Olympia-Gebiet ist mit mehreren Stationen an die Pekinger U-Bahn angeschlossen.

42 Gebäude für 16.000 Sportler und Offizielle: Nach den Spielen wird hier die Pekinger Upper Class residieren (Foto: cnsphoto)
Wir begleiten Dr. Wang in das Verkaufsbüro. Unter 40 unterschiedlichen Grundrissen kann er dort wählen. Zwei Bäder sind Standard, vier sind möglich. Es gilt das amerikanische Prinzip: Master-Bedroom mit angeschlossenem Bad und begehbarem Kleiderschrank, daneben das Arbeitszimmer für den Hausherrn. Die Küchen werden grundsätzlich geschlossen angeboten. Der auslandserfahrene Dr. Wang würde aber ein offenes Küchendesign bevorzugen. „Meiyou wenti – kein Problem“, meint der junge, smarte Verkaufsberater, der im mit plüschigen Sitzeckchen und beleuchteten Modellen ausgestatteten Verkaufspavillon seine Kunden berät. Noch ein Mangel: Dr. Wang gefällt das fensterlose Badezimmer in der Mitte der Wohnung nicht. Nach den Feng-Shui-Prinzipien der klassischen chinesischen Medizin dürfe sich eine Wasserquelle niemals in der Mitte eines geschlossenen Raumes befinden. Auch dazu heißt es: „Meiyou wenti.“ Der Verkäufer hat natürlich leicht reden. Den Umbau bezahlen muss sowieso Dr. Wang. Wie in China üblich, kauft er nur den umbauten Raum. Für alles andere zahlt er extra. Da kommen leicht noch einmal 200 Euro pro Quadratmeter dazu.
In den Preisen inkludiert ist dagegen die großartige Infrastruktur des Geländes. Das gesamte Olympia-Terrain wird mit Strom aus zwei Kraftwerken von Siemens versorgt. Einen Großteil der Energie für das Dorf liefern 6.000 Quadratmeter Sonnenkollektoren. Ebenfalls von Siemens sind die Kläranlagen: Bis zu 60.000 Tonnen Schmutzwasser täglich können sie ökologisch korrekt verarbeiten. Für Peking, das nur über ein sehr rudimentäres Abwassersystem verfügt, ist das einmalig. Stolz ist man auch auf die ISO-14001-Zertifizierung für das Umweltmanagementsystem, das den Umweltschutz systematisch in alle Betriebsabläufe integriert. Und natürlich gibt es auch Shoppingcenter, Tiefgaragen, ein Gym mit Pool, Restaurants, eine Ambulanz, einen Kindergarten, Spielplätze, Security – für einen Compound dieser Qualität selbstverständlich. Und falls man (noch) keinen Cayenne besitzt: Das gesamte Olympia-Gebiet ist mit mehreren Stationen an die Pekinger U-Bahn angeschlossen.
| Der Autor Martin Brandes lebt seit sechs Jahren als Dokumentarfilmer und Medienberater in Peking. Für BELLEVUE berichtet er regelmäßig über die rasanten Entwicklungen auf dem chinesischen Immobilienmarkt.
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aus Bellevue Nr. 08/2008
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