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Baustile
Typisch Austria?
Zwischen gelebter Tradition und modernem Anspruch: Die Architektur in unserem Nachbarland hat mehr zu bieten als nur Holzbalkone mit dazugehöriger Blütenpracht
von Dirc Kalweit
Bauhaus? Klar, jedem ein Begriff: klare Strukturen, strenge Geometrie, Walter Gropius. Auch mit Jugendstil dürften die meisten etwas anfangen können: Da sind es geschwungene Linien und andere dekorative Gestaltungselemente, die in der Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert in Kunst und Architektur neue Maßstäbe setzten.
Aber haben Sie auch schon mal von der „Wörthersee-Architektur“ gehört? Wenn nicht, wird es Zeit. Kenner der Materie wie der Österreicher Friedrich Achleitner, Professor für Architekturtheorie, beschreibt diesen Baustil als Mix aus „Jugendstil und Regionalromantik, Barock und englischer Landhausarchitektur“. Das klingt nicht nur nach guter alter Zeit, es sieht auch so aus.
Das beste Beispiel dafür ist die Villa Luckmann (Bild), am Nordufer bei Pörtschach auf einem 6.165 Quadratmeter großen Grundstück gelegen, mit unverbaubarem Blick auf den Wörthersee. Sie hat rund 370 Quadratmeter Wohnfläche, Holzsprossenfenster, Türmchen, Erker – ein wenig britischer Landadel, kombiniert mit vorindustrieller Großbürgerlichkeit. Eben beste Wörthersee-Architektur. Der Schöpfer dieses Schmuckstücks, Professor Franz Baumgartner, gilt als erfolgreichster Vertreter dieses Stils. Und er schaffte etwas, das so mancher Baumeister der Neuzeit vergeblich anstrebt: eine Architektur, die „in jeder Situation, in der Spanne zwischen Behaglichkeit und Repräsentation, zwischen öffentlichem Anspruch und privater Zurückgezogenheit angewendet werden konnte“, wie es der eingangs erwähnte Friedrich Achleitner beschreibt.
Architektur ist in Österreich ein hohes Gut mit entsprechender Tradition. Selbst wenn es sich nicht um repräsentative Villen, sondern um alltagstaugliche Zweckbauten handelt. Am deutlichsten zeigt sich das in Tirol. Wohl kein anderes Bundesland prägt unser Bild vom „typischen Österreich“ so stark. Das liegt vor allem an den Hofanlagen im Berg-land: Unten Steine, oben Holz, dazu ein rundum laufender Balkon mit Blumenkästen und üppiger Blumenpracht – fertig ist das Haus made in Austria. Ein Klischee, klar. Aber eines mit Hintergrund. Der bäuerliche Besitz hatte eine klare architektonische Ausprägung. Im Tiroler Unterland, zwischen dem Achental und Kufstein, waren (und sind) die Bauernhöfe richtige Anlagen (siehe Galerie). Das Hauptgebäude setzt sich aus Stall, Futter- und Wohnhaus zusammen; Letzteres wiederum besteht meist aus Erd-, Ober- und Giebelgeschoss. Ein Flur teilt die Wohnräume zu beiden Seiten, die gute Stube liegt an der Hausecke, die Küche gegenüber. Heizen war in früheren Zeiten Luxus, weshalb der Kachelofen, heute das Synonym für urige Gemütlichkeit, strategisch günstig platziert wurde. Oberhalb der Stube befand sich traditionell das Elternschlafzimmer, das dadurch indirekt mitbeheizt wurde.
Aber haben Sie auch schon mal von der „Wörthersee-Architektur“ gehört? Wenn nicht, wird es Zeit. Kenner der Materie wie der Österreicher Friedrich Achleitner, Professor für Architekturtheorie, beschreibt diesen Baustil als Mix aus „Jugendstil und Regionalromantik, Barock und englischer Landhausarchitektur“. Das klingt nicht nur nach guter alter Zeit, es sieht auch so aus.
Das beste Beispiel dafür ist die Villa Luckmann (Bild), am Nordufer bei Pörtschach auf einem 6.165 Quadratmeter großen Grundstück gelegen, mit unverbaubarem Blick auf den Wörthersee. Sie hat rund 370 Quadratmeter Wohnfläche, Holzsprossenfenster, Türmchen, Erker – ein wenig britischer Landadel, kombiniert mit vorindustrieller Großbürgerlichkeit. Eben beste Wörthersee-Architektur. Der Schöpfer dieses Schmuckstücks, Professor Franz Baumgartner, gilt als erfolgreichster Vertreter dieses Stils. Und er schaffte etwas, das so mancher Baumeister der Neuzeit vergeblich anstrebt: eine Architektur, die „in jeder Situation, in der Spanne zwischen Behaglichkeit und Repräsentation, zwischen öffentlichem Anspruch und privater Zurückgezogenheit angewendet werden konnte“, wie es der eingangs erwähnte Friedrich Achleitner beschreibt.
Architektur ist in Österreich ein hohes Gut mit entsprechender Tradition. Selbst wenn es sich nicht um repräsentative Villen, sondern um alltagstaugliche Zweckbauten handelt. Am deutlichsten zeigt sich das in Tirol. Wohl kein anderes Bundesland prägt unser Bild vom „typischen Österreich“ so stark. Das liegt vor allem an den Hofanlagen im Berg-land: Unten Steine, oben Holz, dazu ein rundum laufender Balkon mit Blumenkästen und üppiger Blumenpracht – fertig ist das Haus made in Austria. Ein Klischee, klar. Aber eines mit Hintergrund. Der bäuerliche Besitz hatte eine klare architektonische Ausprägung. Im Tiroler Unterland, zwischen dem Achental und Kufstein, waren (und sind) die Bauernhöfe richtige Anlagen (siehe Galerie). Das Hauptgebäude setzt sich aus Stall, Futter- und Wohnhaus zusammen; Letzteres wiederum besteht meist aus Erd-, Ober- und Giebelgeschoss. Ein Flur teilt die Wohnräume zu beiden Seiten, die gute Stube liegt an der Hausecke, die Küche gegenüber. Heizen war in früheren Zeiten Luxus, weshalb der Kachelofen, heute das Synonym für urige Gemütlichkeit, strategisch günstig platziert wurde. Oberhalb der Stube befand sich traditionell das Elternschlafzimmer, das dadurch indirekt mitbeheizt wurde.
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